Slade-Boss Noddy Holder wird 70

Slade-Boss Noddy Holder wird 70

Von Ingo Neumayer

Irre Kostüme, wirre Frisuren und ein bisschen Elternärgern: Mit einer Mischung aus Glam, Hardrock und Pop schafften es Slade in den 1970er Jahren ganz nach oben in die Charts. Heute wird ihr Sänger Noddy Holder 70 Jahre alt.

Slade-Sänger Noddy Holder im Jahr 2015

Na, hätten Sie ihn erkannt? In den Siebzigern hing ein Poster von ihm und seiner Band in jedem zweiten Jugendzimmer an der Wand: Noddy Holder, Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter der britischen Band Slade. Am Mittwoch (15.06.2016) feiert er seinen 70. Geburtstag.

Na, hätten Sie ihn erkannt? In den Siebzigern hing ein Poster von ihm und seiner Band in jedem zweiten Jugendzimmer an der Wand: Noddy Holder, Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter der britischen Band Slade. Am Mittwoch (15.06.2016) feiert er seinen 70. Geburtstag.

Ende der Sechziger in Wolverhampton gegründet, irrten Slade anfangs noch ein bisschen ziellos durch die Stile: ein bisschen Northern Soul und Motown-Einflüsse hier, etwas Bluesrock und Psychedelik da. Selbst eine kurze Skinhead-Phase machte die Band durch - was man auf "Get Down And Get With It", einer ihrer frühen Singles, zumindest optisch noch erahnen kann.

Doch Anfang der Siebziger wurden die Haare länger...

...und schöner, und mit den Matten kam auch der Erfolg für Slade.

Don Powell am Schlagzeug, Jim Lea am Bass, Noddy Holder sowie Gitarrist Dave Hill (v.l.n.r.) - Namen, die Anfang bis Mitte der 1970er (fast) jeder Teenager im Schlaf herunterbeten konnte.

Besonders Frontmann Noddy Holder stach durch seine exaltierten Auftritte heraus. Oben gerne mit Hut...

... unten auf Plateausohlen, dazu kamen wilde Muster und Schnitte beim restlichen Outfit: So sahen in den Siebzigern Superstars aus.

"Cum On Feel The Noize", "Mama Weer All Crazee Now", "Skweeze Me, Pleeze Me", "Cuz I Luv You", "Merry Xmas Everybody", "Far, Far Away" - zwischen 1971 und 1975 wurde nahezu jeder Song, den Slade veröffentlichten, ein Hit.

Zusammen mit T.Rex und Gary Glitter waren Slade das Aushängeschild der Glamrock-Bewegung. Keine Band verkaufte in den Siebziger Jahren mehr Singles in England.

Slade führten auf ihre Art das Erbe von David Bowies "Ziggy Stardust"-Phase weiter und bereiteten gleichzeitig den Weg für viele Hardrockbands der späten Siebziger und Achtziger wie etwa Kiss oder Twisted Sister. Selbst Britrocker wie Oasis und Alternative-Rock-Stars wie Nirvana oder die Smashing Pumpkins outeten sich als Slade-Fans.

Vorsätzliche Lokal-Legasthenie: Auch die Marotte, absichtlich mit Fantasie-Rechtschreibung zu hantieren so wie hier bei "Look Wot You Dun" (statt "Look What You Done"), fand viele Nachahmer: Von Def Leppard bis Limp Bizkit, von Mötley Crüe bis zu den Gorillaz. Bei Slade, so hieß es, war es die Verbundheit mit ihrer Heimatregion, dem "Black Country" in der Mitte Englands und ihrem Dialekt.

Ein bisschen süß und kein bisschen verwegen wirkt heutzutage allerdings die Pose, sich den Bandnamen mit Filzer auf die Finger zu schreiben. Denn das erledigt inzwischen natürlich der Tätowierer, und zwar mit bleibenden Folgen.

Wobei Noddy Holder wahrscheinlich froh ist, dass er seine Finger tattoofrei gehalten hat. Denn gemeinsam mit Jim Lea stieg er 1992 aus. Der Erfolg hatte sich da schon lange verabschiedet. Nach einem kurzen Zwischenhoch Mitte der Achtziger ging es nur noch bergab.

Holder ließ das Singen Singen sein und arbeitete fortan als Radio-DJ, Schauspieler, Synchronsprecher, Showgast. Und auch bei den jährlichen Treffen der anonymen Spatengitarristen auf den Feldern vor Wolverhampton ließ er sich ab und an blicken.

Ein Slade-Comeback pünktlich zum siebzigsten Geburtstag von Noddy Holder - das wär doch was. Aber die Chancen stehen schlecht, sagte Holder unlängst in einem Interview. Der letzte Versuch vor ein paar Jahren, zumindest ein halbwegs zivilisiertes Abendessen zusammen zu verbringen, endete "qualvoll". Wie auch immer, Noddy, "thanks for the memory".

Stand: 15.06.2016, 00:00 Uhr