Charity-Rocker: Bob Geldof wird 65

Charity-Rocker: Bob Geldof wird 65

Er ist Rocksänger, er ist Schauspieler, vor allem aber ist er als Weltverbesserer bekannt: Bob Geldof hat das "Live Aid"-Konzert organisiert und Millionen für Afrika gesammelt. Am Mittwoch wurde er 65 Jahre alt.

Bob Geldof 2016 bei einer Preisverleihung in Dublin

Der Weg vom irischen Küstenstädtchen Dún Laoghaire an die Konferenztische der Wichtigen und Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Kultur ist weit - vor allem, wenn man auf Baustellen, in Schlachthöfen und Konservenfabriken ins Berufsleben startet. Doch Bob Geldof, der am Mittwoch (05.10.2016) seinen 65. Geburtstag feiert, hat es geschafft.

Der Weg vom irischen Küstenstädtchen Dún Laoghaire an die Konferenztische der Wichtigen und Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Kultur ist weit - vor allem, wenn man auf Baustellen, in Schlachthöfen und Konservenfabriken ins Berufsleben startet. Doch Bob Geldof, der am Mittwoch (05.10.2016) seinen 65. Geburtstag feiert, hat es geschafft.

Den ersten Schritt macht Geldof 1975, als er die Boomtown Rats ins Leben ruft: Anfangs noch stärker am Punk orientiert, baut die Band später auch Folkrock-, Northern-Soul- und New-Wave-Elemente in ihre Songs ein. Dazu kommen Geldofs bissig-pointierte Texte, die sich oft um politische und soziale Themen drehen.

Dank Songs wie "Rat Trap" oder "I Don't Like Mondays", das sich mit einem Amoklauf an einer US-Highschool beschäftigt, werden die Boomtown Rats Ende der 70er weltweit bekannt und dürfen sogar für "Kickers"-Schuhe Werbung machen.

Besonders der charismatische Sänger Geldof, der dem Publikum live gerne Vorträge hält, macht Eindruck. 1982 heuert ihn der Regisseur Alan Parker für die Verfilmung des Pink-Floyd-Opus' "The Wall" an. Und zwar nicht als Nebendarsteller, der ein paar Sätze stottern darf, die hinterher eh wieder geschnitten werden. Nein: Geldof bekommt die Hauptrolle – und viel Lob für seine Darstellung.

Geldof ist Rockstar, Geldof ist Filmstar – aber anstatt sein VIP-Leben zu genießen, macht er sich Sorgen um den Zustand der Welt. Schon Anfang der Achtziger tritt er für Amnesty International auf, um auf die Wichtigkeit der Menschenrechte hinzuweisen. Und als er 1984 zufällig im Fernsehen eine BBC-Doku über die Hungersnot in Äthopien sieht, wird ihm klar: Da muss man was machen!

Zusammen mit Midge Ure von Ultravox schreibt er den Song "Do They Know It's Christmas?", der von der Crème de la Crème der britischen Popszene eingesungen wird: An der "Band Aid" beteiligen sich David Bowie, Elton John, Phil Collins, Sting, Paul McCartney, George Michael, U2, Duran Duran, Spandau Ballet, Simple Minds und viele andere. Mit Erfolg: Der Song wird zur bestverkauften Single der Achtziger und spielt weltweit Millionen ein.

Ein beachtlicher Erfolg – doch Geldof reicht das nicht. Er will mehr: Mehr Stars, mehr Aufmerksamkeit, mehr Spenden. Also organisiert er mal eben das größte Konzert der Rock- und Popgeschichte: "Live Aid". Am 13. Juli treten parallel in London und Philadelphia die größten Superstars auf, die der Planet zu bieten hat.

Madonna, Bob Dylan, Santana, Queen, U2, Beach Boys, Dire Straits, Sade, Eric Clapton, Tom Petty, Tina Turner, Phil Collins, Sting, Joan Baez, Status Quo, Elton John - die Liste ist schier endlos. Geldof kann selbst Led Zeppelin, Black Sabbath, The Who und Crosby, Stills, Nash & Young überreden, sich extra für diesen Auftritt wiederzuvereinigen.

Ein stressiger Tag für Geldof: Erst muss er auf die VIP-Tribüne, um Prince Charles und Lady Di in bester John-Lennon-Tradition zu zeigen, wie man mit seinen Juwelen rasselt ...

... und dann beim großen Finale eine so gute Figur abgeben, dass er nicht negativ auffällt zwischen David Bowie, Paul McCartney, Pete Townshend und George Michael. Geldof gelingt beides. Und "Live Aid" wird ein Riesenerfolg. Die Show beinhaltet einige Sternstunden der Rock- und Popgeschichte, spielt massig Geld ein und sorgt dafür, dass die Not und das Elend Afrikas im reichen Westen stärker ins Bewusstsein rücken.

Die Boomtown Rats sind bald nach "Live Aid" Geschichte, Geldof beginnt eine leidlich erfolgreiche Solokarriere. Sein eigentlicher Focus wendet sich aber von der Musik hin zur Charity. Er wird zum weltweiten Handlungsreisenden im Kampf gegen Hunger, Armut und soziale Ungerechtigkeit in Afrika.

Geldofs Engagement stößt allerdings auch auf Kritik. Seine Aktionen seien bevormundend gegenüber Afrika, er selbst ein Selbstdarsteller und natürlich auch ein "Gutmensch" – so wie Mutter Teresa, die er mehrmals trifft.

Doch Geldof ficht das nicht an. Ähnlich wie sein Freund Bono trifft er sich immer wieder mit Politikern, Unternehmern und Entscheidern, um Spendengelder einzuwerben und um seine Sicht der Dinge darzulegen.

Zum Friedensnobelpreis hat es Geldof bislang nicht gebracht, obwohl er schon mehrmals vorgeschlagen wurde. Dafür stattet ihn die Queen mit hohen Ehren aus. Als Ire darf er sich zwar nicht "Sir" nennen, aber er wird immerhin zum "Knight Commander of the Most Excellent Order of the British Empire" ernannt.

Die "Live Aid"-Idee wird im Laufe der Jahre von Geldof mehrmals recycelt, und auch "Do They Know It's Christmas?" nimmt er immer wieder auf. 2014 gibt es sogar eine deutsche Version. Bei der sind neben Peter Maffay, Jan Delay, Clueso, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken auch Max Herre, Campino und Thees Uhlmann (v.l.) an Bord.

Und wer es schafft, Led Zeppelin, The Who und Black Sabbath wiederzuvereinigen, sollte doch an den Boomtown Rats nicht scheitern. Tatsächlich kommt die Band 2013 wieder zusammen und geht auf ausgedehnte Tour.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Bob Geldof seinen 65. Geburtstag zum Anlass nimmt, etwas kürzer zu treten, ist gering. Denn es gibt immer noch viel zu tun – auch wenn er die Welt tatsächlich ein kleines bisschen besser gemacht hat. Aber darauf wird er sich nicht ausruhen wollen.

Stand: 30.09.2016, 13:37 Uhr