Die Geschichte von John und Yoko

Die Geschichte von John und Yoko

Von Ingo Neumayer

Er war einer der größten Popstars des Planeten, sie eine anerkannte moderne Künstlerin. Und zusammen? Wurden sie zu einer Art Gesamtkunstwerk. Vor 50 Jahren lernten sich John Lennon und Yoko Ono kennen.

John Lennon und Yoko Ono 1970

Es geschah am 9.11.1966 in der Londoner Indica-Galerie: Yoko Ono bereitete dort gerade eine Ausstellung vor, als John Lennon vorbeikam. Lennon war besonders vom Werk "Painting To Hammer A Nail" beeindruckt. Ono forderte dafür die Betrachter auf, einen Nagel in eine Leinwand zu hauen und ein eigenes Haar darum zu wickeln. Ein unerhört radikaler Ansatz, der für viele außerhalb des damaligen Kunstbegriffs lag. Doch Lennon gefiel nicht nur das Kunstwerk...

Es geschah am 9.11.1966 in der Londoner Indica-Galerie: Yoko Ono bereitete dort gerade eine Ausstellung vor, als John Lennon vorbeikam. Lennon war besonders vom Werk "Painting To Hammer A Nail" beeindruckt. Ono forderte dafür die Betrachter auf, einen Nagel in eine Leinwand zu hauen und ein eigenes Haar darum zu wickeln. Ein unerhört radikaler Ansatz, der für viele außerhalb des damaligen Kunstbegriffs lag. Doch Lennon gefiel nicht nur das Kunstwerk...

...auch von der Künstlerin war er angetan. In der Ehe mit seiner Frau Cynthia kriselte es schon länger, Drogen und Starrummel hatten die beiden entfremdet. Die Begegnung mit Yoko Ono bezeichnete er später als die wichtigste in seinem Leben: "Die alten Freunde, mein altes Leben - das war alles vorbei in dem Moment, in dem ich Yoko traf. Für mich war sie die Frau."

Lennon trennte sich 1967 von seiner Frau, am 20.3.1969 heirateten er und Yoko Ono in Gibraltar, und das ganz ohne Glamour: Die Zeremonie dauerte lediglich ein paar Minuten und verlief formal und unglamourös. Für die Flitterwochen ging es nach Paris und danach rund um die Welt. Wer mehr zu den Geschehnissen und Lennons damaliger Gemütslage wissen will, muss nur die Beatles-Single "Ballad Of John And Yoko" hören.

Lennon und Ono führten anfangs ein Leben unter ständiger Beobachtung der Medien: Wenn man so will, waren sie eine frühe Variante von "Brangelina".

Andererseits ging es den beiden um viel mehr als darum, auf dem roten Teppich eine gute Figur abzugeben.

Lennon und Ono hatten eine Agenda: Die Welt ein bisschen besser, schöner, lebenswerter und friedlicher zu machen. Nach ihrer Hochzeit veranstalteten sie "Bed-Ins", um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren, und verschickten Eicheln an 50 Staatsoberhäupter in der Hoffnung, sie würden die Samen als Friedenssymbole pflanzen und hegen.

Auch die Friedenshymne "Give Peace A Chance" entstand zu dieser Zeit. Aufgenommen wurde einer der berühmtesten Lennon-Songs in einem Hotelzimmer in Montreal, mitsingen durfte so gut wie jeder, der die beiden bei ihrem Bed-In besuchte: Beat-Poet Allan Ginsberg, LSD-Guru Timothy Leary, Bürgerrechtler Dick Gregory, Sängerin Petula Clark.

Dieses Bild täuscht: Yoko Ono war keineswegs die Frau im Hintergrund, die ihrem weltberühmten Rockstar-Gatten den Rücken freihielt. Lennon und Ono führten eine gleichberechtigte Beziehung, inspirierten sich gegenseitig und arbeiteten auch künstlerisch nach Möglichkeit gemeinsam.

Filme, Kunst-Performances, Plattenaufnahmen und Konzerte: Wo John war, war auch Yoko nicht weit - und umgekehrt.

Nachdem die Beatles 1970 ihre Trennung bekannt gaben, entlud sich viel Zorn auf Yoko Ono. Sie hätte sich zu sehr eingemischt, Lennons kreativen Focus verschoben und so einen Keil zwischen Lennon und den Rest der Band getrieben - so lauteten die Vorwürfe der Fans.

Doch der langsame Zerfall der Band hatte schon vorher begonnen. Die Vorwürfe waren eher der Ausdruck einer weitverbreiteten Attitüde: Dass ein Mann, noch dazu ein solch berühmter und erfolgreicher, eine derart gleichberechtigte Beziehung führte, konnten viele Machos nicht verstehen.

Doch Ono und Lennon kümmerten sich nicht um das Gerede und die Vorwürfe. Stattdessen trafen sie sich Anfang der 70er mit einem gewissen Karel Gott. Der tschechische Sänger wollte die beiden für ein Konzert nach Prag holen. Das klappte allerdings nicht: Die tschechische Regierung sagte "Nein".

Und Lennon startete eine Karriere ohne die Beatles: Zwar veröffentlichte er zusammen mit Yoko Ono auch kaum hörbare Experimentalplatten wie "Two Virgins" oder "Life With The Lions". Doch mit Songs wie "Imagine", "Instant Karma" oder "Happy Xmas (War Is Over)" gelang ihm auch der ein oder andere Hit.

Ein skeptischer Blick in die Kamera: Nach ein paar Jahren Ehe kriselte es zwischen Lennon und Ono. Die beiden legten eine "Beziehungspause" ein, als Lennon das Album "Mind Games" (1973) aufnahm. Knapp eineinhalb Jahre dauerte die Trennung der beiden, die Lennon hinterher als "lost weekend" (deutsch: "verlorenes Wochenende") bezeichnete.

In der Zeit der Trennung machte Lennon vermehrt negative Schlagzeilen: Er randalierte in Discos und Restaurants, pöbelte und soff. Doch schließlich kam er wieder mit Ono zusammen.

Und beschloss, sein Leben zu ändern - für sie und für ihre gemeinsame Familie. Denn am 9. Oktober 1975, Lennons 35. Geburtstag, wurde Sohn Sean geboren. Zudem erhielt er nach mehreren vergeblichen Anläufen die behördliche Erlaubnis, sich in den USA niederzulassen.

Lennon legte seine Musikkarriere auf Eis und widmete sich ganz seiner Familie: Frühmorgens aufstehen, Fläschchen machen, mit Bauklötzchen spielen - alles, was er bei seinem ersten Sohn Julian versäumt hatte, versuchte er nun mit Sean nachzuholen.

Zudem zogen sich Lennon und Yoko weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Auftritte waren rar, es gab kaum Interviews und Fotosessions mit den beiden.

Das sollte sich erst wieder Anfang der 1980er ändern. Im November 1980 erschien das gemeinsame Album "Double Fantasy", dessen Songs je zur Hälfte von Lennon und Ono stammten. Die beiden gaben lange Interviews, erklärten sich und ihre Weltsicht und schienen sichtlich entspannt und froh, sich wieder künstlerisch zu betätigen.

Am 8. Dezember 1980 ließen sich Lennon und Ono von Annie Leibowitz für die Zeitschrift "Rolling Stone" fotografieren. Es sollte das letzte offizielle Bild der beiden werden, denn wenige Stunden später wurde John Lennon von einem geisteskranken Fan vor seinem Haus in New York erschossen. Ein Schock, der die Welt ins Mark traf - und bis heute für Wut und Trauer sorgt.

Stand: 07.11.2016, 10:46 Uhr