Kassen: Mehr Beschäftigte psychisch krank

Krankmeldung

Kassen: Mehr Beschäftigte psychisch krank

Krankenkassen zu Fehlzeiten von Erwerbstätigen: Immer mehr Krankmeldungen im Job wegen psychischer Erkrankungen.

Wegen psychischer Krankheiten müssen Erwerbstätige in NRW immer häufiger zu Hause bleiben. Das ergeben Erhebungen der Krankenkassen AOK, Techniker und DAK aus den Daten ihrer Versicherten. Bei der Techniker (TK) hätten sich die Fehlzeiten aufgrund psychischer Leiden wie Depressionen in zehn Jahren verdoppelt, teilte die Kasse am Donnerstag (14.09.2017) in Düsseldorf mit.

Auch Azubis betroffen

In NRW fehlte laut TK-Erhebung, in der die Daten von rund 1,1 Millionen Versicherten ausgewertet wurden, jede Erwerbsperson im vergangenen Jahr durchschnittlich 15,5 Tage im Job - davon fast drei Tage wegen psychischer Erkrankungen. Auch Auszubildende seien schon betroffen. Sie litten unter Depressionen, Anpassungs- und Belastungsstörungen. 1,2 Fehltage bei den 16- bis 25-Jährigen sind die Folge.

"Städte mit höherer Arbeitslosigkeit und Regionen, wo viel gependelt wird, sind stärker betroffen. Pendeln macht krank", sagt TK-Sprecherin Andrea Hilberath. Konstant seien seit Jahren die regionalen Unterschiede. Im Ruhrgebiet sind Erwerbstätige häufiger krank als in Bonn, Düsseldorf, Köln oder dem Münsterland.

Bei der DAK, die Daten von 400.000 Versicherten ausgewertet hat, sank die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen im vergangenen Jahr erstmals seit zehn Jahren zwar leicht auf 270 je 100 Versicherte. Das waren aber immer noch doppelt so viele Fehltage wie 2006.

"Man ist sehr viel ehrlicher geworden"

"Ein Trend lässt sich aus dem Rückgang nicht ableiten. Dass die Zahl psychischer Erkrankungen seit Jahren gestiegen ist, liegt an der Entstigmatisierung. Früher waren das eben eine Magenverstimmung oder Rückenschmerzen. Da ist man sehr viel ehrlicher geworden", sagt DAK-Sprecher Rainer Lange.

Laut AOK ist der Arbeitsausfall durch psychische Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren mit 79,3 Prozent überproportional stark gestiegen.

Stand: 14.09.2017, 18:40