Der Hans-Dampf-Superstar: Sting wird 65

Der Hans-Dampf-Superstar: Sting wird 65

Von der New Wave zur Weltmusik, vom Bass zur Laute, vom Stadion zur Philharmonie, von der Bühne zur Leinwand: Wohl kaum ein Popstar hat in seiner Karriere so viel ausprobiert wie Sting. Am Sonntag feierte er seinen 65. Geburtstag.

Sting bei einem Auftritt 2016

"You don't have to put on the red light" sang er einst über "Roxanne". Für ihn selbst gilt das aber nicht: Wenn Sting am Sonntag (02.10.2016) seinen 65. Geburtstag feiert, werden die Scheinwerfer angeworfen, die Fanfaren geschmettert und die Schampusflaschen geköpft. Und womit? Mit Recht. Denn von seiner Sorte gibt es nicht mehr viele Popstars.

"You don't have to put on the red light" sang er einst über "Roxanne". Für ihn selbst gilt das aber nicht: Wenn Sting am Sonntag (02.10.2016) seinen 65. Geburtstag feiert, werden die Scheinwerfer angeworfen, die Fanfaren geschmettert und die Schampusflaschen geköpft. Und womit? Mit Recht. Denn von seiner Sorte gibt es nicht mehr viele Popstars.

Die Geschichte der Star-Werdung von Sting klingt bekannt: Der Vater Milchmann, die Mutter Frisörin, der Heimatort Wallsend ein Kaff im Norden Englands. Keine Frage: Da muss er raus. Gordon Sumner geht nach Newcastle, wird Lehrer und spielt nach Feierabend in diversen Jazzbands. Dort entsteht auch sein Künstlername. Sumner trägt gerne einen schwarz-gelb gestreiften Pulli im Bienen-Stil und wird damit von seinen Bandkollegen aufgezogen. "Sting" (dt: "Stachel") ist geboren.

1977 zieht Sting nach London - mit einem klaren Ziel: Er will Musiker werden. Er tut sich mit dem amerikanischen Drummer Stewart Copeland (li.) zusammen, später stößt der Gitarrist Andy Summers (re.) dazu. The Police ist geboren - und direkt erfolgreich. Ihr Debüt "Outlandos D'Amour" kombiniert Punk, Wave, Reggae, Jazz und Pop und passt perfekt zur Zeit.

"Roxanne", "So Lonely", "Message In A Bottle", "Don't Stand So Close To Me", "De Do Do Do, De Da Da Da Da", "Walking On The Moon": Sting, Copeland und Summers haben einen Lauf und hauen einen Hit nach dem anderen raus. Das Hamsterrad "Musikbusiness" gerät ins Rollen.

Proben, Plattenaufnahmen und Auftritte wechseln sich im engen Takt ab. Die Aufnahmesessions zum Album "Zenyatta Mondatta" enden um vier Uhr morgens, wenige Stunden später steigt die Band in den Flieger und beginnt eine weltweite Tournee. Doch die Anstrengungen lohnen sich: Anfang der Achtziger ist The Police eine der erfolgreichsten Bands überhaupt.

Seltsam allerdings: Trotz der Millionen verkaufter Platten war offenbar kein Geld für einen Mode- und Stilberater vorhanden.

Im August 1983 spielt The Police vor 70.000 Zuschauern im New Yorker Shea Stadion. Während des Konzertes muss Sting an den Mount Everest denken, sagt er später. Höher hinaus geht es nicht mehr. Für ihn ist The Police am Ende, die Band löst sich auf.

Stings Karriere fängt danach aber erst so richtig an: 1985 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum, 1987 das zweite. Mit sehr abgeklärten, opulent produzierten Songs lotet Sting das weite Feld zwischen Pop, Jazz, Weltmusik und experimentelleren Klängen aus und prägt so nachhaltig den Sound der Achtziger.

Nur den Modeberater spart er sich weiterhin...

Vereinte Pop-Giganten der Achtziger: Sting singt das Intro des Dire Straits-Hits "Money For Nothing" und unterstützt die Band von Mark Knopfler auch ab und zu live.

Grönemeyer, Westernhagen, Geldof: Irgendwie haben die Rockstars in den Achtzigern zu viel Zeit und können nebenbei noch fleißig Filme drehen. Auch Sting zieht es immer wieder vor die Kamera. In "Dune - der Wüstenplanet" dreht er mit Regie-Legende David Lynch und muss für seine Rolle als Bösewicht Feyd-Rautha Harkonnen in gemeingefährliche Dessous schlüpfen.

Sein Schauspiel-Debüt gibt Sting aber früher. 1979 darf er in der Verfilmung der Who-Rockoper "Quadrophenia" aufgemotzte Motorroller fahren und die Mods im Kampf gegen die Rocker anführen.

Doch das ist nur eine Rolle: Der echte Sting ist natürlich viel friedlicher. Er engagiert sich für Menschenrechte, gegen Hunger und setzt sich gegen globale Ungerechtigkeit ein. 1988 tritt er für Anmnesty International auf. Die "Human Rights Now!"-Tour, an der auch Peter Gabriel, Bruce Springsteen, Tracy Chapman und Youssou N'Dour teilnehmen, zieht durch vier Kontinente und spielt Millionen an Spendengeldern ein.

Musikalisch bleibt Sting im Laufe seiner weiteren Karriere stets spannend bis unberechenbar: Mal kooperiert er mit dem Jazztrompeter Chris Botti...

...mal erweist er als Crooner und Entertainer dem großen Frank Sinatra die Ehre.

Und auch die eigene Vergangenheit holt Sting wieder ein. 2007 sind die Streitereien und Animositäten, die zur Auflösung der Band geführt haben, vergeben und vergessen. The Police reformiert sich und geht noch einmal auf Welttour. Zwischen Mai 2007 und August 2008 spielt die Band 151 Konzerte vor insgesamt 3,7 Millionen Zuschauern.

Doch die Police-Reunion ist eine einmalige Sache. Sting widmet sich im neuen Jahrtausend musikalisch eher Ungewöhnlichem: Das Album "Songs From The Labyrinth", das Lieder des Renaissance-Komponisten John Dowland enthält, nimmt er mit einem bosnischen Lautenspieler auf. Auf "If On A Winter's Night" erklingen unbekannte Weihnachtslieder. Und für das Musical "The Last Ship" verarbeitet er seine Kindheitserlebnisse in den Werften von Wallsend.

In letzter Zeit besinnt sich Sting allerdings wieder mehr auf seine Pop-Wurzeln - und auf seine alten Freunde. 2014 und 2015 geht er mit Paul Simon auf Tour, 2016 mit Peter Gabriel (li.). Im Gepäck hat er dabei jede Menge Hits aus Police-Tagen und aus seiner Zeit als Solokünstler.

Ruhestand? Von wegen: Zu seinem 65. Geburtstag wird Sting mal wieder etwas lauter. Am 11.11.2016 erscheint "57th & 9th", sein erstes Rockalbum seit 13 Jahren. Wir sind gespannt darauf - und auf alles, was danach noch kommt. Denn eines ist sicher: Langweilig wird es bei Sting so gut wie nie.

Stand: 28.09.2016, 16:49 Uhr