Intendant Christoph Lieben-Seutter: "Große Namen und große Abenteuer"

Christoph Lieben-Seutter

Intendant Christoph Lieben-Seutter: "Große Namen und große Abenteuer"

Zehn Jahre hat Intendant Christoph Lieben-Seutter auf die Eröffnung der Elbphilharmonie gewartet. Hat sich das Warten gelohnt? Im WDR-Interview verrät Lieben-Seutter, was das Publikum in den nächsten Wochen und Jahren erwartet.

WDR: Herr Lieben-Seutter, was gewinnt Hamburg durch die Elbphilharmonie, insbesondere angesichts der Laeiszhalle, die es ja schon lange gibt?

Elbphilharmonie

Elbphilharmonie in Hamburg

Christoph Lieben-Seutter: Einiges. Nicht zuletzt, weil die Elbphilharmonie viel mehr ist als nur ein neues Konzerthaus. Es ist ein architektonisches Meisterwerk, das einiges mehr beeinhaltet. Es ist fast wie eine kleine Stadt - und das an einem Ort, der für Hamburg äußerst symbolisch ist. Mitten in der Stadt, mitten in der Elbe, mit Blick auf den Hafen und die Stadt.

WDR: Schauen wir mal auf das, was noch dabei ist: Vor allem natürlich eine Plaza, eine Aussichtsplattform, die dem Michel ein bisschen Konkurrenz macht, aber auch ein Hotel und Appartements, die man mieten kann. Welche Rolle spielt der Tourismus?

Lieben-Seutter: Eine sehr große. Diese Plaza, die öffentliche Fläche auf dem Dach des alten Kai-Speichers, ist den ganzen Tag über besuch- und begehbar. Das ist ein dermaßen spannender Ort, dass wir in nicht einmal zwei Monaten bereits eine halbe Millionen Besucher zählen konnten. Man sieht, dass die Elbphilharmonie die Rolle eines Wahrzeichens und eines Gäste-Magneten absolut erfüllt - dabei haben wir noch nicht einmal das Konzerthaus eröffnet.

WDR: Eben. Die Konzerte kommen jetzt. Sie sind als Generalintendant auch dafür verantwortlich, die Programme zu gestalten und das Ganze als Konzerthaus zu betreiben. Welche Rolle spielt Tourismus, wenn es darum geht Programme zu gestalten und Kunst zu machen?

Konzertsaal in der Elbphilharmonie

Konzertsaal in der Elbphilharmonie

Lieben-Seutter: Für mich erstmal eine sekundäre, weil ganz klar ist: Das ist das neue Konzerthaus der Hamburger. Sie haben für das Konzerthaus gezahlt, für sie machen wir die Programme, die großen Hamburger Orchester werden hier zuhause sein. Meine ganze Zielvorstellung - also für wen programmieren wir eigentlich? Das sind erstens natürlich die Musikfreunde in Hamburg, vor allem aber auch die vielen vielen Hamburger oder Menschen aus der Metropolregion, die zwar musikaffin sind, es aus irgendeinem Grund aber noch nicht geschafft haben, regelmäßig ins klassische Konzert zu gehen. Sie sind die, die uns vorschweben. Denn erst wenn sie sagen: 'Die Elbphilharmonie ist nicht nur ein tolles Gebäude, es ist auch inhaltlich ein spannender Ort, an den wir wiederkommen', dann wird die Elbphilharmonie auch als Kulturinstitution leben. Dass darüber hinaus die Nachfrage aus der ganzen Welt riesig ist, ist ein schönes Extra, das wir sicher auch in den Sommermonaten, wenn die normale Saison nicht läuft, entsprechend nutzen werden.

WDR: Jetzt bekommen die Hamburger Musikfreunde und auch die internationalen ein ganz besonderes Programm geboten. Die Eröffnungswochen - es sind insgesamt drei Wochen - sind prominent besetzt. Alle sind da, die Rang und Namen haben. Die Pianistin Marta Argerich, Mitsuko Uchida, die Philhamoniker aus Wien und aus Chicago kommen und viele viele mehr. Man kann die Messlatte jetzt zu Beginn eigentlich gar nicht höher hängen. Ist das Ihr Versprechen an die Kulturfreunde in aller Welt, was die nächsten Jahre angeht?

Christoph Lieben Seutter bei der Präsentation der Elbphilharmonie Briefmarke

Christoph Lieben Seutter bei der Präsentation der Elbphilharmonie Briefmarke

Lieben-Seutter: Es geht um mehrere Levels. Natürlich ist es toll, wenn es einen Saal gibt, der das Publikum zieht, das alle diese Konzerte und Künstler aus der ganzen Welt besuchen will. Die Messlatte im Sinne von 'tolle Orchester und tolle Künstler aus der ganzen Welt' ist hoch und bleibt auch in Zukunft hoch. Das ist aber nur ein Teil der Programmierung. Man erwartet von einem neuen Gebäude ja noch viel mehr Neues. Unerwartetes, neue Begegnungen, neue Musik und Künstler, die man noch nicht so gut kennt. Das ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch ein großer Spaß. Wir können wirklich spannende Programme machen, weil die Nachfrage auf jeden Fall groß ist. Damit muss man verantwortungsvoll umgehen, so dass man das Publikum herausfordert, aber nicht vor den Kopf stößt. In diesem Spannungsfeld zwischen ganz großen Namen und großen Abenteuern bewegt sich unser Programm.

Das Gespräch führte Daniel Frosch in WDR 3 Tonart.

Das komplette Gespräch zum Nachhören:

Endlich eröffnet: Der Intendant der Elbphilharmonie im Gespräch

WDR 3 TonArt | 11.01.2017 | 08:21 Min.

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Stand: 11.01.2017, 14:31