Bundestagsabgeordnete aus NRW verabschieden sich

Bundestagspräsident Norbert Lammert

Bundestagsabgeordnete aus NRW verabschieden sich

Von Nina Magoley/Martin Willenbrink

  • Letzte Bundestagssitzung vor der Wahl am Dienstag (05.09.2017).
  • Für einige Abgeordnete ist es der Abschied aus der Bundespolitik.
  • Darunter sind viele bekannte NRW-Politiker.

Dass Norbert Lammert (CDU) aus Bochum kommt, war nicht zu überhören, wenn er im Bundestag seine Stimme zu markanten Reden oder humorvollen Bemerkungen erhob. Seit 2005 leitete er die Parlamentssitzungen als Bundestagspräsident. Der heute 67-Jährige trat 1964 in Bochum in die Junge Union ein, 1980 wurde er in den Bundestag gewählt.

Wolfgang Bosbach

Telegener All-Time-Politiker: Wolfgang Bosbach

Eigentlich in Berlin - und doch ständig in NRW präsent: Wolfgang Bosbach (CDU) liebt die Öffentlichkeit, und als Bergisch Gladbacher äußerte er sich auch gerne vor den heimischen Fernsehkameras. 1994 zog der Rechtswissenschaftler als direkt gewählter Abgeordneter seines Heimatwahlkreises in den Bundestag ein. Der jetzt 65-Jährige hatte im Herbst 2016 seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Als Grund nannte er Unvereinbarkeiten mit der Haltung seiner Partei, aber auch seine Krebserkrankung. Im Vorfeld der Landtagswahl NRW 2017 ernannte ihn der heutige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zum Leiter einer Sicherheitskommission.

Bärbel Höhn

Von der Bürgerinitiative in den Bundestag: Bärbel Höhn

Aufgewachsen in Norddeutschland verschlug es Bärbel Höhn (Grüne) zum Studium der Mathematik früh ins Ruhrgebiet, wo sie 1981 ihre politische Laufbahn mit der Gründung einer Bürgerinitiative begann. Zunächst saß sie für die Grünen im Oberhausener Stadtrat, 1990 wurde sie Mitglied des NRW-Landtags. 1995 übernahm die Mutter zweier Kinder das NRW-Umweltministerium. Zehn Jahre später, 2005, zog sie in den Bundestag ein. Ihre Themen auch hier: Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im vergangenen Jahr kündigte die heute 65-Jährige an, nicht mehr als Abgeordnete anzutreten.

Der Grünen-Politiker Volker Beck

Grüner Streiter gegen Diskriminierung: Volker Beck

Er trat als Streiter gegen Diskriminierung und für die Rechte Homosexueller an, als er 1994 erstmals in seinem Wahlkreis Köln für den Bundestag kandidierte: Volker Beck (Grüne), eigentlich Schwabe, aber - nach eigenen Worten - seit 30 Jahren "kölsche Jung". Seit 1985 hat Beck ein grünes Parteibuch, viele Jahre war er Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Recht, Innenpolitik, Religion und Migration. Als bei ihm Anfang 2016 mutmaßlich Drogen gefunden wurden, trat er zunächst von allen Fraktions- und Parlamentsämtern zurück. Für die anstehende Bundestagswahl steht der 56-Jährige nicht mehr zur Verfügung, nachdem er einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste der Grünen verfehlte.

Joachim Poß

Einer der dienstältesten Bundestagsabgeordneten: Joachim Poß

Immerhin 37 Jahre war Joachim Poß (SPD) Bundestagsabgeordneter. Dennoch stand er nie im Rampenlicht. Der Bergarbeitersohn aus Gelsenkirchen, Jahrgang 1948, trat mit 18 Jahren in die SPD ein. Seit 1980 sitzt er im Bundestag - durchgehend per Direktwahl in seinem Heimatwahlkreis Gelsenkirchen. Von 1988 bis 1999 war Poß finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, und als Genosse Steinmeier 2010 aufgrund der Nierenspende für seine Frau als Fraktionsvorsitzender ausfiel, übernahm Poß den Interimsvorsitz. Im Frühjahr 2016 hatte Poß erklärt, er wolle in seiner Heimatstadt "einen Generationenwechsel" einleiten und daher zur Bundestagswahl 2017 nicht mehr kandidieren.

SPD-Kandidat Peer Steinbrück

Tingelte durch Länder und Parlamente: Peer Steinbrück

Bereits vor fast einem Jahr, zum 30. September 2016, hat Peer Steinbrück (SPD) den Bundestag vorzeitig verlassen. Als unverkennbares Nordlicht, aufgewachsen in Hamburg, startete er seine politische Karriere noch zu Bonner Zeiten als Mitarbeiter der Bundesregierung - unter anderem im Kanzleramt von Helmut Schmidt. 1985 wechselte er ins NRW-Umweltministerium, um 1990 als Staatssekretär bei der Landesregierung Schleswig-Holstein anzuheuern, wo er 1993 Wirtschaftsminister wurde. 1998 kam Steinbrück zurück nach NRW, übernahm 2000 das Finanzministerium und wurde 2002 Ministerpräsident.

2005 trieb es ihn nach Berlin, wo Steinbrück bis 2009 als Bundesfinanzminister wirkte. Zur Bundestagswahl 2013 kandidierte er als Kanzlerkandidat. Als es nach der Wahl zu einer schwarz-roten Koalition unter Führung der CDU kam, zog sich Steinbrück aus der Spitze seiner Partei zurück.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes haben wir versäumt, darauf hinzuweisen, dass Peer Steinbrück bereits vor knapp einem Jahr den Bundestag verlassen hat. Den Fehler haben wir korrigiert.

Stand: 06.09.2017, 10:09