Robin Gibb: Der Bee Gee mit der Engelsstimme

Robin Gibb: Der Bee Gee mit der Engelsstimme

Von Ingo Neumayer

Mit den Bee Gees schrieb er fleißig Pop-Geschichte, und auch seine Solokarriere war für viele Hits gut: Robin Gibb, der Mann, der mit seiner Stimme Herzen schmelzen und Gläser springen lassen konnte. Vor fünf Jahren ist er gestorben.

Bee Gees 1967

Klein anfangen, groß rauskommen: Die Karriere der Bee Gees beginnt bereits in der Grundschule, als die Zwillinge Robin (Mi.) und Maurice (2.v.r.) Gibb mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Barry (li.) ihre ersten Auftritte absolvieren. In Australien, wohin die Familie 1958 auswandert, werden die drei schnell zu Kinder- und Teeniestars mit Top-Ten-Singles und eigenen TV-Shows. Der Erfolg bleibt ihnen auch nach der Rückkehr in die englische Heimat treu: 1967 gelingt den Bee Gees, die anfangs als Quintett auftreten, mit "New York Mining Disaster 1941" ein weltweiter Hit. Dabei hilft ihnen ein Trick der Plattenfirma: Die Single wird ohne weitere Informationen an die Radios geliefert. Viele Radio-DJs halten den Song für die neue Beatles-Single - und spielen ihn rauf und runter.

Klein anfangen, groß rauskommen: Die Karriere der Bee Gees beginnt bereits in der Grundschule, als die Zwillinge Robin (Mi.) und Maurice (2.v.r.) Gibb mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Barry (li.) ihre ersten Auftritte absolvieren. In Australien, wohin die Familie 1958 auswandert, werden die drei schnell zu Kinder- und Teeniestars mit Top-Ten-Singles und eigenen TV-Shows. Der Erfolg bleibt ihnen auch nach der Rückkehr in die englische Heimat treu: 1967 gelingt den Bee Gees, die anfangs als Quintett auftreten, mit "New York Mining Disaster 1941" ein weltweiter Hit. Dabei hilft ihnen ein Trick der Plattenfirma: Die Single wird ohne weitere Informationen an die Radios geliefert. Viele Radio-DJs halten den Song für die neue Beatles-Single - und spielen ihn rauf und runter.

Die Bee Gees gelten schnell als "saubere" Konkurrenz zu Beatles und Stones, die nicht mit Eskapaden auf sich aufmerksam machen, sondern mit guten Manieren punkten. Und natürlich mit Hits wie "Massachussetts", "To Love Somebody" oder "I Started A Joke". Doch innerhalb der Band werden die Spannungen größer. Besonders Robin (li.) kann sich schwer damit abfinden, dass sein Bruder Barry (Mi.) vom Bandmanager Robert Stigwood immer immer mehr als eigentlicher Frontmann der Band inszeniert wird. Mitte 1969 steigt er aus der Band aus.

Für den Mann mit der prägnant-hohen Stimme läuft es auch ohne seine Brüder. Vor allem in Europa hat er mit Songs wie "Saved By The Bell" und "August October" großen Erfolg, während seine Brüder erst ohne ihn als Bee Gees weitermachen und sich dann auch an Solokarrieren versuchen. Doch Blut ist nun mal dicker als Wasser, und schon 1970 raufen sich Robin, Barry und Maurice wieder zusammen.

Ihre früheren Mitstreiter werden nicht gefragt, die Bee Gees gehen in ihre nächste Karrierephase als Trio, bei dem die Mitglieder gleichberechtigt agieren. Jetzt ergibt auch der Bandname wieder Sinn, der als Abkürzung für "Brothers Gibb" interpretiert wird. Doch die erste Hälfte der 1970er ist eine schwierige Zeit für die Bee Gees: Die Hits werden seltener, die Konzerte immer schlechter besucht.

Das ändert sich mit dem Beginn der Disco-Ära, als die Bee Gees ihren Sound mit Synthesizern und Dance-Rhythmen modernisieren. 1977 schreiben sie an einem Wochenende ein paar Songs für den Soundtrack zu einem Tanzfilm, der gerade in New York produziert wird: "Saturday Night Fever". Sowohl der Film als auch der Soundtrack werden zu Mega-Erfolgen und verantwortlich für den weltweiten Discoboom.

"Staying Alive", "Night Fever" und "How Deep Is Your Love" werden weltweite Hits, "Saturday Night Fever" bleibt jahrzehntelang der meistverkaufte Soundtrack aller Zeiten - bis 1992 Whitney Houstons "Bodyguard" erscheint.

Die Bee Gees haben es mal wieder geschafft. Als eine der wenigen Bands der 60er hinterlassen sie auch in den 70ern einen bleibenden Eindruck bei der jungen Generation. Nach "Saturday Night Fever" sind sie mit "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" an einem weiteren Film beteiligt. Diesmal sogar als Darsteller - unter anderem neben Peter Frampton (2.v.li.), Aerosmith, Alice Cooper und Steve Martin. Doch an den Erfolg von "SNF" kommen sie damit bei weitem nicht ran. Kritiker machen dafür vor allem die recht bescheidenden schauspielerischen Fähigkeiten von Robin, Barry und Maurice verantwortlich.

Anfang der 80er trennen sich die Bee Gees mal wieder - diesmal allerdings im Guten und mit der Option, sich jederzeit wieder zusammen zu finden. Doch zunächst ist es erst einmal Zeit für diverse Soloprojekte. Barry schreibt und produziert höchst erfolgreich Songs für Barbra Streisand, Diana Ross und Dionne Warwick, Robin veröffentlicht ein Solo-Album.

Und auch "How Old Are You?" das zweite Soloalbum des Mannes, der seine Stimme in schwindelerregende Falsetthöhen schrauben kann, geht durchs Dach - vor allem in Europa. "Juliet" wird 1983 ein Nummer-Eins-Hit, und auch die anderen Songs des Albums, das er komplett mit Bruder Maurice geschrieben hat, können überzeugen. Das Nachfolgealbum "Secret Agent", das 1984 erscheint, floppt allerdings ziemlich. Der moderne Wave-/Synthiepop-Sound, der darauf zu hören ist, passt offenbar nicht besonders gut zu Gibb.

Nicht nur die musikalische Linie, auch die Frisur entgleitet Robin ein bisschen.

Also wird es Zeit, dass man wieder als Bee Gees gemeinsame Sache macht. Und womit? Mit einem Hit! 1987 erscheint "E.S.P", das erste Bee Gees-Album nach sechs Jahren. Die Single "You Win Again" erreicht in vielen Ländern Top-Positionen und macht die Bee Gees zur ersten Band, die es in drei verschiedenen Jahrzehnten auf die Nummer Eins der britischen Charts schafft.

Die Bee Gees können wieder strahlen – doch leider nicht für lange. 1989 beschließen sie, ihren jüngeren Bruder Andy, der mit Disco-Songs einige Erfolge hatte, in die Band aufzunehmen. Doch kurz bevor die Bee Gees zum Quartett werden, stirbt Andy an einer Herzmuskelentzündung.

In den 90ern werden die Hits für die Bee Gees seltener, gesundheitliche Probleme mehren sich. Barry leidet an Arthritis und starken Rückenbeschwerden, Maurice kämpt mit seiner Alkoholsucht. Dennoch ziehen sie sich nicht zurück. 1997 spielt die Band ihr vermeintliches Abschiedskonzert in Las Vegas unter dem Titel "One Night Only". Doch der Auftritt, bei dem neben Celine Dion auch der verstorbene Bruder Andy zu hören ist, gerät so triumphal, dass die Band dann doch noch eine Welttournee dranhängt.

Auch im neuen Jahrtausend stecken die Bee Gees voller Ideen und Pläne. Doch Anfang 2003 stirbt Maurice überraschend an einem Herzinfarkt. Barry und Robin sind sich zunächst einig, das Vermächtnis ihres Bruders mit den Bee Gees weiterzuführen. Doch schließlich entscheiden sie sich doch dagegen und gehen getrennte Wege. Barry schreibt Songs für Cliff Richard und Barbra Streisand, Robin ist – hauptsächlich in Europa – als Solokünstler unterwegs.

2009 mehren sich die Gerüchte über eine großangelegte Reunion der verbleibenden beiden Bee Gees. Gemeinsame Auftritte von Barry und Robin bei verschiedenen TV-Shows heizen die Spekulationen noch an.

Doch dazu kommt es leider nie. Im November 2011 wird bekannt, dass Robin Gibb an Leberkrebs leidet. Ein halbes Jahr später, am 20.Mai 2012, stirbt er in London nach einer Lungenentzündung.

Seitdem ist es an Barry Gibb, dem letzten verbliebenen Bee Gee, das Erbe und Andenken an die Band zu bewahren.

Stand: 19.05.2017, 10:22 Uhr