Kink an der Gitarre: Dave Davies wird 70

Kink an der Gitarre: Dave Davies wird 70

Von Ingo Neumayer

Die Kinks waren Mitte der 60er so groß wie die Beatles und die Stones und beeinflussten später Bands wie Queen, The Clash oder Oasis. Am 3. Februar 2017 feiert ihr Gitarrist Dave Davies seinen 70. Geburtstag.

The Kinks bei einer TV-Sendung 1964

Als Mitte der 1960er die moderne Popmusik erfunden wurde, waren die Kinks ganz vorne mit dabei. Zusammen mit den Beatles, den Rolling Stones und The Who bildeten sie die Speerspitze der "British Invasion", die weltweit Erfolge feierte und das "Band-Prinzip" in der Popkultur verankerte. Die Zeit der fremdbestimmten Solokünstler lief damals langsam ab, fortan wurde die Popmusik von Gruppen dominiert, die ihre eigenen Songs schrieben.

Als Mitte der 1960er die moderne Popmusik erfunden wurde, waren die Kinks ganz vorne mit dabei. Zusammen mit den Beatles, den Rolling Stones und The Who bildeten sie die Speerspitze der "British Invasion", die weltweit Erfolge feierte und das "Band-Prinzip" in der Popkultur verankerte. Die Zeit der fremdbestimmten Solokünstler lief damals langsam ab, fortan wurde die Popmusik von Gruppen dominiert, die ihre eigenen Songs schrieben.

Gegründet wurden die Kinks von den Davies-Brüdern Ray (li.) und Dave (2.v.r.), die beide Gitarre spielten und sangen. Drummer Mick Avery (2.v.l.) und Bassist Peter Quaife (r.) komplettierten das Quartett, das sich im Londoner Norden schnell einen Namen machte. Doch als die ersten beiden Singles, die 1964 erschienen, erfolglos blieben, drohte ihnen die Plattenfirma mit dem Rausschmiss. Die Kinks erhielten noch eine Chance...

Und die nutzten sie: Als nächste Single erschien "You Really Got Me" - und wurde ein Riesenhit. Das lag nicht zuletzt an Dave Davies' lautem und verzerrten Gitarrensound. Weil er mit dem Klang unzufrieden gewesen war, schlitzte er kurzerhand mit einer Rasierklinge den Verstärker auf - und schuf so einen Rockmoment für die Ewigkeit. Viele sehen in dem "You Really Got Me"-Riff die Geburtsstunde dessen, was später Hardrock genannt und von Bands wie AC/DC oder Van Halen aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.

Die Kinks starteten durch, standen sich selbst allerdings auch etwas im Weg. Denn von Anfang an gab es Spannung und Streit innerhalb der Band. Bei einem Konzert in Wales im Mai 1965 beleidigte Dave Davies Drummer Mick Avery. Avery nahm darauf seinen Hi-Hat-Ständer und schlug ihn Davies auf den Kopf. Davies sank bewusstlos zusammen und musste mit 16 Stichen genäht werden. Wenig später erhielten die Kinks ein vierjähriges Auftrittverbot in den USA. Warum genau, blieb im Dunkeln. Allerdings wurde spekuliert, dass ihr rowdyhaftes Auftreten der Grund dafür war.

Und auch zwischen den Brüdern Ray und Dave gab es immer wieder Ärger. Dass Ray mehr Rampenlicht abbekam und als zentrale Figur der Band wahrgenommen wurde, passte seinem Bruder gar nicht. Dave dachte über eine Solokarriere nach und schrieb den Song "Death Of A Clown", der zunächst unter seinem Namen veröffentlicht wurde, wenig später aber doch ins Kinks-Repertoire aufgenommen wurde.

Trotz aller Reibungen und Differenzen rauften sich die Kinks letztlich immer wieder zusammen und begeisterten mit Hits wie "Dandy", "Waterloo Sunset", "Dedicated Follower Of Fashion", "Sunny Afternoon" oder "Dead End Street". Im Gegensatz zu den Stones, Beatles oder Who war das britische Element der Band immer sehr präsent. Die Kinks hatten aufgrund ihrer Herkunft eine starke Verbindung zur Arbeiterklasse, sangen über Allerweltsthemen, gaben sich sehr bodenständig und pflegten einen inseltypischen, gerne auch zynischen Humor.

Ende der 1960er veränderte sich der Stil der Kinks zusehends. Statt auf prägnante, poppig-eingängige Nummern setzte Ray Davies immer mehr auf theatralische Momente. Die Kinks veröffentlichten Konzept-Alben wie "The Village Green Preservation Society", "Arthur (Or The Decline And Fall Of The British Empire)" oder "Lola Versus Powerman", die mit viel Bedeutung aufgeladen waren, die meisten Fans aber ratlos hinterließen. Mit "Lola" gelang der Band 1970 noch einmal ein Superhit, doch das war es dann für lange Zeit.

Der Rest der Kinks-Karriere bestand aus ein paar Hochs wie dem 1983er-Hit "Come Dancing" und vielen Tiefs. Dave Davies veröffentlichte 1980 sein erstes Soloalbum, auf dem er alle Instrumente selbst einspielte, konnte damit aber auch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

1996 war dann endgültig Schluss mit den Kinks. Die Band sagte Goodbye zu ihren Fans, die Mitglieder widmeten sich fortan den typischen Dingen, mit denen man sich als ehemaliger Popstar so beschäftigte: Hier ein Soloalbum, dort ein Gastauftritt, und natürlich muss auch noch eine Biografie verfasst werden. Die von Dave Davies hieß "Kink". Neben den üblichen Sex- und Exzess-Geschichten berichtete er darin vom schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder - und von einer außerirdischen Macht, die ihm mit Lichtenergie das Gehirn bestrahlt habe.

Pünktlich zum 50. Bandjubiläum feierte 2014 in London das Musical "Sunny Afternoon" Premiere, das sich den Songs und der Karriere der Kinks widmete. Das Musical wurde ein großer Erfolg und längst nicht nur von Nostalgikern besucht: Auch die junge Generation der Musikfans interessierte sich wieder mehr für die Kinks.

Tatsächlich sind die Kinks im Laufe der Jahre zu einer der einflussreichsten Bands überhaupt geworden. Schon The-Who-Gitarrist Pete Townshend oder Brian May von Queen sprachen in höchsten Tönen von ihnen. In den späten 70ern beriefen sich Punk- und Wave-Bands wie The Clash, Elvis Costello oder The Jam auf Davies & Co. Und auch die Britpop-Welle in den 90ern mit Oasis, Blur oder Pulp hat der Vorarbeit der Kinks viel zu verdanken.

Wer weiß also, wie die Rock- und Popgeschichte verlaufen wäre, wenn Dave Davies damals nicht mit der Rasierklinge seinem Verstärker zu Rande gerückt wäre? Am Freitag (03.02.2017) wird er 70 Jahre alt, und damit nicht nur er, sondern auch seine Fans etwas zu feiern haben, veröffentlicht er im März ein neues Album und geht danach auf Tournee.

Stand: 02.02.2017, 13:48 Uhr