Zu wenig Lehrer - zu wenig Unterricht?

Leeren Klassenzimmer mit Stühlen und Tischen

Eltern demonstrieren in Düsseldorf

Zu wenig Lehrer - zu wenig Unterricht?

Von Franziska Fiedler

In Düsseldorf haben Eltern vor dem Landtag gegen den Lehrermangel demonstriert. Ihrer Meinung nach spart das Land an Lehrerstellen. Dadurch würde an den Schulen zu wenig Unterricht stattfinden. Sie fordern landesweit 8.000 neue Lehrer.

Die Zahlen sind alarmierend: Nach Untersuchungen des Landesrechnungshofs fehlen in Nordrhein-Westfalen derzeit 3.560 Lehrerstellen. Die Behörde hatte an Gymnasien und Realschulen überprüft, ob dort Unterricht nach der vorgeschriebenen Wochenstundenzahl stattfindet. Tatsächlich unterschritten 67 Prozent der untersuchten Jahrgänge an Gymnasien die Stundenzahl, 76 Prozent waren es an Realschulen.

Warum fällt der Unterricht aus?

Laut NRW-Bildungsministerium gibt es dafür viele Ursachen. Die Bedingungen an den einzelnen Schulen seien sehr unterschiedlich. Für viele Eltern ist die Lage aber klar: zu wenig Lehrer, zu wenig Unterricht. Sie beklagen erstens, dass die Schulen zu wenige Wochenstunden einplanen. Und zweitens, dass zu viel Unterricht ausfällt. Viele Lehrer würden bald in Pension gehen und schon jetzt sei der Krankenstand hoch. Dadurch falle immer wieder Unterricht aus. Die Initiative "Elternschaft Düsseldorfer Schulen" fordert nun, dass Bildung nicht von finanziellen Zwängen abhängen dürfe.

Ihrer Meinung nach sollte es an Schulen eine Vertretungsreserve an Lehrern geben, damit auch bei Krankheit oder Elternzeit der Unterricht nicht ausfällt. Sie fordern daher eine Lehrerversorgung von 105 Prozent pro Schule. Dabei erreichten viele Schulen im Moment nicht einmal 95 Prozent. 8.000 neue Lehrer bräuchte es, sagen die Düsseldorfer Eltern.

Streit um die Statistiken

Die Landesregierung ist sich dieser Forderungen bewusst. Das Schulministerium wies in diesem Jahr aber auch darauf hin, dass im Schuljahr 2014/15 im Schnitt lediglich 1,7 Prozent des Unterrichts ersatzlos ausgefallen sei. Im Jahr 2009/10 lag der Wert noch bei 2,4 Prozent. Das hätten Stichproben ergeben. Doch auch über diese Zahlen streiten sich Eltern und Land. Ältere Zahlen des Landesrechnungshofs sprechen nämlich von 4,8 Prozent Unterrichtsausfall.

Dabei glauben Experten, dass gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern künftig Lehrer fehlen werden. Das hat der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm in einer Studie herausgefunden. Gerade durch die Pensionierungswelle werde sich die Zahl der Lehrkräfte in den sogenannten MINT-Fächern bis 2025/26 halbieren, so seine These.

Erste Maßnahmen ergriffen

Auch das Land NRW sieht nach eigenen Berechnungen einen hohen Einstellungsbedarf. Durch die steigende Zahl an Flüchtlingen verschärft sich die Situation noch. Deshalb hatte die Landesregierung Ende September beschlossen, weitere 2.625 Stellen zu schaffen. Davon sind 900 als Integrationsstellen vorgesehen, die Deutsch als Fremdsprache vermitteln sollen. Ob das reicht, wird weiter diskutiert.

Stand: 28.10.2015, 18:18