"Reisen mit Cello ist immer schwierig"

Andreas Arndt vom Auryn Quartett

"Reisen mit Cello ist immer schwierig"

In einer Petition hat die Internationale Musikerföderation die EU aufgefordert, die Mitnahme von Musikinstrumenten in Flugzeugen zu erleichtern. Was nach Bagatelle klingt, bedroht in Wirklichkeit das klassische Musikgeschäft. Andreas Arndt vom Auryn Quartett weiß ein Lied davon zu singen.

WDR3.de: Herr Arndt, wo steht ihr Cello, wenn Sie fliegen?

Andreas Arndt: Es steht nicht. Es sitzt. Und zwar neben mir. Wenn ich mit meinem Cello auf Konzertreise bin, muss ich für mein Instrument einen Extrasitz buchen. Da wird es dann von der Crew festgezurrt. In Santiago de Chile haben sich einmal vier Leute damit befasst.

Auf Transatlantikflügen ist es manchmal noch so, dass mein Cello im Schrankkoffer mitreisen darf. Aber auch hier werden die Regeln immer strenger. Früher war das alles einfacher. Da konnte man sein Instrument auch einfach so mit in die Kabine nehmen. Das würde man sich heute nicht mehr trauen.

Der Dortmunder Cellist Andreas Arndt gehört zum international renommierten Auryn Quartett, das am 8. März 2016 seinen 35. Geburtstag feiert. Zum Repertoire gehört fast die gesamte Quartettliteratur bis in die Moderne. Das Quartett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1985 den Förderpreis des Landes NRW, 2009 den "Echo Klassik" sowie 2011 den "Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik". Seit 2003 sind die Mitglieder zudem Professoren an der Musikhochschule Detmold.

WDR3.de: Aber Sie könnten Ihr Cello doch auch im Frachtraum unterbringen lassen …

Andreas Arndt: … wo es viel zu kalt ist! Und wo die Fracht oft nur bis zu einer Summe von mehreren zehntausend Euro versichert ist – bei einem italienischen Cello wie meinem ein Witz. Hinzu kommt, dass mit Frachtgepäck nicht gerade pfleglich umgegangen wird. Ein Kollege musste mal mit ansehen, wie seinem Cello beim Wurf auf den Gepäckwagen der Hals gebrochen wurde. Dieses Risiko können wir Musiker uns natürlich nicht leisten.

WDR3.de: Also für das, was man sich nicht leisten kann, viel Geld bezahlen?

Andreas Arndt: Genau. Wobei es inzwischen sogar Airlines gibt, bei denen man Extrasitze nicht mehr zum billigsten Frühbuchertarif mitbuchen kann. Da reist das Instrument dann schon mal teurer als der Musiker.

Andreas Arndts Cello während eines Transatlantikflugs

Wie verschnürt man ein Cello auf Reisen? - Diskussion und Ergebnis

Bei meinem sperrigen Cello kann ich das ja auch noch verstehen. Aber auch Geiger haben immer größere Probleme, ihre Instrumente mit ins Handgepäck zu nehmen. So mussten wir 2013 bei einem Flug von Barcelona nach Venedig als Quartett sieben Sitze buchen. Das waren dann gleich 2.500 Euro mehr. Da muss man schon sehr gut bezahlte Konzerte spielen, um das wieder reinzubringen.

WDR3.de: Ist Geld denn das einzige Problem?

Andreas Arndt: Von wegen! Aufregend wird es auch am Schalter, weil man zittern muss, ob der Computer den Extrasitz fürs Instrument überhaupt verbuchen kann. Der Zoll will natürlich auch immer noch einen Blick in den Instrumentenkasten werfen. Und nach Terroranschlägen kann es schon mal sein, dass Instrumente gar nicht mehr mitfliegen dürfen. Wie bei einem Kollegen in England. Der musste sich sein Cello von einem Freund mit dem Auto aufs Festland hinterherbringen lassen.

WDR3.de: Womit werden diese Sicherheitsmaßnahmen denn begründet?

Andreas Arndt: Eine richtige Begründung gibt es nicht. Vielleicht, weil eine Geige oder ein Fagott oder ein Horn von der Normgröße fürs Handgepäck abweichen? Meine persönliche Meinung ist, dass es an Verständnis dafür fehlt, dass ein Musikinstrument etwas sehr Wertvolles ist, mit dem man etwas sehr Wertvolles tut.

Von dieser Ignoranz möchte ich das Flugpersonal übrigens ausdrücklich ausnehmen. Die normierten Regeln sind streng, die Flugkapitäne und Stewardessen generell äußerst freundlich! Da wird man mit seinem Cello auch schon einmal in die Erste Klasse hochgestuft, weil es interessant ist, wenn ein Musiker mitfliegt.

WDR3.de: Und was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Andreas Arndt: Ich würde mir wünschen, dass man uns Musikern in Zukunft wieder mehr entgegenkommt, statt immer neue Schikanen zu erfinden. Weil sonst das klassische Musikgeschäft existentiell gefährdet ist.

Die Fragen stellte Thomas Köster.

Stand: 02.03.2016, 09:19