Analyse: So hat NRW gewählt

Bundestagswahl 2017 - Stimmanteile in NRW
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32,626,07,57,613,19,43,8

Analyse: So hat NRW gewählt

Von Rainer Kellers

AfD nur Vierte, die SPD besser als im Bundesschnitt: Das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen unterscheidet sich vom Bundesergebnis in einigen interessanten Details.

Die generellen Trends dieser Bundestagswahl gelten auch für Nordrhein-Westfalen. CDU und SPD haben deutlich verloren, die FDP ist wieder erstarkt, und die AfD konnte auch in NRW zulegen. Es lohnt allerdings ein Blick ins Detail.

SPD trudelt noch tiefer in die Krise

Zum Beispiel bei der SPD. Die Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr verlieren zwar ähnlich stark wie im Bund. Aber mit rund 26 Prozent liegen sie gut fünf Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Ein Trost allerdings wird das für die Genossen kaum sein. Schließlich galt NRW mal als SPD-Hochburg. Bei der Landtagswahl kam die Partei trotz Wahlpleite noch auf 31,2 Prozent. Nach der Bundestagswahl trudelt die SPD nun noch tiefer in die Krise.

Laschet muss Wahlpleite eingestehen

Das könnte die CDU freuen, doch den Christdemokraten geht es bei dieser Bundestagswahl kaum besser. Wie schon 2013 holt die CDU in NRW zwar die meisten Wählerstimmen. Das Minus im Vergleich zu 2013 beträgt aber mehr als sieben Prozentpunkte. Entsprechend schlecht war die Stimmung in der Düsseldorfer Parteizentrale.

2013 war das ganz anders. Man könne wieder siegen, verkündete der damalige Oppositionsführer Armin Laschet. Jetzt ist Laschet frisch gewählter Ministerpräsident - und muss die erste Wahlpleite eingestehen.

Bundestagswahl 2017 - Gewinne und Verluste in NRW
CDUSPDLinkeGrüneFDPAfDAndere
-7,1-5,9+1,3-0,4+7,9+5,5-1,2

FDP ist drittstärkste Kraft in NRW

Während die beiden Partner in der Großen Koalition vom Wähler bestraft wurden, können sich die vier Kleinen als Sieger fühlen. Grüne und Linke liegen in NRW knapp beieinander. Beide erreichen mehr als sieben Prozent, vor allem für die Linken ein spürbares Plus im Vergleich zu 2013.

Drittstärkste Kraft in NRW ist die FDP geworden. Mit einem Plus von rund acht Prozentpunkten und einem Ergebnis von über 13 Prozent lassen die Liberalen die Alternative für Deutschland klar hinter sich. Auf Bundesebene ist das anders, hier liegt die AfD auf Platz drei.

Die NRW-FDP toppt sogar noch ihr Ergebnis bei der Landtagswahl - im Mai 2017 waren es 12,6 Prozent. Dieser Erfolg gehört vor allem Christian Lindner. Fast im Alleingang hat er die FDP zuerst in Landtag und Regierung von NRW geführt und jetzt zurück in den Bundestag.

Trotz Querelen schafft die NRW-AfD fast zehn Prozent

Die AfD also ist in NRW nur viertstärkste Kraft. Trotzdem holt sie gut neun Prozent der Stimmen, weitaus mehr als 2013, als es 3,9 Prozent waren. Das zeigt: Trotz Richtungsstreits und Querelen gerade in NRW kann die Partei im Land fast ein zweistelliges Ergebnisse schaffen. Ihre Kernthemen - Flüchtlinge, Kriminalität und Islamkritik - kommen offensichtlich auch im Westen gut an.

Stand: 24.09.2017, 23:30