Fipronil-Eier: Fragen und Antworten

Fipronil-Eier: Fragen und Antworten

Von Nina Magoley

Im Fipronil-Skandal erhöhen NRW-Behörden den Untersuchungsdruck. Aus nordrhein-westfälischer Produktion wurden bisher keine belasteten Eier gefunden. Fragen und Antworten.

Seit Montag (07.08.2017) werden Proben auch von den Spezialisten im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Krefeld untersucht. Bislang wurden die Proben ausschließlich vom Partneramt in Münster analysiert.

Werden alle verdächtigen Eier untersucht?

Untersucht werden Stichproben, die die Institute aus 160 Eier-Verpackungsstationen in NRW bekommen. An diesen Stationen kommen Eier von Hühnerhöfen aus jeweils einer Region NRWs zusammen, aber auch aus den Niederlanden. Sie werden dort nach Größe und Art sortiert. In einer Packung können am Ende also Eier von mehreren verschiedenen Höfen enthalten sein.

Eier: Auf der Suche nach dem Gift

WDR 5 Morgenecho - Reportage | 08.08.2017 | 03:16 Min.

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Pro Tag können in Krefeld und Münster jeweils 40 Proben untersucht werden, sagt Frauke Dennig-Schmitz vom Krefelder CVUA-Institut. Eine Probe enthalte jeweils 12 Eier - darunter auch Bio-Eier. Erste Untersuchungsergebnisse erwarten die Wissenschaftler nach drei Tagen.

Was haben die Untersuchungen bisher ergeben?

Nach Angaben von NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) wurden bisher 74 Proben aus Verpackungsstationen in NRW untersucht. Die Ergebnisse seien alle negativ, sagte sie am Dienstag (08.08.2017) im WDR. Derzeit würden auch verarbeitende Produkte überprüft. Dazu lägen aber noch keine Resultate vor.

Schulze Föcking zu Fipronil-Skandal: Problem ist die kriminelle Energie

WDR 2 | 08.08.2017 | 05:11 Min.

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Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) gab am Montag bereits Entwarnung: Nach Bekanntwerden des Einsatzes von Fipronil in dem Milbenbekämpfungsmittel DEGA 16 habe KAT sämtliche angeschlossenen Betriebe "umgehend gesperrt", sagte der KAT-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke. Diese Betriebe lieferten nun nicht mehr an den Lebensmitteleinzelhandel. "Vor diesem Hintergrund können wir heute sagen, dass wir für deutsche Eier aus KAT-zertifizierten Mitgliedsbetrieben Entwarnung geben können", diese Eier könne "der Verbraucher wieder unbesorgt konsumieren".

Hennen im Außengelände

Hühner in Deutschland fipronilfrei?

KAT setzt sich nach eigenen Angaben für die Rückverfolgung und Herkunftssicherung von Eiern aus Boden- und Freilandhaltung ein. Dem Verband gehören europaweit 2.400 Legehennenbetriebe an, "fast jedes Ei in deutschen Supermärkten" komme aus einem KAT-Betrieb, so der Verein über sich selbst.

Auch im Kreis Wesel gibt es bislang keine Hinweise auf Fipronil. Eine Abfrage bei den 23 Legehennen-Betrieben im Kreisgebiet habe keine Rückmeldung ergeben, dass mit Fipronil verunreinigte Präparate verwendet worden seien, teilte Kreisdirektor Ralf Berensmeier am Dienstag (08.08.2017) mit.

Was weiß man mittlerweile über den Weg, den das mit Fipronil versetzte Reinigungsmittel genommen hat?

Bislang sind in den Niederlanden in 28 Betrieben mit Fipronil belastete Eier entdeckt worden. Insgesamt 180 Betriebe waren zunächst gesperrt worden, inzwischen sind es nur noch 138. Sie alle hatten ihre Ställe mit einem Anti-Milbenmittel gereinigt, dem das für Nahrungsmittel verbotene Insektizid Fipronil beigemischt war. Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK wusste nach eigenen Angaben bereits Anfang Juni von einem Verdachtsfall in einem Betrieb - Wochen, bevor sie am 20. Juli andere EU-Länder informierte.

Nach Angaben des Vereins KAT bezogen 100 niederländische, vier deutsche und ein belgischer Betrieb das belastete Anti-Läusemittel. Mittlerweile hätten die niederländischen Behörden sämtliche Fipronil-Eier vom Markt genommen, sagt LANUV-Sprecher Jacobs.

Wie viele Betriebe sind insgesamt in Deutschland betroffen?

Bislang sind vier Betriebe in Deutschland wegen des Fipronil-Skandals gesperrt. Aus nordrhein-westfälischer Produktion wurden bislang keine belasteten Eier gefunden, bestätigte auch ein Sprecher des Umweltministeriums am Montagmorgen. Die bisher bekannten, mit Fipronil belasteten Chargen stammen aus den Niederlanden. Listen mit den Stempelnummern hat das Ministerium im Internet veröffentlicht. Allerdings: "Wir haben auch hier noch keine Informationen der Niederländer erhalten, wohin das verdächtige Mittel genau geliefert worden ist", sagte Schulze Föcking bereits am Freitag (04.08.2017) im WDR-Interview. Sämtliche hier identifizierten Gift-Eier stammen aus den Niederlanden.

Bisher bekannte Stempelnummern und weitergehende Informationen hat das NRW-Agrarministerium in einem PDF-Dokument zusammengefasst.

Müssen Hühner, die fipronilbelastete Eier gelegt haben, getötet werden?

Darüber ist man sich offensichtlich noch nicht einig. Ist der giftige Stoff einmal im Hühnerkörper, sei davon auszugehen, dass immer weitere Eier belastet würden, sagt zumindest CVUA-Sprecher Wilfried Höwedes.

Ist auch Hühnerfleisch betroffen?

Anzeichen dafür, dass auch Hühnerfleisch mit Fipronil belastet ist, gebe es bislang nicht, sagt eine Sprecherin des Landesamtes für Umwelt und Verbraucherschutz. Dennoch rechnen die CVUA-Untersuchungslabore in Münster und Krefeld damit, in den nächsten Tagen auch Fleischproben von Masthühnern zu untersuchen, sagt Frauke Dennig-Schmitz vom Krefelder CVUA-Institut. Mastbetriebe in NRW würden derzeit "abgefragt", ob bei ihnen das Reinigungsmittel verwendet wurde, sagt LANUV-Sprecher Jacobs.

Welche Produkte können noch betroffen sein?

Das CVUA geht davon aus, dass auch andere mit Eiern erzeugte Lebensmittel betroffen sein können. "Es ist naheliegend, dass es bei Eiern nicht bleiben wird", sagte der CVUA-Vorstandsvorsitzende Peter Fürst am Freitag. Rückstände von Fipronil seien möglicherweise auch im Hühnerfleisch selbst zu finden und in Produkten wie Mayonnaise oder Eierlikör, in denen Eier weiterverarbeitet wurden. Erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern gab es bereits: Das Unternehmen Neue Mayo Feinkost aus Lübeck rief sechs Salatprodukte zurück, für die Fipronil-Eier verarbeitet worden sein sollen - NRW war von der Rückrufaktion nicht betroffen.

Welche Konsequenzen will NRW ziehen?

NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking hält das derzeitige Kontrollsystem in NRW für ausreichend. Es gebe ein sehr engmaschiges System bei der Lebensmittelkontrolle, so dass solche Fälle wie jetzt auffallen würden, sagte sie am Dienstag im WDR. Stattdessen müsse man bei der kriminellen Energie der Lebensmittelpanscher anpacken. Konkreter wurde sie aber nicht.

Stand: 08.08.2017, 17:09