Dicke Luft in NRW-Städten

Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos

Stickstoffdioxid

Dicke Luft in NRW-Städten

Von Conny Crumbach

Stickstoffdioxid wird vor allem von Diesel-Motoren produziert und verschmutzt die Luft in unseren Innenstädten. Das Bundesumweltamt hat jetzt vorläufige Zahlen bekanntgegeben, die Überschreitungen in elf NRW-Städten zeigen. Diese Zahl wird nach der endgültigen Auswertung wohl noch steigen.

Das Problem ist nicht neu: In vielen Städten in NRW ist die Luft immer noch mit zu viel giftigem Stickstoffdioxid belastet. Nach vorläufigen, am Freitag (29.01.2016) bekannt gewordenen Zahlen des Umweltbundesamtes wurde im vergangenen Jahr an zwölf und damit an gut jeder fünften von 55 Messstationen der zulässige Jahresmittel-Grenzwert überschritten. Dieser liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die zwölf Stationen sind in elf Städten aufgestellt. Vorläufiger Spitzenreiter war die Messstation Clevischer Ring in Köln mit 66 Mikrogramm pro Kubikmeter. Hauptverantwortlich für den hohen Stickstoffdioxidgehalt sind die Abgase von Autos - insbesondere von Diesel-Motoren.

Stickstoffdioxid

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein rotbraunes Gas, das stechend-stickig riecht und sehr giftig ist. Schon in geringen Mengen reizt es Schleimhäute und Atemwege und löst Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Husten aus. Anders als beim Feinstaub ist der Verkehr eindeutig als die wichtigste Quelle des Stickstoffdioxids auszumachen.

Quelle: Christina Sartori/ Martin Gent (Redaktion Leonardo)

NRW-Städte mit überschrittenen Stickstoffdioxid-Grenzwerten (> 40 mcg)
STADTMESSSTATIONJAHRESMITTELWERT IN MIKROGRAMM
AachenWilhelmstraße50
DortmundBrackeler Straße49
DüsseldorfCorneliusstraße59
EssenGladbecker Straße43
GelsenkirchenKurt-Schumacher-Straße50
HagenGraf-von-Galen-Ring49
HerneRecklinghauser Straße41
KölnClevischer Ring66
KölnTuriner Straße46
LeverkusenGustav-Heinemann-Straße47
OberhausenMülheimer Straße53
WuppertalGathe51

Landesumweltamt rechnet mit weiteren Überschreitungen

Vor voreiligen Schlüssen aus diesen Zahlen warnt jedoch das Landesumweltamt (LANUV) NRW. Insgesamt gebe es 130 Messstationen in NRW und einige Städte seien in der vorläufigen Auswertung noch gar nicht berücksichtigt worden, sagte die Sprecherin des Amtes, Birgit Kaiser de Garcia, dem WDR am Freitagvormittag. Die Werte seien unvollständig und noch nicht validiert. So wurde etwa in Bonn bisher nur eine Messstation ausgewertet, die in relativ grüner Umgebung stehe. Die beiden anderen Stationen, die in der Nähe von stark befahrenen Straßen messen, seien noch nicht berücksichtigt worden, sagte de Garcia. Ein Beispiel dafür, dass die vorläufigen Werte auch innerhalb der Städte nicht verlässlich seien. Welche Stadt wirklich am stärksten und welche am wenigsten belastet ist, wird darum erst nach der endgültigen Auswertung im März feststehen. Das LANUV geht davon aus, dass "dann noch mehr Städte dazu kommen und für die Städte, die jetzt schon genannt wurden, wird sich erst dann ein vollständiges Bild ergeben."

Deutsche Umwelthilfe klagt wegen der Belastungen

In der Diskussion ist nach wie vor ein Frühwarnsystem und ein Fahrverbot, wenn die Werte für Stickstoffdioxid in Innenstädten über eine bestimmte Grenze steigen. Das lehnt das NRW-Umweltministerium bisher ab. Die Deutsche Umwelthilfe klagt bereits gegen zwölf Städte in denen die Stickstoffdioxid-Werte regelmäßig überschritten werden. Die Hälfte dieser Städten liegt in NRW: Köln, Bonn, Aachen, Düsseldorf, Essen und Gelsenkirchen.

Stand: 29.01.2016, 16:46

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