So kulturell ist NRW

Portät Christina Kampmann, NRW-Familienministerin

So kulturell ist NRW

Von Peter Grabowski

  • Erster Landeskulturbericht für NRW
  • Ministerin Christina Kampmann legt Analyse vor
  • Menschen im Land interessieren sich kaum für Hochkultur

Mehr als 1.500 Bibliotheken, rund 220 Kunstmuseen und Ausstellungshäuser, 73 staatliche und private Bühnen gibt es in NRW. Dort und in den vielen anderen Bereichen von Kunst und Kultur sind rund 190.000 Menschen beschäftigt; 33.000 von ihnen sind selbstständige Künstlerinnen und Künstler. Das Land und die Kommunen geben zusammen etwa 1,8 Milliarden Euro für die Kultur aus.

Das sind die Eckdaten der nordrhein-westfälischen Kunst- und Kulturlandschaft. Der Landeskulturbericht, der unter anderem auf einer Allensbach-Umfrage fußt, liefert darüber hinaus auf knapp 270 Seiten viele einzelne Zahlen und Statistiken zu insgesamt fünf Themenbereichen: Kulturelle Infrastruktur und Finanzierung, Rolle der Städte und Gemeinden im Kulturleben, die Situation von Künstlerinnen und Künstlern, Publikum und Teilhabe sowie Herausforderungen für die Zukunft.

Viel Interesse für Kino, wenig für Oper

Kinozuschauer mit 3D-Brillen erschrecken sich

Beliebtester Kultur-Event in NRW: Ins Kino gehen

Erstmals wurden in diesem Rahmen auch aktuelle Daten zum Kulturinteresse der Menschen in Nordrhein-Westfalen erhoben. Deren Favorit ist demnach mit weitem Abstand das Kino. Andere Ergebnisse sind eher ernüchternd: So hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung nur wenig oder kein Interesse an Theater, klassischer Musik oder Kunst und Malerei. Den schlechtesten Wert erzielt die Oper, der mehr als 80 Prozent die kalte Schulter zeigen. Für Wissenschaftler und langjährige Beobachter sind diese Daten allerdings keine Überraschung.

Woran Menschen in NRW starkes bis sehr starkes Interesse haben:
- Kino: 43 % der Befragten
- Klassische Musik: 10 %
- Tanz / Ballett: 7 %
- Oper: 6 %
Quelle: Landeskulturbericht 2017

Viele Künstler haben Existenzsorgen

Ein Holzschnitzer steht auf einem Baumstamm

Bericht benennt Probleme der freien Künstler

Zu den Problemfeldern gehört laut Bericht unter anderem die soziale Situation der freischaffenden Künstler im Land: Mehr als 60 Prozent von ihnen setzen weniger als 17.500 Euro jährlich um; viele leben am Rande des Existenzminimums. Eine andere Schwierigkeit zeigt sich auf dem Gebiet der sogenannten Interkultur. Weder sind Menschen mit Migrationshintergrund entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung (ca. ein Viertel) in den Kulturbetrieben beschäftigt, noch stellen sie entsprechend große Teile des Publikums.

Digitales - Kluft zwischen Angebot und Nachfrage

Eine Abfrage in den Städten und Gemeinden hat zudem ergeben, dass die Digitalisierung dort als "kulturpolitisch noch nicht besonders bedeutend" eingeschätzt wird. Für die Kulturinstitutionen, die Künstlerinnen und Künstler sowie für das Publikum selbst werde die digitale Entwicklung hingegen zu einem bedeutenden Faktor bei Produktion, Verbreitung und Konsum, schreiben die Autoren des Landeskulturberichts. Hier zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen den Akteuren in der Kultur und den Entscheidern auf kommunaler Ebene.

Kampmann plant weitere kulturpolitische Forschung

Seit vielen Jahren hatten Politik und Verwaltung, aber auch Kulturinstitutionen und Künstlerverbände über Informationsdefizite und Wissenslücken im Kultursektor geklagt. Als Reaktion darauf wurde 2014 im NRW-Kulturfördergesetz festgelegt, dass künftig zum Ende jeder Legislaturperiode ein umfassender Bericht zur Situation der Kultur im Land vorgelegt werden muss. Dessen erste Ausgabe hat die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Christina Kampmann (SPD), dem Landtag damit nun offiziell übergeben.

Er sei "der Startschuss für eine kulturpolitische Forschung des Landes", sagte Kulturministern Christina Kampmann am Dienstag (21.03.2017) bei der Präsentation im Parlament. Mit den Schwerpunkten "Individuelle Künstlerförderung", "Kulturelle Bildung" und "Digitalisierung" habe die Landesregierung drei Problemfelder des Berichts bereits im aktuellen Kulturförderplan bis 2018 in Angriff genommen. Für die weitere Arbeit auf Landesebene sei nun eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen worden.

Peter Grabowski über den Landeskulturbericht

WDR 3 Kultur am Mittag | 21.03.2017 | 05:49 Min.

Stand: 21.03.2017, 16:23