Cordt Schnibben über die "Reporterfabrik"

Logo der "Reporterfabrik"

Cordt Schnibben über die "Reporterfabrik"

Das beste Mittel gegen Fake News und Desinformation im Netz ist Aufklärung und Bildung. Davon ist der langjährige "Spiegel"-Redakteur Cordt Schnibben überzeugt, der mit Kollegen eine Journalistenschule für Jedermann gegründet hat: die "Reporterfabrik".

WDR 3: Herr Schnibben, wie soll die "Reporterfabrik" konkret aussehen? Wo soll sie stehen?

Cordt Schnibben: Sie soll nicht stehen. Sie soll schweben, im Netz. Sie soll Jedermann, der Interesse hat, Grundzüge des Journalismus vermitteln. Sie soll die sozialen und klassischen Medien durchschaubar machen. Sie soll helfen, Desinformation zu erkennen. Sie soll für Journalisten sein wie eine digitale Volkshochschule, wo sie sich fortbilden können. Uns geht es um eine redaktionelle Gesellschaft, wo Leute, die sich journalistisch betätigen, ihr Wissen vervollständigen können.

WDR 3: Das bricht ja mit dem Ideal bisheriger Ausbildungsstätten wie der Henri-Nannen-Schule, die eine journalistische Elite heranziehen. Ist nicht gerade dieser amtliche Weg des Journalismus ein Garant für Qualität?

Cordt Schnibben: Das bleibt ja. Wir wollen ja nicht Journalistenschulen abschaffen, sondern um eine Facette erweitern. Wir machen das im "Reporterforum" schon seit zehn Jahren, indem wir uns einmal im Jahr in Workshops weiterbilden.

Blogger auf der re:publica

Blogger auf der re:publica

Das Recherchezentrum "Correktiv", der andere Partner der "Reporterfabrik", gibt seit Jahren zusammen mit Lokalzeitungen Kurse vor Ort für Bürger darüber, wie sie sich Auskünfte besorgen können von Stadtverwaltungen oder Regierungen, welche Möglichkeiten und Rechte sie haben als einfache Bürger. Und das heben wir jetzt quasi ins Netz.

WDR 3: Haben Sie aus der Not eine Tugend gemacht, weil immer mehr Leute mitschreiben wollen und da jede Menge halbgares Zeug im Netz landet? Oder sagen Sie ganz positiv: Wir brauchen auch einen Bürgerjournalismus, der Bürger muss endlich ermächtigt werden, selbst Inhalte auf einem höheren Niveau zu liefern?

Cordt Schnibben: "Not" würde ich es nicht nennen. Wir haben ja heute eine Gesellschaft, in der sich Hunderttausende beteiligen an der Meinungsbildung. Das Netz hat das möglich gemacht. Da entsteht zwar viel Unsinn, viel Trash, viel Desinformation. Aber es ist auch eine großartige Chance. Wir versuchen einen Teil dazu beizutragen, dass sich die Qualität dieses Bürgerjournalismus erhöhen kann.

WDR 3: Wenn man im Netz nach seriösen Nachrichten und Artikeln sucht, dann schaut man natürlich erst einmal nach der Quelle. Wird man das erkennen können bei den von Ihnen geschulten Bürgerjournalisten? Sollen die bei großen Leitmedien mitschreiben oder wird es spezielle Foren geben?

Cordt Schnibben: Nein. Die haben ja zum Teil ihre Foren. Da wollen wir uns gar nicht einmischen. Es geht darum, das Handwerk zu vermitteln. Wie gehe ich mit Sprache um? Wie recherchiere ich? Was ist das Presserecht? Welche Verantwortung habe ich auch, als Mensch, der im Netz journalistische Texte verfasst? Das ist ein weites Feld. Jeder kann dann bekannt geben, wo er sein Wissen her hat. Aber eine Art Bundesprüfstelle sind wir nicht.

WDR 3: Wer steht hinter der Reporterfabrik?

Cordt Schnibben: Neben Reporterforum und Correctiv sind das Journalisten, die in allen Häusern der Republik zu Hause sind, die in vielen Verlagen arbeiten. Es sind auch Lehrer von Journalistenschulen wie der Leiter der Henri-Nannen-Schule dabei. Im Kuratorium, das wir gebildet haben, sind Chefredakteure von der Zeit , der SZ, der FAZ, vom Spiegel. Wir haben Manager von der Telekom oder von Gruner + Jahr, TV-Moderatoren wie z. B. Klaus Kleber. Und wir haben Wissenschaftler, die sich mit Kommunikation und E-Learning beschäftigen.

WDR 3: Und wie finanziert sich das Projekt?

Da sind wir gerade auf dem Weg, Stiftungen, Landesmedienanstalten, Unternehmen anzusprechen. Da haben wir viele viel versprechende Gespräche mit potenziellen Geldgebern.

Das Gespräch führte Kornelia Bittmann für WDR 3 Mosaik.

Das ganze Interview zum Nachhören:

"Reporterfabrik"- Eine Journalistenschule für Jedermann

WDR 3 Mosaik | 19.01.2017 | 08:02 Min.

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Stand: 19.01.2017, 10:18