Contergan-Skandal: Behörden waren laut Studie überfordert

Schlafmittel Contergan

Contergan-Skandal: Behörden waren laut Studie überfordert

Welche Rolle spielte das Land NRW beim Contergan-Skandal in den 1960er Jahren? Eine Studie ist dieser Frage jetzt nachgegangen. Ganz frei von Schuld ist das Land demnach nicht.

Im Fall des Contergan-Skandals vor über 50 Jahren haben sich die Behörden des Landes nach damaligen Normen nicht rechtswidrig verhalten. Dieses Fazit zog Gesundheitsministern Barbara Steffens (Grüne) am Freitag (13.05.2016) bei der Vorstellung einer wissenschaftlichen Studie zur damaligen Rolle des Landes.

Politik und Behörden seien seinerzeit aber überfordert gewesen, sagte der Autor der Studie, Niklas Lenhard-Schramm. So habe es unter anderem keine rechtlichen Vorschriften zum Verbot von Arzneimitteln gegeben. Auch gab es kein arzneimittelrechtliches staatliches Zulassungsverfahren.

Hunderte Betroffene leben noch in NRW

Am 22. Juni können Betroffene und ihre Angehörigen in Düsseldorf über die Studie diskutieren. Steffens betonte, es gebe eine gesellschaftliche Verantwortung, die Betroffenen auch heute noch in ihren jetzigen Lebensbedingungen zu unterstützen. Es leben noch etwa 2.400 Contergan-Geschädigte, rund 800 von ihnen in Nordrhein-Westfalen.

Das von werdenden Müttern eingenommene Schlafmittel Contergan hatte in den 1960er Jahren bei Tausenden Kindern zu schweren Missbildungen an Armen und Beinen geführt. Das Präparat war vom dem Pharmaunternehmen Grünenthal mit Unternehmenssitz in Stolberg bei Aachen auf den Markt gebracht worden.

Stand: 13.05.2016, 13:19