Schrille Musik inne Bude – Trinkhallentour an der Ruhr

Schrille Musik inne Bude – Trinkhallentour an der Ruhr

Die Bassklarinettisten der Formation "Die Verwechslung" spielen mit Gastmusikern improvisierte Musik und zwar "inne Bude". Elektronische Sounds und Performances im Ruhrgebiet: Da, wo die Trinkhallenkunden normalerweise Zigaretten, Süßes und Bier kaufen.

Formation "Die Verwechslung" vor Trinkhalle im Parkhaus

Es war einmal eine Tankstelle im Parkhaus in Gelsenkirchen. Jetzt ist es eine Trinkhalle, vom Tageslicht wenig berührt. Quasi im Dunkeln wollen die Musiker für Kunden und Fans munkeln …

Es war einmal eine Tankstelle im Parkhaus in Gelsenkirchen. Jetzt ist es eine Trinkhalle, vom Tageslicht wenig berührt. Quasi im Dunkeln wollen die Musiker für Kunden und Fans munkeln …

Und los geht’s mit der wilden Musik auf kleinstem Raum. Die Töne vielfältig wie das Angebot der Trinkhalle. Wunderschöne Melodien aber auch harte Weisen.

Ist das wirklich Musik, was die Jungs da zwischen Erbseneintopf und Lollis zum Besten geben? Wissen die, was sie spielen?

"Du stehst da - mit vier, fünf  Leuten - es ist nichts abgesprochen, es ist auch keiner Chef. Es gibt keinen Dirigenten, es ist überhaupt nichts vorgegeben", sagt Florian Walter, einer der drei Musiker von "Die Verwechslung".

"Wir wissen nicht, was der andere vorhat, was er spielen wird. Wir hören zu und improvisieren aus dem Moment heraus". ergänzt Bassklarinettist Felix Fritsche.

Einige Besucher kommen gezielt zum Kultur-Event, das bereits im siebten Jahr veranstaltet wird. Fans improvisierter Musik mit besonderer Begeisterung für schräge Orte.

Die Musiker wollen aber auch Leute erreichen, die eher kein Freejazz-Konzert besuchen würden. Vielleicht haben auch die Lust, sich mit Ungewohntem auseinanderzusetzen.

Manche Zuhörer loben die rhythmischen Elemente. Ihnen gefällt es, wenn die  Perkussionistin eingreift: "Nicht zu frei und ein bisschen eingängiger".

Aber es gibt durchaus kritischere Bewertungen: "Mich tut dat weh. Glaubsse? Ich könnte da zwischenhauen. Ist doch keine Musik! Dat is, als wennse im Urwald wär’s."

Ein Publikum ansprechen, das eigentlich eher Bier als Blasinstrument erwartet, ist gar nicht so einfach. Nicht jeder liebt Überraschungsmomente dieser Art.

"Ist ein bisschen so wie ein Brainstorming, also man haut paar Themen rein und dann guckt man: Wo sind denn Gemeinsamkeiten? Wie bringen wir das jetzt in eine sinnliche Form?", sagt Florian Walter.

Vielleicht anstrengend, sich mit den neuen Tönen aus dem Revier anzufreunden, aber die klangliche Herausforderung am ungewöhnlichen Ort hat auch ihren Reiz.
Text: Ulrich Land
Fotos: Caroline Schlüter

Stand: 23.08.2017, 00:00 Uhr