Still Creative After All Those Years: Paul Simon wird 75

Still Creative After All Those Years: Paul Simon wird 75

Von Ingo Neumayer

Ein Leben, zwei Karrieren, 15 Grammys, über 60 Jahre als Musiker aktiv: Das schaffen nur wenige. Paul Simon ist es gelungen. Erst war er die treibende Kraft hinter Simon & Garfunkel, später reüssierte er solo. Am 13.10.2016 wird er 75 Jahre alt.

Simon and Garfunkel 1969

Glockenhelle Stimmen, poetische Texte, dramatische, meist traurige Lieder: So wird Paul Simon zusammen mit Art Garfunkel in den Sechzigern bekannt. Mit Songs wie "The Sound Of Silence", "Bridge Over Troubled Water", "The Boxer", "El Condor Pasa" oder "Mrs. Robinson" schaffen es Simon & Garfunkel in die Charts und die Herzen. Doch es braucht mehrere Anläufe, bis die beiden Erfolg haben.

Glockenhelle Stimmen, poetische Texte, dramatische, meist traurige Lieder: So wird Paul Simon zusammen mit Art Garfunkel in den Sechzigern bekannt. Mit Songs wie "The Sound Of Silence", "Bridge Over Troubled Water", "The Boxer", "El Condor Pasa" oder "Mrs. Robinson" schaffen es Simon & Garfunkel in die Charts und die Herzen. Doch es braucht mehrere Anläufe, bis die beiden Erfolg haben.

Schon als Teenager gründen Simon und Garfunkel im New Yorker Stadtteil Queens eine Zwei-Mann-Band, die sie in Anlehnung an die rabiaten Comicfiguren "Tom And Jerry" nennen. 1957 erscheint ihre erste Single "Hey Schoolgirl" - da sind die beiden gerade mal 16 Jahre alt. Der Song, der an die Everly Brothers erinnert, wird ein kleiner Hit, doch danach passiert nicht mehr viel. Die beiden trennen sich und verfolgen Soloprojekte. Erst 1964 kommen sie wieder für Aufnahmen zusammen und nennen sich fortan Simon & Garfunkel.

Doch auch das Debütalbum "Wednesday Morning 3 AM", das mit seinen akustischen Nummern eigentlich gut zur beginnenden Folk-Bewegung passt, wird ein Flop. Paul Simon zieht frustriert nach England. Aber dann nimmt Produzent Tom Wilson den stärksten Song des Albums und verpasst ihm mit Bass, E-Gitarre und Schlagzeug ein Rock-Gewand. "The Sound Of Silence" wird direkt ein Hit, Simon kehrt in die USA zurück.

In den kommenden Jahren werden Simon & Garfunkel zur großen Konsensband der Sechziger. Ein bisschen Rock, ein bisschen Psychedelik, ungewöhnliche Ideen, schöne Melodien, viel Gefühl - das Rezept geht auf. Die Arbeitsteilung in der Band ist klar: Simon schreibt als musikalisches Mastermind die Songs, Garfunkel ist mit seinem glockenhellen Tenor für den prägnanten Teil des Gesangs zuständig.

Nach dem weltweiten Erfolg des Albums "Bridge Over Troubled Water", das Anfang 1970 erscheint und die sechziger Jahre auf gewisse Weise zusammenfasst und abschließt, hat Simon erst einmal genug. Er ist neugierig, ob er auch ohne seinen alten Kumpel Art klarkommt und startet eine Solokarriere.

Mit Erfolg: "Me And Julio Down By The Schoolyard", "50 Ways To Leave Your Lover", "Mother And Child Reunion" oder "Kodachrome" werden Hits und zeigen das musikalische Talent Simons, der verstärkt Elemente aus anderen Genres wie Reggae, Jazz oder Weltmusik in seinen Sound integriert. 1975 erhält er den Grammy als bester Sänger und für "Still Crazy After All These Years", das als bestes Album ausgezeichnet wird.

Auf dem Album findet sich auch ein Duett mit Art Garfunkel namens "My Little Town" - die erste Zusammenarbeit der beiden seit Jahren. Die Funkstille zwischen den beiden wird punktuell immer wieder beendet. So auch 1981, als sie ein gemeinsames Gratis-Konzert im New Yorker Central Park geben. Es kommen sagenhafte 500.000 Zuschauer und werden Zeuge eines legendären Abends.

Doch für Simon ist die Reunion eine einmalige Sache. Er widmet sich wieder seinen Soloprojekten, heiratet die Schauspielerin Carrie Fisher, die in Star Wars die Prinzessin Leia spielt, lässt sich scheiden und erlebt 1986 mit "Graceland" seinen vierten Frühling als Songwriter.

Das Album, das Hochglanz-Pop mit Zydeco-Sounds aus den Südstaaten und traditionellen südafrikanischen Klängen kombiniert, wird schnell zum modernen Klassiker. Simon erhält zum dritten Mal in sener Karriere einen Grammy für das beste Album. Doch die experimentelle und innovative Platte, der Simons Plattenfirma zunächst eher reserviert gegenübersteht, kommt nicht nur bei den Kritikern, sondern auch bei den Fans gut an: "Graceland" verkauft sich gigantische 16 Millionen Mal.

Ein Superstar in den Sechzigern, in den Siebzigern und nun auch in den Achtzigern: Paul Simon hat es wieder mal geschafft. Das muss auch Phil Collins (li.) neidlos anerkennen.

Auf "Rhythm Of The Saints" verarbeitet Simon 1990 Einflüsse, die hauptsächlich aus Südamerika stammen. Danach wird es etwas ruhiger um ihn. Seine Fanbasis bleibt ihm zwar treu und goutiert auch Abseitigeres wie das Musical "The Capeman" (1997). Doch die Zeit, in denen sich seine Platten millionenfach verkaufen, scheint vorbei.

Dafür wird es mal wieder Zeit für eine Reunion mit seinem alten Freund Artie. 2003 und 2004 sowie 2009 gehen Simon & Garfunkel unter dem Motto "Old Friends" auf große Abschiedstournee. Weltweit begeistern sie noch einmal Millionen Fans.

Ganz schön viel Musikgeschichte ist bei dieser Preisverleihung in der amerikanischen Kongressbibliothek versammelt: Paul Simon teilt sich in der Mitte das Mikro mit Willie Nelson, links singen Neil Young und Nelsons Sohn Lukas. Die Frau in Rot ist Simons Frau Edie Brickell, der 1988 mit "What I Am" ein veritabler Hit gelingt. Nur was Miami-Vice-Schönling Don Johnson (2.v.r.) auf dieser Bühne zu suchen hat, bleibt ein Geheimnis..

Auch jenseits der Siebzig ist Paul Simon noch rührig: Ein Konzert folgt dem nächsten - mal solo, mal mit Gästen. 2014 und 2015 geht er mit Sting auf ausgedehnte Welttournee, auf der die beiden gemeinsam ihre größten Hits präsentieren.

Ein Herz für Hillary! Im Juli 2016 singt Simon auf dem Parteitag der Demokraten, der Clinton zur Präsidentschaftskandidatin kürt.

Wenige Tage zuvor erscheint das Album "Stranger To Stranger", auf dem er mit elektronischer Musik experimentiert und einmal mehr sich und seinen Fans beweist, dass ihm wenig daran gelegen ist, immer nur die alten Kamellen aufzukochen. Ob Simon noch lange nach seinem 75. Geburtstag am Donnerstag (13.10.2016) weitermacht, ist ungewiss. Es fühle sich an, als ob sich die Karriere dem Ende zuneige, sagt er der New York Times: "Ich bin bereit aufzuhören." Wenn es so kommt, wäre das zwar schade, aber auch verständlich - nach über 60 Jahren im Musikgeschäft.

Stand: 07.10.2016, 00:06 Uhr