Apothekerskandal - Was ist der Stand der Dinge?

Apothekerskandal - Was ist der Stand der Dinge?

Im Skandal um gepanschte Krebsmedikamente eines ehemaligen Bottroper Apothekers wurden offenbar immer noch nicht alle Betroffenen informiert. Wo hakt es? Fragen und Antworten.

Was sind die Vorwürfe?

Ein ehemaliger Bottroper Apotheker soll laut der Staatsanwaltschaft Essen in etwa 62.000 Fällen Mittel für die Chemotherapie und andere Medikamente deutlich zu schwach dosiert und die Krankenkassen so um 56 Millionen Euro betrogen haben. Er sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

Was unternehmen Behörden und Ärzte?

Während die staatsanwaltlichen Ermittlungen laufen, beraten NRW-Gesundheitsministerium und Ärztekammern seit Wochen darüber, ob und wie möglichst alle Betroffenen informiert werden können. Ein Sprecher der Ärztekammer Nordrhein sagte, dabei gehe es auch darum, ob Ärzte eine Informationspflicht haben. Bislang handhabt jeder beteiligte Krebsmediziner dies offenbar unterschiedlich - einige informieren proaktiv, andere nur auf Nachfrage der Patienten. Es gibt noch keine einheitliche Linie - und keine Vorschrift, an die sich alle gebunden fühlen.

Im Interview mit der "Aktuellen Stunde" des WDR äußerte sich ein Arzt, dessen Patienten von dem früheren Besitzer der Apotheke beliefert worden waren. Der Düsseldorfer Brustkrebs-Fachmediziner Mahdi Rezai hält es für die Aufgabe der behandelnden Ärzte, ihre Patienten zu informieren. Allerdings lägen ihm dazu nicht alle notwendigen Informationen vor. Rezai will Betroffene nicht beunruhigen, ohne genau zu wissen, wer wirklich eine falsche Dosierung erhalten hat.

Wer informiert die Betroffenen?

Es gibt eine Telefon-Hotline des Gesundheitsamts der Stadt Bottrop. Die Hotline des Gesundheitsamts soll helfen zu klären, "ob der behandelnde Arzt oder das Krankenhaus von dem Bottroper Apotheker beliefert worden sind". Zugrunde gelegt wird eine Medikamentenliste, die der Stadt Bottrop nach eigenen Angaben vorliegt.

Ein Stadt-Sprecher sagte am Montag (18.09.2017) auf WDR-Anfrage, bisher hätten über 1.100 betroffene Patienten oder Angehörige die Hotline angerufen. Meistens gebe es dann besonders viele Anrufe, wenn der Skandal gerade in den Medien Thema gewesen sei. Die Rufnummer der Telefon-Hotline lautet 0 20 41 / 70 44 88.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert bereits seit Bekanntwerden des Skandals, dass alle Patienten informiert werden. Auch der Chef der Deutschen Krebsgesellschaft, Peter Albers aus Düsseldorf, hatte schon vor Wochen gefordert, dass die Mediziner ihre jeweiligen Patienten informieren. "Denn nur die behandelnden Ärzte können nach Untersuchung der Patienten entscheiden, wie groß der Schaden wirklich war und welche alternativen Behandlungsformen möglich sind", sagte Albers dem WDR.

Was sagt das Land NRW?

Karl-Josef Laumann

Gesundheitsminister Laumann

Das NRW-Gesundheitsministerium von Ressortchef Karl-Josef Laumann (CDU) spricht mit Blick auf Bottrop vom "Verdacht eines ungeheuerlichen Verbrechens". Offenbar sei hier "mit hoher krimineller Energie mit dem Leben von Menschen gespielt" worden, teilte das Ministerium am Montag mit. "Und selbstverständlich haben diejenigen, die als Patienten womöglich von dem Skandal betroffen sind, ein Recht, das zu erfahren".

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat nach eigenen Angaben "die zuständigen Behörden und Institutionen" angeschrieben und um Unterstützung gebeten, damit die betroffenen Patienten informiert werden. "Unter anderem läuft ein Auskunftsersuchen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft. Die Rückmeldung dazu steht noch aus", teilte das Gesundheitsministerium am Montag in Düsseldorf weiter mit.

Stand: 19.09.2017, 10:05