Kollektiver CDU-Schock und ein einsamer Sozialdemokrat

Wahlparty bei der CDU in Düsseldorf

Kollektiver CDU-Schock und ein einsamer Sozialdemokrat

Von Sabine Tenta

Bei der Wahlparty der CDU in Düsseldorf bricht mit der Prognose das kollektive Schweigen aus. Alle sind geschockt. Die SPD hat erst gar keine Party in Düsseldorf veranstaltet.

Rund 150 Gäste waren in die Geschäftsstelle der NRW-CDU gekommen. Alle starrten um Punkt 18 Uhr gebannt auf eine Großbildleinwand, wo die ARD-Prognose gezeigt wurde. Hängende Mundwinkel, leere Blicke und kollektives Schweigen waren die Reaktion: Allen hatte es angesichts dieses schlechten CDU-Ergebnisses die Sprache verschlagen.

Erst als kurz nach 18 Uhr bekannt wurde, dass die SPD in die Opposition gehen will, wich die Schockstarre bei den CDU-Mitgliedern und -Sympathisanten. Es wurde erbost gemurmelt, und einer sagte kopfschüttelnd: "Die haben wohl alle im Geschichtsunterricht gepennt."

Gröhe-Statement mit Satzbausteinen

Hermann Gröhe in der CDU-Geschäftsstelle in Düsseldorf

Hermann Gröhe

Nach der ersten Hochrechnung trat dann der NRW-Spitzenkandidat Hermann Gröhe auf die Bühne und bediente sich im Satzbaukasten namens "Wahlabend": "Stärkste Partei", "Regierungsauftrag", "in aller Ruhe analysieren" - nach nur drei Minuten war er fertig - inklusive kritischer Nachfragen der Presse. Danach taute die Partei wieder auf und diskutierte bei Bier und Häppchen das Ergebnis und seine Folgen.

Jubel bei der FDP

Bei der NRW-FDP in Düsseldorf herrschte großer Jubel, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart zeigte sich im Gespräch mit dem WDR sehr erfreut. Generalsekretär Johannes Vogel stellte fest: "Wir haben die außerparlamentarische Opposition genutzt, um die Partei zu erneuern." Und Parteichef Christian Lindner meldete sich unter anderem per Twitter zu Wort.

Verzicht auf SPD-Wahlparty

Die Sozialdemokraten hatten in Düsseldorf erst gar keine Party angesetzt. Stattdessen gab es in Düsseldorf nur ein Statement des NRW-Fraktionsvorsitzenden Norbert Römer. Und selbst das war sehr spartanisch vorbereitet: Im Eingangsbereich der Geschäftsstelle standen zwei knallrote SPD-Kannen mit Filterkaffee für die Presse. Der Fernseher war ausgeschaltet, als gäbe es gerade kein sehenswertes Programm. Eine im Vergleich zur CDU gespenstische Stille.

SPD will kein "Notstopfen" sein

Norber Römer am 24.09.2017 in der SPD-Geschäftstelle in Düsseldorf

Norbert Römer

Dann kam Norbert Römer die Treppe runter und kündigte an, die Rolle als Opposition anzunehmen. "Wir können Opposition, das haben wir hier in NRW schon bewiesen." Es werde nun eine "schonungslose Analyse" und eine "Generalinventur" geben. Die Situation sei "bitter" für seine Partei. Aber die NRW-SPD bleibe der "Stabilisierungsfaktor für die gesamte Bundespartei". Die Absage einer erneuten Großen Koalition seitens der SPD bekräftigte auch Römer: "Wir sind nicht der Notstopfen."

Unterdessen sagte der NRW-SPD-Vorsitzende Michael Groschek in Berlin, dass die Partei in einer "existenziellen Krise" sei.

Linke will Demagogie der AfD entlarven

Die Spitzenkandidatin der NRW-Linken, Sahra Wagenknecht, sagte mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD: "Die Linke wird sowohl innerhalb als auch außerhalb des Parlaments die politische Auseinandersetzung mit den Rechten suchen. Wir werden uns den Nationalisten und geistigen Brandstiftern entgegenstellen und ihre Demagogie entlarven."

Grüne sehen sich bestätigt

Die NRW-Grünen schicken von ihrer Wahlparty in der Düsseldorfer Geschäftsstelle ein gemeinsames Statement ihrer Spitzenkandidatin für den Bundestag, Britta Haßelmann, und den Vorsitzenden der NRW-Grünen, Mona Neubaur und Sven Lehmann. Sie sehen sich in ihrem "Einsatz für Klimaschutz, Umwelt und Gerechtigkeit" bestätigt. Sorge bereite ihnen der "Rechtsruck": "Mit der AfD kommen völkische und teils rechtsextreme Abgeordnete ins Parlament - das macht uns große Sorgen. Wir werden Hass, Hetze und Rassismus entschieden widersprechen."

Marcus Pretzell zur neuen Rolle im Bundestag

Im WDR sagte der Fraktionsvorsitzende der NRW-AfD, Marcus Pretzell: "Eine Opposition schaut der Regierung jetzt wieder auf die Finger." In der letzten Legislaturperiode habe man nicht von Opposition im Bundestag sprechen können.

Aber die Rolle der Oppositionsführerin wird die AfD trotz ihres starken Ergebnisses nicht haben, die will die SPD übernehmen.

Stand: 24.09.2017, 21:50