Der Kopf von Trio: Stephan Remmler wird 70

Der Kopf von Trio: Stephan Remmler wird 70

Anfang der 80er war er als Sänger von Trio auf einmal da da da und ließ Anna rein und raus, später besang er zweiendige Würste und sternenlose Himmel in Griechenland: Stephan Remmler. Am 25.Oktober 2016 feierte er seinen 70. Geburtstag.

NDW-Band Trio

Drei Alben in vier Jahren, dann ist Sense: Die Karriere von Trio Anfang bis Mitte der Achtziger gerät kurz und heftig. Aber es reicht für Sänger Stephan Remmler, Drummer Peter Behrens und Gitarrist Gert "Kralle" Krawinkel (von links), um ein Stück deutsche Popmusikgeschichte zu schreiben. Und zumindest für Remmler, der am Dienstag (25.10.2016) seinen 70. Geburtstag feiert, ist danach auch noch eine Solokarriere drin.

Drei Alben in vier Jahren, dann ist Sense: Die Karriere von Trio Anfang bis Mitte der Achtziger gerät kurz und heftig. Aber es reicht für Sänger Stephan Remmler, Drummer Peter Behrens und Gitarrist Gert "Kralle" Krawinkel (von links), um ein Stück deutsche Popmusikgeschichte zu schreiben. Und zumindest für Remmler, der am Dienstag (25.10.2016) seinen 70. Geburtstag feiert, ist danach auch noch eine Solokarriere drin.

Trio gilt vielen als Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle. Tatsächlich fühlt sich die Band aber eher Kunst- und Literaturbewegungen wie Dada und dem Brutalismus verbunden als Spaßsängern wie Markus oder Fräulein Menke. Indiz dafür ist auch, dass sie den Beatles-Intimus Klaus Voormann, der unter anderem das "Revolver"-Cover gestaltet hat, als Produzenten engagieren.

Kennzeichnend für den ungewöhnlichen Bandsound der Anfangstage ist der extreme Minimalismus: Krawinkel montiert zwei der drei Tonabnehmer an seiner Gitarre ab - ein einziger Klang reicht ihm. Behrens spielt im Stehen ein rudimentäres Schlagzeug, das nur aus Bassdrum, Snare, Hi-Hat und einem Becken besteht. Und einen Bassisten schenkt sich die Band gleich ganz. Das Elvis-Poster hat übrigens seinen Grund: Remmler erlebt als Kind die Ankunft des King in Bremerhaven und beschließt, auch ein Rockstar zu werden.

Remmlers Texte changieren irgendwo zwischen Dadaismus, Gaga-Albernheiten und rotziger Dagegen-Attitüde: "Ja ja ja", "Los Paul" oder "Ja ja wo gehts lank Peter Pank vielen Dank" zeigen deutlich, dass Trio anfangs noch tief im Punk verwurzelt ist. Zudem mischt die Band wie selbstverständlich Deutsch und Englisch – auch darin ist sie ihrer Zeit weit voraus.

Genauso reduziert wie der Sound gerät auch das Albumcover des Trio-Debüts, das im Oktober 1981 erscheint. Remmler kritzelt schnell Bandname, Herzlogo und auf die Rückseite die Songtitel der Platte. Vorne drauf kommt ein Stempel mit der damaligen Adresse der Band – inklusive der echten Telefonnummer. Allerdings ruft anfangs eher selten jemand an.

Denn der Durchbruch gelingt Trio erst ein Jahr später. Remmler bekommt ein Spielzeug-Keyboard geschenkt, auf dem er einen Song namens "Da da da" komponiert. Aufgenommen wird die Nummer im Studio der Schweizer Band Yello; Klaus Voormann übernimmt den Bass-Part, Annette Humpe von Ideal singt Background-Vocals. Ein Rockpalast-Auftritt macht die Band einem großen Publikum bekannt, und schon wird "Da da da" zum Superhit.

Und zwar nicht nur in Deutschland: Der Song verkauft sich weltweit 13 Millionen Mal. Auch die Nachfolgenummer "Anna - Lassmichrein Lassmichraus" wird ein Erfolg und beschert der Band unter anderem einen Auftritt in der ZDF-Hitparade, die damals noch hauptsächlich Schlagersängern vorbehalten ist. Trio spielt dort live und vor allem Drummer Behrens erregt Aufsehen: Er spielt den ultra-simplen Beat des Liedes mit nur einer Hand und isst mit der anderen genüsslich einen Apfel.

1982 strebt die Neue Deutsche Welle ihren Höhepunkt entgegen. Und ganz oben auf der Welle schwimmt Trio. Dass die Band ihre Adresse und Telefonnummer publik gemacht hat, erscheint jetzt nicht mehr als die allerbeste Idee. Fans belagern das Haus, das Telefon steht nicht mehr still.

Das kommt davon, wenn man bei "Wetten dass...?" den Mund zu voll nimmt: Als "Strafe" für eine verlorene Wette in Frank Elstners Show muss Trio Schlagersängerin Nicole begleiten.

Das zweite Trio-Album "Bye Bye" entsteht 1983 in Weilerswist im Studio der Krautrock-Legende Can, die auch bei dem Song "W.W.W." mitspielt. Doch der Albumtitel wirkt fast schon programmatisch. Echte Hits fehlen auf der Platte, zudem kehrt die Band von ihrem minimalistischen Grundkonzept der Anfangstage ab.

Nach einer kurzen Pause im Jahr 1984 will es Trio noch einmal wissen: Nicht nur ein neues Album, auch ein Film wird veröffenlicht, bei dem Remmler, Behrens und Krawinkel mitspielen.

Doch "Drei gegen drei" wird ein Riesenflop – und das, obwohl Bernd Eichinger die Doppelgängerklamotte produziert und Krimi-Experte Dominik Graf Regie führt. Genauso erfolglos wird das Album "Whats The Password", das parallel erscheint. Drummer Behrens ist darauf übrigens nicht zu hören – er verbüßt zur Zeit der Aufnahmen eine Haftstrafe wegen eines Verkehrsdelikts.

Und so kommt es, wie es kommen musste: Trio löst sich 1986 auf.

Stephan Remmler startet direkt danach eine Solo-Karriere: Mit Songs wie "Vogel der Nacht", "Keine Sterne in Athen", "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei", "Drei weiße Birken" oder "Keine Angst" hat er Ende der 1980er auch immer wieder Hits. Von der Wucht und Innovation, die Trio versprühte, ist allerdings wenig übrig: Remmler richtet sich musikalisch im Niemandsland zwischen Schlager, Chanson und Mainstream-Rock ein.

Ab Mitte der 90er wird es still um Remmler. Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück, kümmert sich um seine Familie, lebt auf Lanzarote und in der Schweiz – den "Da da da"-Tantiemen sei Dank. Im Jahr 2000 werden die Überlegungen zu einem Trio-Comeback konkreter, die Band nimmt sogar fünf Songs auf. Veröffentlicht wird jedoch keiner von ihnen, die Pläne zerschlagen sich. Warum? "Es wäre gut gewesen, wenn es gut gewesen wäre", sagt Remmler später reichlich kryptisch.

Inzwischen ist ein Trio-Comeback leider nicht mehr möglich. Kralle Krawinkel stirbt 2013, Peter Behrens 2016. Stephan Remmler hingegen geht es offenbar gut und nach jahrelanger Abstinenz sieht man ihn auch wieder öfter im deutschen Fernsehen – so wie hier bei Florian Silbereisens "Schlagerfest".

Und auch das Mini-Keyboard aus "Da da da" hat Remmler noch parat. Ob er sich darauf einen Tusch zum 70. Geburtstag am Dienstag (25.10.2016) spielt?

Stand: 04.10.2016, 17:06 Uhr