Die Hit-Fabrikantin: Carole King wird 75

Die Hit-Fabrikantin: Carole King wird 75

Von Ingo Neumayer

Keine Frau schrieb mehr Hits als sie: In den 60ern war Carole King die Komponistin im Hintergrund, deren Songs von den Beatles oder Aretha Franklin gespielt wurden, später startete sie eine Solo-Karriere. Am 9. Februar 2017 feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Carole King am Flügel ca. 1960

Es fängt an mit einer High-School-Liebschaft in Brooklyn: 1959 widmet der Sänger Neil Sedaka seiner Ex den Song "Oh! Carol" - und landet prompt einen Hit. Die Antwort von Carole King und ihrem Mann Gerry Goffin lässt nicht lange auf sich warten: "Oh! Neil" ist zwar lange nicht so erfolgreich, legt aber den Grundstein für eine der erfolgreichsten Songwriter-Paarungen der 1960er Jahre. Die Aufteilung ist klar: King schreibt die Musik, Goffin die Texte.

Es fängt an mit einer High-School-Liebschaft in Brooklyn: 1959 widmet der Sänger Neil Sedaka seiner Ex den Song "Oh! Carol" - und landet prompt einen Hit. Die Antwort von Carole King und ihrem Mann Gerry Goffin lässt nicht lange auf sich warten: "Oh! Neil" ist zwar lange nicht so erfolgreich, legt aber den Grundstein für eine der erfolgreichsten Songwriter-Paarungen der 1960er Jahre. Die Aufteilung ist klar: King schreibt die Musik, Goffin die Texte.

Das Talent von Carole King wird früh deutlich: Schon als Kind sitzt sie stundenlang am Klavier und versucht, hinter das Erfolgsrezept all der tollen Songs zu kommen, die sie im Radio hört. Mit 16 ändert sie ihren Namen von Carol Joan Klein in Carole King und nimmt Demos mit dem befreundeten Paul Simon auf. Ein Jahr später heiratet sie Goffin, bekommt eine Tochter – und schreibt Songs, Songs, Songs. Zu ihren frühen Erfolgen gehören "Will You Love Me Tomorrow" (The Shirelles), "Take Good Care Of My Baby" (Bobby Vee), "The Loco-Motion" (Little Eva) oder "Crying In The Rain" (Everly Brothers). Und auch auf dem Beatles-Debüt findet sich mit "Chains" eine Nummer von ihr und Goffin.

Wer immer in den Sechzigern einen Hit braucht, ist gut beraten, sich an Carole King zu wenden. Dabei zeigt sie ein erstaunlich breites musikalisches Spektrum: Sie schreibt Boygroup-Popsongs für die Monkees ("Pleasant Valley Sunday"), versorgt die Byrds mit Country-Rock ("Wasn't Born To Follow"), liefert Material für Produzent Phil Spectors legendäre "Wall of Sound". Und auch Soul-Nummern hat sie drauf: Als Aretha Franklin (im Bild) 1967 zum Superstar wird, liegt das vor allem an den drei Hits "Respect", "Think" und "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" - letzteres eine King-Komposition.

Ende der 1960er zerbricht die Ehe zwischen King und Goffin. King nimmt ihre beiden Töchter und zieht von New York an die Westküste in den legendären Laurel Canyon nahe Santa Monica.

Dort leben Musiker wie Joni Mitchell (Bild), James Taylor, Crosby, Stills, Nash & Young, die Eagles oder die Byrds ihre künstlerischen Visionen aus: Freie Liebe, freie Drogen, gute Songs und ein gutes Leben. Auch Carole King fasst schnell Fuß in der neuen Umgebung, findet Inspirationen und Mitstreiter.

Mit dem Bassisten Charles Larkey, den sie wenig später heiratet, gründet sie die Band The City. Das Album "Now That Everything's Been Said" floppt zwar, doch für Carole King steht fest: Sie will nicht mehr im Hintergrund stehen, sondern ab ins Rampenlicht. 1970 erscheint ihr erstes Soloalbum "Writer".

Ein Jahr später kommt dann der große Durchbruch: Das Album "Tapestry" erreicht 1971 nach wenigen Wochen Gold-Status, bleibt anschließend jahrelang in den Charts und verkauft sich weltweit über 25 Millionen Mal. Sanfte Arrangements, besinnliche Songs, emotionale Texte, eine ausdrucksstarke Stimme - "Tapestry" ist grüblerisch, ichbezogen, melancholisch und trifft so perfekt den Zeitgeist der Post-Hippie-Ära. Das ist der Stoff, aus dem Anfang der Siebziger Superstars gemacht werden.

Mit "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" und "Will You Love Me Tomorrow" holt sich King auf dem Album zwei ihrer Songs "zurück" und interpretiert sie auf ihre ganz eigene Weise. Doch es gibt auch neues Material auf "Tapestry". Etwa "It's Too Late", "I Feel The Earth Move", "Beautiful" oder natürlich den Superhit "You've Got A Friend". Den veröffentlicht wenig später auch der mit King befreundete James Taylor - sein erster und bislang einziger Nummer-Eins-Hit in den USA.

Den Erfolg von "Tapestry" kann Carole King zwar nie mehr toppen, aber tolle Songs und große Momente hat ihre Karriere auch im weiteren Verlauf zu bieten.

Bis zum heutigen Tag sind ihre Songs beliebte Vorlagen: Ob Kylie Minogue oder Celine Dion, Billy Joel oder a-ha, Rod Stewart oder die Bee Gees, Hole oder Amy Winehouse – sie alle haben Carole-King-Nummern gecovert.

Im Jahr 2000 gibt das US-Magazin "Billboard" bekannt, dass keine andere Songwriterin im 20. Jahrhundert öfter in den US-Charts vertreten war als Carole King. Sage und schreibe 118 Songs, an denen sie beteiligt war, schafften es in die Top 100. Da ist der Stern, der ihr zu Ehren 2012 auf dem "Walk Of Fame" in Hollywood eingelassen wird, natürlich eine logische Konsequenz.

Auch der frühere US-Präsident Barack Obama ist ein Fan von Carole King. 2015 verleiht er ihr den renommierten Kennedy-Preis für ihren "außergewöhnlichen Beitrag zur amerikanischen Kultur". Und als Aretha Franklin zu Kings Ehren bei der anschließenden Gala "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" singt, ist Obama so gerührt, dass er sogar ein paar Tränchen vergießt.

Carole King, die am Donnerstag (09.02.2017) ihren 75. Geburtstag feiert, lebt inzwischen zurückgezogen in den Bergen Idahos. Dort genießt sie das Panoroma, geht mit ihrem Hund spazieren und freut sich an der Welt, wie sie unlängst in einem Interview sagte: "Jeden Morgen wenn ich aufwache, lächele ich und sage Danke." Das können wir gerne zurückgeben: Danke für all die tollen Songs!

Stand: 06.02.2017, 10:28 Uhr