Wenn der Prüfer auch Berater ist

Die Marktmacht der "Big Four"

Wenn der Prüfer auch Berater ist

Vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind für einen Großteil der Prüfungen bei aktiennotierten Unternehmen in Deutschland verantwortlich. Mehr noch: Die "Big Four" prüfen genau die Unternehmen, die sie auch beraten.

Der Job von Wirtschaftsprüfern ist eigentlich klar geregelt. Sie sollen untersuchen, ob das geprüfte Unternehmen zum Jahresende einen korrekten Jahresbericht vorstellt oder ob die Zahlen zu Vermögen oder Gewinn stimmen. Das ist besonders bei Aktiengesellschaften wichtig: Denn schließlich wollen die Aktionäre wissen, ob das Unternehmen, von dem sie Anteile gekauft haben, ordentlich wirtschaftet. Problematisch wird es allerdings, wenn die Prüfer auch als Berater aktiv sind - dann könnte es schnell passieren, das Hinweise auf risikoreiche Anlagen unterbleiben - zum Schaden der Anleger und wie nach der Finanzkrise 2008 auch zum Schaden der Steuerzahler.

Ein Blick auf den Aktienindex Dax, in dem die wichtigsten Unternehmen in Deutschland gelistet sind, zeigt deutlich: Die vier beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind auch beratend für ihre Kunden tätig.

Die "Big Four" sind die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PWC, KPMG, Ernst&Young und Deloitte Touche. Ihre Marktmacht zeigt sich beim Blick auf die 160 Unternehmen, die in den vier wichtigsten deutschen Aktienindizes Dax, M-Dax, S-Dax und T-Dax gelistet sind. Die Prüfungsjobs haben fast immer die so genannten "Big Four"inne: Sie prüften 2013 insgesamt 142 der 160 Unternehmen.

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Bei der EU ist eine solche Konzentration auf dem Markt nicht gern gesehen. 2010 wurde ein Vorhaben auf den Weg gebracht, das unter anderem ein Verbot von gleichzeitiger Prüfung und Beratung, die verpflichtende Prüfung durch zwei Gesellschaften und einen Wechsel der Prüfer nach spätestens sechs Jahren vorsah.

Große Pläne, von denen aber in der letztlich verabschiedeten Verordnung nicht mehr viel übrig ist. Das Vier-Augen-Prinzip und das Beratungsverbot sind gestrichen, aus dem Wechsel nach sechs Jahren wurde ein Wechsel nach 20 Jahren. Möglich machte diese Abschwächung offenbar massive Lobbyarbeit der "Big Four", wie Monitor berichtet.

Stand: 13.08.2015, 09:30