Oben und unten in NRW: Unsere Steuern

Oben und unten in NRW: Unsere Steuern

Rund 648 Milliarden Euro Steuern haben Bund und Länder im vergangenen Jahr eingenommen. Eine Rekordsumme, die die Frage nach gerechter Verteilung der Steuern aufwirft.

"Wenn dann mal irgendwo was Unvorhergesehenes kommt, wird es schon kritisch", sagt Alexander Tappert, Vater einer fünfköpfigen Familie. Er erzählt, wie belastend das Steuersystem für die Mittelschicht im Alltag sein kann und was am Ende vom Lohn bleibt. "Wer viel und gut arbeitet, der sollte auch gut leben können", lautet ein alter Spruch. Was sich selbstverständlich anhört, ist zum Beispiel für Familien mit Einkommen zwischen 40.000 Euro und 60.000 Euro im Jahr nicht die Realität.

Grafik zeigt Steuern im Alltag

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Durch Steuern und Sozialabgaben bleibt von allen Einnahmen an jedem Monatsende oft nur wenig. Auch durch ihre Einkäufe wird die Familie belastet. Bei einem Einkauf von über 80 Euro gehen rund 5,50 Euro an den Fiskus, über den Mehrwertsteuersatz. Dabei wird, je nach Produkt und Dienstleistung, eine ermäßigte Steuer von sieben Prozent oder der volle Steuersatz von 19 Prozent erhoben. Die ermäßigte Mehrwertsteuer sollte einmal Familien, Rentner und Kleinverdiener entlasten, wenn sie Grundnahrungsmittel kaufen. Aber geht das Konzept noch auf?

Ein Drittel der Steuern aus der Mehrwertsteuer

"Die Mehrwertsteuer hat keine soziale Komponente", sagt Finanz-Journalist Hermann-Josef Tenhagen. Sie unterscheide nicht, ob der Käufer mehr oder weniger Geld hat. Die Mehrwertsteuer hat inzwischen mit über 30 Prozent den größten Anteil an den gesamten Steuereinnahmen Deutschlands, gefolgt von der Lohnsteuer, die rund 26 Prozent ausmacht. Drittgrößte Steuereinnahme ist die Einkommenssteuer mit gerade einmal 7,6 Prozent – die Unternehmen tragen mit der Gewerbesteuer 7,1 Prozent zum Steuerkuchen bei.

Energiesteuer - 70 Prozent für den Staat

Früher hieß sie einmal Mineralölsteuer. In der Energiesteuer ist seit 1999 auch die Ökosteuer enthalten. Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach Treibstoffart. Denn auch an der Tankstelle verdient Deutschland kräftig mit, wie der ADAC ausgerechnet hat. Der Preis der Industrie für 32 Liter Benzin beträgt nur rund zwölf Euro. Darauf werden zusätzlich grob 20 Euro Energiesteuern erhoben und auf den Gesamtpreis muss dann noch einmal 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden. So kosten 32 Liter Benzin am Ende um die 40 Euro. Es landen damit fast 70 Prozent einer Tankrechnung beim Staat.

Werden die Vermögenden bei den Steuerabgaben geschont?

Seit 20 Jahren ist die Vermögenssteuer ausgesetzt, der Spitzensteuersatz wurde in den letzten Jahren immer weiter auf 42 beziehungsweise 45 Prozent gesenkt. Die Steuern auf Zins- und Aktiengewinne liegen bei 25 Prozent. Die Erbschaftssteuer liegt gerade einmal bei 19 Prozent, falls der Freibetrag von 400.000 Euro überschritten ist. Bei einer vererbten Summe von sechs Millionen Euro bleiben also immerhin rund fünf Millionen Euro übrig. Wer profitiert besonders von den Leistungen des Staates? "Das sind Unternehmen und Reiche. Und deshalb ist es auch logisch, dass die einen deutlich größeren Beitrag leisten müssen", sagt der Millionär Michael Horbach. Er setzt sich für eine höhere Besteuerung der Reichen ein, was dann allen Bürgern zugutekommen soll.

Gibt es eine Steuergerechtigkeit?

Die Bürger tragen mit ihren Steuern dazu bei, dass Bildung, soziale Projekte und Infrastruktur finanziert werden. Das wird oft schnell vergessen. Aber ist das Steuersystem gerecht? Auch im Vergleich zum Ausland? Fakt ist: Es ist deutlich komplizierter als in anderen Ländern, kennt viele Ausnahmen, die Steuerersparnis bringen. Drei Experten schätzen diese Frage durchaus unterschiedlich ein:

Stand: 06.09.2017, 00:00