Nach dem Diesel-Gipfel: Was tun die Kommunen?

Zahllose Autos im Stau, wartende Fußgänger an einer Haltestelle, daneben eine Straßenbahn in der Innenstadt von Düsseldorf

Nach dem Diesel-Gipfel: Was tun die Kommunen?

  • Debatte über konkrete Folgen des neuen Diesel-Gipfels.
  • Essens OB: Versprochenes Geld reicht nicht aus.
  • Wissenschaftler: Innovatives Vorbild-Projekt in Paderborn.

Die vom Bund zugesagte Hilfe für belastete Städte im Kampf gegen zu schmutzige Luft durch Diesel-Autos reicht nach Ansicht des Essener Oberbürgermeisters Thomas Kufen (CDU) bei weitem nicht aus. "Das Geld kann nur ein erster Schritt sein", sagte Kufen am Dienstag (05.09.2017) bei WDR 5.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag (04.09.2017) - rund drei Wochen vor der Bundestagswahl - mehr Geld bei dem erneuten Treffen mit Bürgermeistern versprochen. Der Bund stockt einen Fonds, der bisher 500 Millionen Euro schwer sein sollte, auf eine Milliarde auf. Davon soll - Stand jetzt - die Autoindustrie 250 Millionen zahlen, 750 Millionen der Bund - und damit der Steuerzahler.

Vorbild Paderborn

Was geschieht nun konkret in den Kommunen? Innovative Lösungen gibt es bereits in NRW. So nahm der Chef der Paderborner Verkehrsbetriebe sogar am Diesel-Gipfel teil. In Paderborn sind Busse mit einer hocheffektiven Abgastechnologie ausgestattet worden. Das Nachrüstsystem soll die gefährlichen Stickoxide um fast 99 Prozent reduzieren.

Experte: Diesel nicht tot

"Das was in Paderborn fährt, ist wahrscheinlich der sauberste Bus auf der Welt. Das haben wir bei Untersuchungen nachgewiesen", sagte Ralph Pütz, Professor für Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik an der Hochschule Landshut. Er wolle als Wissenschaftler keine Werbung für ein Unternehmen machen, aber es gebe derzeit mindestens drei Anbieter, die solche Systeme zur Nachrüstung anbieten – in Deutschland, Finnland und Dänemark.

"Elektro-Hype"?

"Damit könnten die derzeit fahrenden Busse in NRW-Städten locker auf die umweltfreundliche Euro-Sechs-Norm gebracht werden. Einige Kommunen bereiten das auch derzeit vor - für den Fall, dass Gerichte Fahrverbote erlassen", sagte Pütz weiter. Manche Verkehrsunternehmen scheuten die Diesel-Nachrüstung allerdings - seiner Meinung nach aufgrund des "Elektro-Hypes". Dabei seien die Akkus der Elektro-Fahrzeuge derzeit noch nicht ausgereift. Der Forscher: "Auch die CO2-Bilanz stimmt nicht, da der Strom in Deutschland vor allem aus der Kohle-Verstromung kommt. Diesel ist aus meiner Sicht nicht tot – aber man muss ihn halt nachrüsten".

Aber saubere Busse allein können es wohl nicht richten. Nach Meinung des Verkehrsclubs Deutschland müssen mehrere Schritte gleichzeitig erfolgen: PKW-Nachrüstung sowie Ausbau des ÖPNV-Angebot und des Fahrradwegenetzes. Der VCD: "Nur wenn das Angebot stimmt und attraktiv ist, steigen Menschen vom Auto auf Bus und Bahn um."

Mehr Leih-Fahrräder?

In den NRW-Städten wird heiß diskutiert, was kurzfristig helfen kann, um die Luft sauberer zu machen. Beispiel Münster: Die Idee eines CDU-Lokalpolitikers, in der Stadt flächendeckend Leih-Fahrräder anzubieten, stößt auf Kritik wie Begeisterung. Die SPD lehnt die millionenschweren Pläne ab. Auch weil es schon zwei Radstationen mit 250 Mieträdern gebe.

Mehr Druck auf Industrie gefordert

Im WDR-Interview klang Essens OB Kufen skeptisch. "Es geht nicht darum, aus 20 Maßnahmen zwei auszusuchen und diese dann zu machen, sondern es geht um 120 Maßnahmen. Und die werden wir dann alle machen müssen", warnte Kufen. Diese Automobil-Industrie stehe in der Pflicht, andere technische Möglichkeiten zu entwickeln, sagte der CDU-Politiker. "Und wer kann Druck machen auf die Autoindustrie? Sicher nicht 30 Kommunen", sagte Kufen. "Die Kommunen allein werden es nicht schaffen."

Mehr Geld für saubere Luft in Städten

WDR 5 Morgenecho - Interview | 05.09.2017 | 06:50 Min.

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Stand: 05.09.2017, 12:26