Konzepte für Erwerbslose

Stempel "ohne Arbeit"

Langzeitarbeitslosigkeit ohne Ende?

Konzepte für Erwerbslose

  • Neue Hilfen für Langzeitarbeitslosen schleppend angelaufen
  • 403 Personen in NRW erhielten bisher einen regulären Job
  • CDU-Opposition fordert mehr Qualifikation für Erwerbslose

750.000 Menschen waren im Januar in NRW arbeitslos gemeldet, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag (02.02.2016) mit. Ein Wert, den die Arbeitsagentur als "gute Entwicklung" betrachtet. Schließlich ist das der niedrigste Januar-Wert seit vier Jahren. Allerdings zeigen die Zahlen auch: Gerade in NRW gibt es besonders viele Langzeitarbeitslose. Einer von ihnen ist Daniel B.. Er ist seit vier Jahren arbeitslos. Der gelernte Kaufmann aus dem Ruhrgebiet wurde krank und verlor deshalb seinen Job. Seit zweieinhalb Jahren ist B. wieder gesund - findet aber trotzdem keinen Arbeitsplatz. "Ich bekomme immer nur Minijobs und Bewerbungskurse vom Jobcenter angeboten", sagt der 44-Jährige. Auf viele Bewerbungen bei Unternehmen erhält der Hartz-IV-Empfänger nicht mal Absagen. Von den seit einigen Monaten laufenden neuen Förderprogrammen für Langzeitarbeitslose hat er bisher nicht profitiert.

403 Langzeitarbeitslose vermittelt

Hannelore Kraft und Andrea Nahles

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD)

Allein in NRW suchen etwa 300.000 Menschen seit mindestens einem Jahr einen Job. Regelmäßig machen Politiker Vorschläge, um Erwerbslosen zu "helfen". Mal sollen sie in Kitas arbeiten, dann bei der Flüchtlingshilfe eingesetzt werden. Im vergangenen Jahr hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Sonderprogramm für Langzeitarbeitslose gestartet. Was ist daraus geworden? Wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur auf WDR-Anfrage mitteilt, wurden in NRW mit dem Bundesprogramm von Mai bis Dezember 2015 in 35 Kommunen "403 Personen in reguläre Beschäftigung vermittelt".

403 Langzeitarbeitslose also von 300.000. Das hört sich erst einmal nicht besonders beeindruckend an. Immerhin werden die Betroffenen aber intensiv von der Arbeitsverwaltung betreut. Ein persönlicher Coach kümmert sich um den oder die Langzeitarbeitslose. Allein in NRW flossen fünf Millionen Euro an Fördergeldern. Insgesamt ist die Zahl der geförderten Jobs für Langzeitarbeitslose in den vergangenen zwei Jahren aber um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Bundesweit wurden mit dem Nahles-Programm auch nur gut 2.000 Menschen erreicht.

"Nur ein Bruchteil wird erreicht"

Nach Meinung der Düsseldorfer Sozialforscherin Karin Schulze Buschoff ist das Nahles-Programm "ambitioniert" und "durchdacht". Allerdings lägen die Teilnehmerzahlen "weit hinter den Erwartungen" zurück. "Nur ein Bruchteil der Langzeitarbeitslosen wird erreicht. Möglicherweise wurde unterschätzt, wie schwierig es sich für die Jobcenter gestaltet, für Langzeitarbeitslose Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt zu akquirieren", sagt die Wissenschaftlerin vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Personen auf den Treppen zum Arbeitsamt

Das Nahles-Programm werde die Probleme in NRW nicht lösen, glaubt Peter Preuß, Arbeitsmarkt-Experte der CDU-Fraktion im Landtag. Erwerbslose müssten besser qualifiziert werden, um sie im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Viel stärker müsse das Land projektbezogen fördern. Und natürlich mahnt Preuß auch eine bessere Wirtschaftspolitik in NRW an.

"Sozialer Arbeitsmarkt" nötig?

NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) beschrieb Anfang Januar die Situation. Ein Teil der Langzeitarbeitslosen habe keine Chance auf den direkten Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt, sagte der Sozialdemokrat. "Beinahe zwei Drittel aller Langzeitarbeitslosen haben keine Berufsausbildung." Ein staatlich unterstützter sozialer Arbeitsmarkt sei daher zwingend notwendig. Dafür will sich Schmeltzer "in Berlin stark machen".

Stand: 02.02.2016, 14:41

Mehr zum Thema