Oben und unten in NRW: Unser Einkommen

Oben und unten in NRW: Unser Einkommen

Ob die sogenannte Einkommensschere auseinandergeht oder nicht, ob und wie ungleich der Reichtum verteilt ist - das ist heftig umstritten.

Deutschland ist ein reiches Land. Die Wirtschaft wächst seit Jahren, die Steuereinnahmen sind so hoch wie nie zuvor. Profitieren vom Wirtschaftswachstum nur die Vermögenden und die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung kann nur wenig daran teilhaben?

Wie ist der Wohlstand bei uns verteilt?

Wer nicht gerade viel erbt, der muss arbeiten. Als bevölkerungsreichstes Bundesland nimmt NRW eine Sonderstellung ein. Es ist ein Land der Extreme: Man kann hier einerseits vom Einkommen reich werden, denn derzeit hat Nordrhein-Westfalen mehr als 4.200 Einkommensmillionäre. Gleichzeitig ist NRW das Bundesland mit den meisten Vermögensmillionären in Deutschland, 177.800 sind es derzeit. Die reichsten zehn Prozent besitzen dabei rund 70 Prozent des gesamten Privatvermögens.

Arbeit - aber trotzdem arm

Andererseits erhalten rund 1,9 Millionen Menschen Sozialleistungen, das ist rund jeder neunte. Insgesamt fielen in NRW im Jahr 2016 knapp drei Millionen Menschen unter die Armutsgefährdungsschwelle. Die liegt für Einpersonenhaushalte bei monatlich 946 Euro und für Paarhaushalte mit zwei Kindern bei monatlich 1.987 Euro. Nach der Definition der EU gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung steht.

An dieser Situation beteiligt ist das Phänomen der "Working Poor": Erwerbstätige Menschen an der unteren Lohngrenze, die von ihrem Einkommen nicht leben können. In Deutschland hat sich die Zahl der Working Poor bundesweit von 2004 bis 2014 von 1,9 Millionen auf 4,1 Millionen mehr als verdoppelt.

Wohlstand für alle?

"Wohlstand für alle“ heißt zwar nicht, dass Einkommen und Vermögen gleich verteilt sein müssen. Doch eines der Ziele des Wohlfahrtsstaates ist die Abwesenheit von Armut. Der Beschäftigungsboom der vergangenen zehn Jahre schlägt sich aber bislang nicht in sinkenden Zahlen in den Armutsstatistiken nieder.

Es stellt sich also die Frage, wie gut hat die soziale Marktwirtschaft ihr Versprechen eingelöst? Und was sind die Folgen? Der Vermögenforscher Thomas Druyen meint, man müsse ein der Arbeit angemessenes Einkommen zahlen, um so die Gerechtigkeitslücke zum  Vermögenden zu schließen.

Fratzscher: Ungleichheit schadet der Gesellschaft

Mehr Chancengleichheit ist für Marcel Fratzscher, vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der Schlüssel für eine gerechte Gesellschaft. "Ungleichheit, wenn sie zu groß wird, zieht einen wirtschaftlichen Schaden nach sich. Nicht für die Menschen, die davon direkt betroffen sind, sondern für eine Gesellschaft als Ganzes. Deshalb muss es Ziel, auch einer klugen Politik sein, über mehr Chancengleichheit die Ungleichheit zu reduzieren und damit mehr Wohlstand für alle zu schaffen."

Stand: 30.08.2017, 06:00