Nach Anschlag auf BVB-Bus: neue Details aus Anklageschrift

Der beschädigte BVB-Mannschaftsbus nach dem Anschlag am 11.04.2017

Nach Anschlag auf BVB-Bus: neue Details aus Anklageschrift

  • Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach Sprengstoff-Attentat
  • Sergej W. wird versuchter Mord in 28 Fällen vorgeworfen
  • Drei Sprengsätze mit Metallbolzen bestückt gezündet

Nach vier Monaten Recherche sind sich die Ermittler sicher: Ihre Indizienkette führt zu dem 28-jährigen Russlanddeutschen. Die Anklageschrift wirft ihm versuchten Mord in 28 Fällen, Herbeiführen einer Sprengsstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung vor. Heimtückisch und aus Habgier habe er versucht, möglichst viele Insassen des Mannschaftsbusses zu ermorden.

Sprengsätze waren mit Metallbolzen bestückt

Der Tatverdächtige soll am 11. April 2017 vor dem Champions-League-Spiel gegen Monaco drei Sprengsätze mit einer Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Mischung und Dutzenden Metallbolzen bestückt haben. Die Sprengsätze waren neben der Fahrbahn am Mannschaftshotel in einer Hecke angebracht. Als der Bus mit Fahrer, acht Betreuern und 18 Spielern neben der Hecke herfuhr, habe der 28-Jährige die Sprengkörper gezündet. Innenverteidiger Marc Bartra erlitt einen Bruch am Unterarm. Ein Bolzen schlug in die Kopfstütze ein. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.

Mutmaßlicher Attentäter spekulierte wohl auf sinkenden Aktienkurs

Der mutmaßliche Attentäter spekulierte laut Staatsanwaltschaft im Falle eines erfolgreichen Attentats mit vielen Toten und Verletzten auf einen sinkenden Kurs der Aktien von Borussia Dortmund. Dafür hatte er mehrere Zehntausend Euro geliehen und 15.000 entsprechende Aktien an der Börse gekauft. Der 28-Jährige soll auf Börsengewinne von bis zu 500.000 Euro spekuliert haben. Tatsächlich hatte er nach der Tat durch den Verkauf seiner Optionsscheine nur knapp 6.000 Euro erzielt.

Sergej W. schweigt bisher zu allen Vorwürfen

Der Elektriker aus Süddeutschland habe sich in dem Mannschaftshotel von Borussia Dortmund einquartiert und in Hecken am Parkplatz des Busses mehrere Sprengsätze deponiert. Einer explodierte und verletzte unter anderem Spieler Marc Bartra, der im Krankenhaus behandelt wurde. Schnell kam man auf die Spur des jetzt angeklagten Mannes. Er sitzt seit vier Monaten in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Zum Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht wird es vermutlich frühestens Ende des Jahres kommen.

Sergej W. wurde am 21.04.2017 durch die Spezialeinheit GSG-9 festgenommen. Nach Informationen der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung geriet der 28-Jährige bereits kurz vor Ostern ins Blickfeld der Ermittler. Er soll am Tag des Anschlages im Mannschaftshotel des BVB gewohnt und auf ein Zimmer mit Blick auf den späteren Ort des Anschlags bestanden haben.

Stand: 01.09.2017, 15:10