Amri besuchte zwölf Moscheen im Ruhrgebiet

Anis Amri

Amri besuchte zwölf Moscheen im Ruhrgebiet

  • WDR-Recherchen: Mutmaßlicher Berlin-Attentäter Amri besuchte zahlreiche Moscheen
  • In Nordrhein-Westfalen war Amri offenbar besser vernetzt als bislang bekannt
  • Seit Ende 2015 pendelte Amri regelmäßig zwischen Berlin und Ruhrgebiet

Nach Recherchen der Aktuellen Stunde des WDR vom Dienstag (27.12.2016) war Anis Amri seit Ende 2015 mehrfach zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet unterwegs. In Dortmund hatte er Kontakt zu zahlreichen Personen - laut dem Papier, das dem WDR vorliegt, hatten zwei davon Bezüge zur Terrororganisation Islamischer Staat.

Gut vernetzt im Ruhrgebiet

Anfang des Jahres übernachtete Amri in einer Dortmunder Koranschule, für das Gebäude soll er auch einen Schlüssel gehabt haben. Insgesamt besuchte er in Dortmund demnach zwölf Moscheen. In einigen war er auch Vorbeter, leitete also das rituelle Gebet. Diese Aufgabe kann jeder gläubige Moslem übernehmen.

Allerdings bestreiten die Vorsitzenden von drei Moscheen, etwas mit ihm zu tun gehabt zu haben. Ahmad Aweimer vom Rat der muslimischen Gemeinden in Dortmund sagte dem WDR, man habe nun Angst vor Hassattacken und denke über ein neues Sicherheitskonzept nach.

Von NRW als Gefährder eingestuft

Die NRW-Behörden kennen acht Alias-Namen des Tunesiers, der vier Tage nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt in Italien von Polizisten erschossen wurde. Unter einem dieser Namen stellte er Ende April 2016 in Oberhausen einen Asyl-Antrag, hielt sich aber überwiegend in Berlin auf, wo er sich den Behörden zufolge besonders konspirativ verhielt.

Am 10. Mai stufte ihn das LKA in Düsseldorf als Gefährder ein. Insgesamt war Amri zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal Thema im "Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum". Es ging auch darum, ob er konkret einen Anschlag plane - was für unwahrscheinlich gehalten wurde.

Drängende Fragen an die Behörden

Unter dem Datum vom 13. Oktober 2016 wird in dem der Aktuellen Stunde vorliegenden Dokument festgehalten, dass Beobachtungen der Sicherheitsbehörden zu Amri an das BfV gemeldet werden sollen – das Kürzel für Bundesamt für Verfassungsschutz.

Brisant: Am 14. Dezember, fünf Tage vor dem Anschlag in Berlin, beschreiben die Behörden noch die besondere Gefährlichkeit Amris. Es bleibt unklar, welche Behörde was wann getan hat.

Die Opposition im NRW-Landtag wirft den Behörden schwere Fehler bei der Überwachung Amris vor. CDU-Chef Armin Laschet legte als Konsequenz am Mittwoch (28.12.2016) einen Sicherheitskatalog vor, in dem er unter anderem eine intensivere Videoüberwachung und konsequente Abschiebungen von Gefährdern forderte. Außerdem sollen Asylbewerber abgeschoben werden, die mehrere Identitäten verwenden. Die Fraktionen von CDU, FDP und Piraten hat außerdem am Donnerstag eine Sondersitzung des Innenausschusses des Landtages gleich zu Beginn des neuen Jahres beantragt. Die Politiker erhoffen sich Aufklärung über die Aktivitäten des mutmaßlichen Terrorristen in NRW.

Stand: 29.12.2016, 10:15