WDR Studio für Elektronische Musik: Visite in legendärer Klang-Kulisse

WDR Studio für Elektronische Musik: Visite in legendärer Klang-Kulisse

Von Katja Goebel

Das einstige WDR-Studio für Elektronische Musik soll wiederbelebt und an einem anderen Ort neu aufgebaut werden. Hüter der geschichtsträchtigen Gerätesammlung ist derweil der Toningenieur Volker Müller. Ein Besuch.

Drei Männer in einem Studio mit Klavier und elektronischen Geräten

Von 1951 bis 2001 gab es in Köln das legendäre WDR Studio für Elektronische Musik. Viele Jahre hat der Komponist Karlheinz Stockhausen hier gewirkt - zunächst als künstlerischer Leiter, später als Berater. Hier begannen Komponisten und Techniker mit technischen Geräten Musik zu machen, die ursprünglich für etwas ganz anderes gedacht waren. So wurde mit Rauschen und Bandschleifen experimentiert, um Musik zu produzieren. Viele große Komponisten haben im WDR Studio für Elektronische Musik komponiert. Mit den Jahrzehnten gewann der Ort Kultstatus. Das Bild zeigt die Komponisten Paolo Chagas und York Höller am Flügel sowie Toningenieur Volker Müller am Mischpult.

Von 1951 bis 2001 gab es in Köln das legendäre WDR Studio für Elektronische Musik. Viele Jahre hat der Komponist Karlheinz Stockhausen hier gewirkt - zunächst als künstlerischer Leiter, später als Berater. Hier begannen Komponisten und Techniker mit technischen Geräten Musik zu machen, die ursprünglich für etwas ganz anderes gedacht waren. So wurde mit Rauschen und Bandschleifen experimentiert, um Musik zu produzieren. Viele große Komponisten haben im WDR Studio für Elektronische Musik komponiert. Mit den Jahrzehnten gewann der Ort Kultstatus. Das Bild zeigt die Komponisten Paolo Chagas und York Höller am Flügel sowie Toningenieur Volker Müller am Mischpult.

Er hütet seit der Stilllegung des Studios 2001 die Gerätschaften des einst avantgardistischen Studios: Volker Müller. Wer in die Klangwelten eintauchen will, muss zunächst in ein Kellergebäude eines Kölner Industriegebiets hinabsteigen. Dort wurde das Studio fast komplett wieder aufgebaut, um den Audio-Bestand zu digitalisieren. Müller hat in dem legendären WDR-Studio selbst viele Jahre als Toningenieur gearbeitet und ist einer der Wenigen, die sich in dem einstigen Experimentierraum noch genau auskennen. "Ich bezeichne es als unser Reststudio."

"Ein Teil musste wieder aufgebaut werden, um die Werke zu digitalisieren", erklärt Müller, der jahrelang im Studio das "Mädchen für alles" war, wie er sagt. "Das war eine Mühe, alles hier rein zu kriegen. Hier sah es ja aus wie in einer Tiefgarage. Dafür ist es jetzt eigentlich ganz schön geworden."

Das einstige Kölner Studio war mehr als eine reine Produktionsstätte. Komponisten wie Karlheinz Stockhausen (Foto), Henri Pousseur oder Gottfried Michael König entwickelten hier ästhetische Konzepte und ganz neuartige kompositorische Techniken. Hier entstanden bedeutende Werke der Neuen Musik.

Die Gründung des weltweit ersten Studios für elektronische Musik war 1951 echte Pionierarbeit. Das Bild zeigt Herbert Eimert, den ersten Leiter des Studios. "Das war eine Umbruchsituation", sagt Müller. "Die Musiker wollten nicht auf etwas Bewährtem aufbauen, sondern etwas völlig anders machen." Für die Kompositionen kamen plötzlich spezielle Filter oder Rauschgeneratoren zum Einsatz. Vor allem Sinustöne wurden für neue Klangbilder genutzt.

Auch der so genannte "Rotationstisch", der als Schallverteiler diente, ist hier konstruiert worden. "Das war eine Idee von Stockhausen, der wollte, dass die Klänge um die Zuhörer herumlaufen. Die Klänge sollten sich bewegen. Stereo gab es noch nicht. Vier Mikrofone wurden um den Tisch gestellt und der Tisch wurde gedreht. Das war etwas total Neues, das hatte es vorher noch nicht gegeben."

Und so hat auch der Rotationstisch überlebt. Noch steht er etwas nutzlos auf einem Mischpult herum. Wenn das Studio jedoch eines Tages wie geplant in die Räume des Hauses Mödrath nach Kerpen zieht, könnte er vielleicht wieder zu neuem Glanz kommen. Denn die Einzelgeräte für sich seien eigentlich uninteressant, erklärt Volker Müller, "aber in Kombination und mit den richtigen Ideen werden sie spannend".

Auch mit Filtern wurde zu Studiozeiten gearbeitet, um Töne zu verändern. Das Bild zeigt einen Eigenbau des WDR. "Aus einem monochromen Klang wurde plötzlich was ganz Räumliches", so Müller.

Volker Müller steht jetzt in einem 70er-Jahre-Technik-Ensemble. "An diesen Knöpfen kann man noch drehen. Da bekommen Sie eine haptische Antwort", freut sich Müller und demonstriert, dass der Knopf noch hörbar einrastet.

"Sich diese Geräte anzuschauen – diese alten Synthesizer, die alten Sinusgeneratoren, die mit riesigen Drehknöpfen einen einzigen Ton produzierten – das ist der Grund dafür, warum wir uns bemüht haben, das Studio der Öffentlichkeit zugänglich zu machen - für die Forschung, aber auch für die Musiker und Komponisten", betonte WDR 3-Programmchef Karl Karst, als er bekannt machte, dass das Studio ins Haus Mödrath umziehen wird.

All die Geräte sollen zukünftig nicht nur funktionstüchtig wieder aufgebaut werden, sie sollen auch einem breiten Publikum in einer Ausstellung zugänglich gemacht werden. Musiker und Wissenschaftler werden das Studio für ihre Forschungen nutzen. Ein genauer Termin, wann die Sammlung endgültig in die neuen Räume des Hauses Mödrath in Kerpen zieht, steht allerdings noch nicht fest.

Dann muss Müller schnell ein paar Meter weiter, um an einem anderen Gerät in seinem "Reststudio" etwas zu demonstrieren. Er bleibt vor einem besonderen Tonbandgerät stehen. "Wenn Sie da einen Dauerton reinschicken, kommt der zerhackt wieder raus." Es komme eben nicht auf das Gerät an sich an, sondern darauf, was man damit mache.

Diese ungewöhnlichen Methoden und Ideen sind ein Grund dafür, warum auch immer wieder Anfragen aus aller Welt das Studio erreichen. Müller macht auch Führungen. Einmal seien zwei Düsseldorfer Musiker da gewesen und hätten sich sehr interessiert gezeigt. "Sie erzählten mir, dass sie in einer Band spielten." Am Ende erfuhr Müller auch den Namen der Band: Kraftwerk. 

Dann zieht Volker Müller eine große Mappe mit vergilbtem Papier hervor: Stockhauses Realisationspartitur. Eine Anleitung, wie die Geräte zu bedienen sind. Teilweise mit handschriftlichen Anmerkungen des 2007 verstorbenen Komponisten.

Das Studio zieht zwar aus Köln weg, doch mit dem Umzug würde sich andererseits tatsächlich ein Kreis schließen. Denn: Im Haupthaus der so genannten Burg Mödrath war einmal für kurze Zeit ein Wöchnerinnenhaus untergebracht. Und das war 1928 die Geburtsstätte des Komponisten Karlheinz Stockhausen.

Stand: 28.07.2017, 10:32 Uhr