"Er war einer von uns"

Dieter Pfaff ist tot

"Er war einer von uns"

Er war Polizist, Psychotherapeut, Rechtsanwalt. Und bei allem war er: er selbst. Serien-Star Dieter Pfaff, bekannt geworden als Bloch und "Der Dicke", ist am Dienstag (05.03.2013) nach langer Krankheit gestorben. WDR-Fernsehfilm-Chef Gebhard Henke erinnert sich.

Dieter Pfaff wirkte stark und mächtig, allein wegen der Leibesfülle. Der gebürtige Dortmunder hatte aber eine empfindsame Seele, sagen Leute, die ihn gut kannten. Die ließ er auch in seinen Rollen aufscheinen, die er im Fernsehen verkörperte: beim "Fahnder", dem "Dicken", "Sperling" oder beim Psychotherapeuten Bloch. Viele dieser Figuren hat Gebhard Henke, beim WDR "Programmbereichsleiter Fernsehfilm, Kino, Serien" mit Pfaff zusammen entwickelt. Im Gespräch erinnert er sich an ihre Begegnungen.

WDR.de: Herr Henke, können Sie sich erinnern, wie Sie Dieter Pfaff kennen gelernt haben?

Prof. Gebhard Henke

Gebhard Henke

Gebhard Henke: Das muss über zehn Jahre her sein. Mir ist jedenfalls irgendwann aufgefallen, dass er bei RTL "Bruder Esel" machte und bei uns Öffentlich-Rechtlichen gar nicht mehr vorkam. Das hat mich bekümmert, weil ich ihn sehr schätzte. Als ich ihn getroffen habe, habe ich ihn danach gefragt, und da sagte er: "Da müssen Sie doch nicht mich fragen" - damals waren wir noch per Sie. Also haben wir den "Dicken" entwickelt und die "Bloch"-Figur. Die haben wir ihm gemeinsam richtig auf den Leib geschrieben, als eine Art Seelendoktor, der fast kriminalistisch die Seele erforscht.

WDR.de: Sie sagen "auf den Leib geschrieben" - er war wohl ein Grübler und hatte Selbstzweifel.

Henke: Die Leibesfülle war programmatisch. Jemand, der so einen Seelenpanzer hat, ist ein besonders sensibler Mensch. Er war auch ganz besonders liebevoll, und wenn man einmal seine Freundschaft errungen hat, war er auch ganz besonders treu. Das hat man auch an seiner Familie gesehen, es war ihm immer unglaublich wichtig, was mit seiner Frau und seinen Kindern ist. Da ruhte er.

WDR.de: Aber in seinen Rollen merkte man das nicht immer.

Der Schauspieler Dieter Pfaff

Robin Hood der Großstadt: Pfaff als "Bloch"

Henke: Er konnte durchaus böse sein, wenn er zum Beispiel als Anwalt jemand zusammen faltet ... Aber er war dann der Anwalt kleiner Leute, er hat die Leute verteidigt, er war ein bisschen Robin Hood der Großstadt. Er hat sich selbst als Volksschauspieler bezeichnet, auch wenn das manchmal einen negativen Anstrich hat: Man macht sich gemein, man ist gerne unter kleinen Leuten.

WDR.de: Er stammte ja selbst aus kleinen Verhältnissen.

Henke: Ja, und er kommt aus Dortmund und spricht die Sprache von dort, auch wenn er in Hamburg lebt. Er war also einer von uns. Das hat dazu geführt, dass wir viel zusammen gemacht haben.

WDR.de: In welcher Rolle wird er Ihnen im Gedächtnis bleiben?

Henke: Ich weiß es wirklich nicht. Bloch, der Dicke und wie er persönlich war: Das verschwimmt alles für mich. Das waren eben die Rollen, die er total geprägt hat.

WDR.de: Eigentlich wollte Pfaff früher Musiker werden, er hat sehr gut Gitarre gespielt.

Henke: O ja ...

WDR.de: Haben Sie ihn als Musiker erlebt?

Henke: Ja klar. Er kann auch gut singen. Ich bin Hobby-Jazz-Pianist und hatte die Idee, dass Helmut Zerlett die Titelmelodie für den "Dicken" komponiert. Das hat er gemacht und dann gesagt: "Ich hab ne Idee, ich fliege zu Dieter nach Mallorca, der kann da nicht weg. Der soll die Melodie singen oder brummen oder pfeifen." Das hat Pfaff gemacht, der hatte viel Spaß. Er konnte auch unheimlich gut "Ring of fire" singen, der hatte ein Riesenorgan. Musik hat immer eine große Rolle bei ihm gespielt. Aber dann hat die Krankheit alles dominiert, leider.

Das Interview führte Marion Kretz-Mangold.

Stand: 06.03.2013, 11:30