Nach der Wahl: Besonderheiten im Westen

Erststimme zur Bundestagswahl ankreuzen,

Nach der Wahl: Besonderheiten im Westen

Von Nina Magoley

In welchem Wahlkreis war es besonders eng? Wo hat die AfD überdurchschnittlich gewonnen? Wo gab es einen politischen Wechsel? Trends und Gegentrends in den Wahlkreisen.

Nicht in jedem Wahlkreis hat sich der allgemeine Wahltrend durchgesetzt. Ein Blick auf die besonderen und ungewöhnlichen Ergebnisse, auf Gewinner und Verlierer, auf Frauen und Männer unter den Direkt-Mandatssiegern - und auf politische Farbwechsel in den Wahlkreisen.

Wo ging es besonders knapp aus?

Den knappsten Sieg fuhr die SPD-Kandidatin Claudia Moll im Wahlkreis Aachen II ein. Mit gerade mal 733 Stimmen Vorsprung besiegte sie den Konkurrenten der CDU - und sorgte damit dafür, dass aus einem schwarzen ein roter Wahlkreis wurde.

Den größten Vorsprung hatte CDU-Kandidat Carsten Linnemann im Wahlkreis Paderborn - Gütersloh III: Er gewann 53,3 Prozent der Erststimmen.

Wo gab es einen Wechsel?

Die CDU konnte bei den Direktmandaten leicht zulegen. Von den 64 in Wahlkreisen gingen 38 direkt an die CDU, 2013 waren es 37 gewesen. Die SPD holte 26 Direktmandate, eins weniger als vor vier Jahren.

Die politische Farbe änderte sich in fünf Wahlkreisen. Die SPD verlor die Direktmandate im Kreis Krefeld II, in Lippe I und in Köln I an die CDU. Besonders interessant: Im Kölner Wahlbezirk I konnte CDU-Kandidat Karsten Möring erstmals seit 1961 die SPD-Vorherrschaft beenden.

Von schwarz nach rot wechselten zwei Kreise: Aachen II und Minden Lübbecke I.

Wo wählten besonders viele die AfD?

Dass die AfD ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Wahl deutlich steigern würde, war letztlich kaum überraschend - in NRW bekam die Partei 9,4 Prozent der Zweitstimmen. Interessant dennoch: Ausgerechnet im traditionell rot-sozialdemokratischen Ruhrgebiet entschieden sich relativ viele Wähler für die AfD.

Das beste Ergebnis erreichte die Partei in Gelsenkirchen mit 17 Prozent. Im Wahlkreis Duisburg II waren es 15,4, in Essen I 15 und in Herne-Bochum 13,4 Prozent. In einem Stimmbezirk in Duisburg-Hamborn lag die AfD mit 29,69 Prozent sogar knapp vor der SPD, die auf 29,04 Prozent kam.

Vergleichsweise wenige Wähler stimmten dagegen in Münster (4,9), Köln II (5,1) und Aachen I (5,9) für die AfD.

In Siegen stimmten in vielen Wahlbezirken weit mehr als 15 Prozent der Wähler für die AfD. Im Wahllokal Ehemalige Fischbacherbergschule kam die AfD auf 25,09 Prozent. Auch in Iserlohn bekam die Partei hohe Zustimmung - in einem Wahlbezirk waren es knapp über 28 Prozent.

Von den 94 AfD-Abgeordneten, die künftig im Bundestag Platz nehmen werden, kommen 15 über die Landesliste aus NRW.

Wo punktete die FDP?

13,1 Prozent der Zweitstimmen bekam die FDP in NRW. Besonders in den süd-westlichen Wahlkreisen des Landes lag die Zustimmung für die Partei Christian Lindners deutlich über dem Landes-, vor allem aber auch über dem Bundesergebnis von 10,7 Prozent. So stimmten im Rhein-Sieg-Kreis 17,4 Prozent für die FDP und im Rheinisch-Bergischen Kreis, wo Lindner selbst als Direktkandidat antrat, 16,7 Prozent. In Viersen erreichte die FDP 16 Prozent, in Bonn 15,7 und in Neuss 14,9 Prozent der Zweitstimmen.

Wo gewannen Frauen?

In 14 der 64 nordrhein-westfälischen Direkt-Wahlkreise setzten sich Frauen durch. Unter anderem gewannen Michelle Müntefering (SPD, Herne - Bochum II), Michaela Noll (CDU, Mettmann I) und Sabine Poschmann (SPD, Dortmund II).

Von den insgesamt 142 Abgeordneten aus NRW sind 103 Männer und 39 Frauen. Während Grüne und Linke jeweils sechs Frauen und sechs Männer nach Berlin schicken, ist unter den 15 AfD-Abgeordneten aus NRW keine Frau. Bei der SPD sind ein knappes Drittel der NRW-Abgeordneten Frauen, bei CDU und FDP jeweils etwa 20 Prozent.

Stand: 25.09.2017, 16:05