Die Ruhr ist besonders belastet

Microplastik im  Rhein

Mikroplastik in NRW-Gewässern

Die Ruhr ist besonders belastet

Von Rainer Striewski

  • Studie zu Mikroplastik in Flüssen NRWs
  • Landesregierung stellt Zwischenbericht vor
  • Konzentration in Rhein und Ruhr relativ hoch

Im Meer treibender Kunststoff ist schon fast ein gewohnter Anblick. Im Laufe der Zeit lassen ihn Wind, Wellen und Licht in nur wenige Millimeter große Partikel zerfallen. Dieser so genannte Mikroplastik wurde schon in allen Weltmeeren gefunden - aber nicht nur dort. Auch in den Flüssen NRWs wurden die Partikel bereits nachgewiesen. Dabei stellen sie weniger eine Gefahr für das (gut gefilterte) Trinkwasser dar. Vielmehr werden die Partikel von Tieren gefressen und gelangen so in die Nahrungskette.

Aber wie hoch ist die Belastung in den Flüssen NRWs genau? Um das zu untersuchen, wurde im September 2014 eine Kooperation des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz und Forschern der Uni Bayreuth beschlossen. In einer Studie sollte der Gehalt von Mikroplastik in den Gewässern untersucht werden. Erste Zwischenergebnisse werden am Mittwoch (19.01.2016) im Umweltausschuss des Landtages vorgestellt.

Lippe, Sieg, Wupper und Weser kaum belastet

Unter Mikroplastik verstehen die Experten Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind und nicht natürlich in der Umwelt vorkommen. Sie entstehen bei der Kunststoffherstellung, sind aber auch in Reinigungs- und Pflegeprodukten enthalten. Außerdem entstehen sie bei der Zersetzung größerer Plastikteile.

Am Niederrhein

Im Rhein wurden bis zu 4,5 Plastikpartikel pro Kubikmeter gefunden

Die gute Nachricht: An den Mündungen von Lippe, Sieg, Wupper und Weser konnten die Forscher der Uni Bayreuth nur relativ wenig Plastikpartikel entdecken. Hier ergaben Messungen einen Wert von jeweils unter einem Partikel pro Kubikmeter. Wesentlich stärker belastet sind hingegen Rhein, Emscher und Ruhr. Im Rhein wurden 1 bis 4,5 Plastikpartikel pro Kubikmeter festgestellt, in der Emscher bis zu 15,7 und in der Ruhr sogar 166 Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter.

Verbot auf EU-Ebene gefordert

An der Ruhrquelle konnte zwar kein Mikroplastik nachgewiesen werden, wohl aber an deren Mündung. Da sich dort eine Kläranlage befindet, haben die Forscher einmal ober- und einmal unterhalb der Anlage gemessen - mit deutlichem Unterschied. Oberhalb der Kläranlage waren die Ergebnisse noch vergleichbar mit den Werten des Rheins. Die Messung im Bereich der Kläranlageneinleitung ergab dann aber mit 166 Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter einen deutlich höheren Wert - höher als bei allen anderen gemessenen Kläranlagen. Hier kündigte die Landesregierung weitere Untersuchungen an, um der relativ hohen Konzentration auf den Grund zu gehen.

Microplastik im  Rhein

Mikroplastik befindet sich in vielen Kosmetika

Doch die Kläranlagen sieht die Landesregierung gar nicht als hautpsächliches Problem an. Hier könnte die Konzentration etwa durch bessere Klärverfahren wie Sandfiltration oder Membranverfahren minimiert werden. Die eigentlichen Maßnahmen müssten laut Landesregierung schon vorher beginnen: bei der Vermeidung von Mikroplastikpartikeln, damit diese gar nicht erst in die Kläranlage gelangen. Denn Mikroplastik befindet sich in Form von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) unter anderem in Duschpeelings und Zahnpasten. Sollte die Industrie nicht freiwillig und zeitnah auf den Einsatz dieser Partikel in Reinigungsmitteln oder Kosmetika verzichten, haben die Landesumweltminister den Bund bereits aufgefordert, sich für ein Verbot auf europäischer Ebene einzusetzen.

Gesundheitsrisiko für den Menschen?

Die Landesregierung begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die EU-Richtlinie zur Verringerung des Verbrauchs von leichten Kunststofftragetaschen - und rechnet in ihrem Bericht vor: Aus einer Plastiktüte von 20 x 30 Zentimeter Größe könnten 120.000 Mikroplastikpartikel entstehen. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob und wie diese Partikel den Menschen schaden können. "Nach jetzigem Kenntnisstand ist ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher unwahrscheinlich", heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Auch der Bericht der Landesregierung weist auf eine relativ geringe Belastung für Lebewesen hin, zumindest im Fall der NRW-Flüsse. Denn in Fließgewässern würden sich - im Gegensatz zum Meer - wesentlich mehr natürliche Partikel befinden, durchschnittlich 10 bis 25 Gramm pro Kubikmeter. Die Plastikpartikel würden dagegen mit nur wenigen Milligramm pro Kubikmeter kaum ins Gewicht fallen. Im Februar sollen die Ergebnisse der Studie bei einem Treffen aller am Rhein gelegenen Bundesländer erörtert werden.

Stand: 20.01.2016, 11:46

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