He's Still Standing: Elton John wird 70

He's Still Standing: Elton John wird 70

Von Ingo Neumayer

Seine Stimme, seine Songs, sein Auftreten: An Elton John ist vieles einzigartig. Seit über 50 Jahren im Musikgeschäft, hat er enorm viele Aufs erlebt, aber fast keine Abs. Am 25. März 2017 wird er 70 Jahre alt.

Elton John 1978

Reginald Kenneth Dwight ist drei Jahre alt, als er sich das erste Mal an ein Klavier setzt. Dass er Talent hat, merkt man schnell. Mit elf erhält er ein Stipendium an der "Royal Academy Of Music", mit 15 tritt er regelmäßig als Barpianist in Londonder Pubs auf, spielt Standards von Ray Charles, aber auch schon eigene Songs.

Reginald Kenneth Dwight ist drei Jahre alt, als er sich das erste Mal an ein Klavier setzt. Dass er Talent hat, merkt man schnell. Mit elf erhält er ein Stipendium an der "Royal Academy Of Music", mit 15 tritt er regelmäßig als Barpianist in Londonder Pubs auf, spielt Standards von Ray Charles, aber auch schon eigene Songs.

1967 antwortet er auf eine Anzeige im "New Musical Express", in der Songwriter gesucht werden. Dwights Songs überzeugen, und so wird er engagiert, um die Texte eines gewissen Bernie Taupin zu vertonen, der sich ebenfalls auf die Anzeige gemeldet hatte. Der erste wichtige Karriereschritt ist getan. Nur sein Name hat zu wenig Star-Appeal, findet Reginald, den alle nur Reggie nennen. Also kombiniert er die Namen zweier Musiker, mit denen er in der Band Bluesology gespielt hat: Elton Dean und Long John Baldry.

John und Taupin schreiben zwei Jahre lang harmlos-seichte Pop-Songs für diverse Bands und Künstler - unter anderen "I Can't Go On" für die schottische Sängerin Lulu, die damit beim Grand Prix de la Chanson antritt. Doch schließlich ist die Zeit reif, unter eigenem Namen aufzutreten: 1969 erscheint das Elton-John-Debüt "Empty Sky", ein Jahr später gelingt ihm mit "Your Song" der Durchbruch.

Es ist die Vielseitigkeit, die an Elton John von Anfang an begeistert: Er pflegt den bombastischen Überschwang genauso wie die Introspektion, ist mal sensibler Singer-Songwriter, mal aufgedrehter Showman, beherrscht die Rocknummer genauso wie die Schwulst-Ballade. Pop, Boogie, Rock'n'Roll, klassische Einflüsse - Elton John schöpft aus vielen Quellen und haut von Anfang bis Mitte der 1970er Jahre einen Hit nach dem anderen raus: "Tiny Dancer", "Rocket Man", "Crocodile Rock", "Saturday Night's Alright For Fighting" oder "Don't Go Breaking My Heart".

Neben den filigran komponierten und arrangierten Songs ist es vor allem das extravagante Auftreten, das Elton John Aufmerksamkeit verschafft. Er tritt mal als Freiheitsstatue, mal als Donald Duck, mal als Mozart verkleidet auf, schmückt sich mit Straußenfedern und lässt sich beleuchtete Brillen für 5.000 Dollar bauen. Später bezeichnet er seine fantasievollen Bühnenoutfits als Reaktion auf seinen strengen Vater und dessen konservative Erziehung.

Auch an Musicals und Rockopern findet Elton John Geschmack: In der Filmversion der Who-Rockoper "Tommy", die 1975 in die Kinos kommt, gibt er den "Pinball Wizard".

Gegen Ende der Siebziger merkt John, dass auch er es nicht schafft, die Kerze an beiden Ende gleichzeitig am Brennen zu halten. Drogen und Alkohol gehen ihm an die Substanz. Er verkündet seinen Abschied von der Bühne und beendet die Zusammenarbeit mit seinem Texter Taupin.

Doch zum Glück ist die Auszeit nur von kurzer Dauer. 1979 tourt er als einer der ersten westlichen Popstars durch die UdSSR, 1980 spielt er vor 400.000 Zuschauern im New Yorker Central Park. Im Gegensatz zu vielen anderen Stars der Siebziger bleibt er auch in den 80er Jahren erfolgreich: "I'm Still Standing", "Nikita", "I Guess That's Why They Call It The Blues" oder "Sad Songs" sind nur ein paar seiner Hits aus dieser Zeit.

Auch privat gibt es Grund zum Feiern. 1984 heiratet John, der sich als bisexuell bezeichnet, die deutsche Tontechnikerin Renate Blauel.

Köln Calling: 1983 war Elton John zu Gast "Bei Bio" und bekam von Moderator Alfred Biolek seltsame Bücher und ein leicht irres Lachen überreicht.

Neben Brillen und Kopfbedeckungen hat John auch eine große Leidenschaft für Fußball. Er ist jahrelang Präsident des FC Watford, eines Proficlubs nördlich von London. Unter seiner Präsidentschaft wird Watford 1983 Zweiter in der englischen Meisterschaft, ein Jahr später erreicht der Club das Pokalfinale.

Königlicher Besuch: Beim "Live Aid"-Konzert 1985 triff Elton John hinter der Bühne auf Lady Diana. Die beiden sind sich sympathisch; es entsteht eine langjährige Freundschaft. Elton John bewundert das Auftreten und das soziale Engagement der englischen Kronprinzessin. Diana wiederum ist ein großer Fan seiner Musik. Ihr Lieblingslied: "Candle In The Wind".

Auf diesen Hit hätte er mit Sicherheit gerne verzichtet. Nach Dianas Tod im August 1997 singt er auf der Trauerfeier in der Westminster Abbey "Candle In The Wind" mit einem bearbeiteten, auf Diana zugeschnittenen Text. Der Song verkauft sich weltweit 33 Millionen Mal, die Einnahmen in Höhe von circa 55 Millionen Pfund kommen einer wohltätigen Stiftung zu Gute.

Grammys, Oscars, Ritterschläge durch die Queen, Nummer-Eins-Alben und ausverkaufte Tourneen: Die Erfolgswelle, auf der Elton John reitet, will einfach nicht brechen. Mit "König der Löwen" schreibt er die Musik für eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten, 2003 bekommt er in Las Vegas eine eigene Show namens "The Red Piano".

Geschätzte 300 Millionen Platten hat Elton John im Laufe seiner Karriere verkauft. Das macht ihn zu einem der reichsten Popstars überhaupt. Doch neben diverser Extravaganzen setzt er seinen Reichtum auch für gute Zwecke ein, wie die von ihm gegründete "Elton John AIDS Foundation".

Als 2005 in England eingetragene Partnerschaften zugelassen werden, sind Elton John und sein langjähriger Lebensgefährte David Furnish (li.) mit die ersten, die auf den Ämtern erscheinen. Neun Jahre später heiratet das Paar, das zwei Söhne hat, die von einer Leihmutter zur Welt gebracht werden.

Zur Party an seinem 50. Geburtstag erschien Elton John als Ludwig XIV. verkleidet, seinen 60. beging er mit einem opulenten Konzert im New Yorker Madison Square Garden. Und den 70., den er am Samstag (25.03.2017) feiert? Es wird eine große Party werden, so viel steht fest. Wir sind zwar leider nicht eingeladen, gratulieren aber trotzdem von ganzem Herzen. Happy Birthday, Rocket Man!

Stand: 25.03.2017, 00:00 Uhr