Seitl und Lundahl im Kunstmuseum Bonn

Ausstellung New Originals: Besucher mit VR-Brillen und Kopfhörern.

Seitl und Lundahl im Kunstmuseum Bonn

Augen zu, Einbildungskraft an: Das schwedische Künstlerduo Martina Seitl und Christer Lundahl schickt ab Donnerstag (09.03.2017) Besucher im Kunstmuseum Bonn mit Kopfhörern und undurchsichtigen Brillen durch die Ausstellungssäle. Drei Fragen an Martina Seitl.

WDR: Wer die "New Originals" sehen möchte, bekommt am Eingang ein Handy, Kopfhörer und eine Brille in die Hand gedrückt. Worauf müssen sich die Besucher einstellen?

Ausstellung New Originals. Besucher mit Kopfhörer vor Wandkarten und Bergreliefs.

Besucher mit Kopfhörer in "New Originals"

Martina Seitl: Auf den ersten Blick sieht "New Originals" aus wie eine normale Ausstellung, denn wir spielen mit diesem Format. Wir haben in Museen beobachtet, dass die Besucher die Tendenz haben, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit anzuschauen. Wir hingegen möchten, dass sie nur wenige Werke betrachten und sich dafür Zeit nehmen. Die Teilnehmer sollen sich später an diese Arbeiten erinnern können. Dafür haben wir Bilder aus der Sammlung des Kunstmuseums ausgesucht, Max Ernsts "Grätenwald" oder Paul Adolf Seehaus’ "Leuchtturm mit rotierendem Strahl" zum Beispiel. Diese Gemälde lassen sich gut in Sound übersetzen. Wichtig war uns auch, dass die Bilder Licht thematisieren, sei es als Sonne, als Leuchtsignal oder durch die Darstellung einer Gaslaterne.

WDR: Wozu braucht es die Virtual Reality-Brille, die der Besucher vor dem Betreten des zweiten Ausstellungsraums aufsetzen muss? 

Martina Seitl: Obwohl sie so aussieht, handelt es sich nicht um eine Virtual Reality-Brille. Denn wenn wir zu viele Bilder vorgeben und so die Einbildungskraft der Besucher besetzen, sind wir als Künstler gescheitert. In unseren Brillen sehen sie nur unbestimmtes Licht und Schatten. Aber im Grunde genommen können sie Ihre Augen auch schließen. Die Lichtreize dienen lediglich dazu, die Erinnerung an die zuvor gesehenen Kunstwerke zu aktivieren. Die Besucher sollen dann mit Hilfe ihrer Einbildungskraft und aus dieser Erinnerung heraus neue Originale erschaffen. Ihr Bewusstsein ist quasi die Leinwand. Man könnte sagen: Sie erschaffen und besitzen immaterielle Werke.

WDR: Sie muten den Besuchern ziemlich viel Kontrollverlust zu. Ist es nicht eine unheimliche Erfahrung, sich blind durch das Museum zu tasten und dabei auch noch durch Kopfhörer von der Umgebung abgeschnitten zu sein?

Martina Seitl: Wir leben in einer Welt, in der der Sehsinn dominiert. Wir wollen alles unter Kontrolle haben. Auf das Sehen zu verzichten, ist eine große Herausforderung. Und wenn ich ein Museum betrete, habe ich eine andere Erwartungshaltung. In "New Originals" werden die Besucher mit diesem Kontrollbedürfnis konfrontiert. Sie treten mit sich selbst in den Dialog, und auch das ist Teil der Erfahrung, die sie hier machen.

Die Fragen stellte Andrej Klahn.

Vom 9. März bis zum 28. Mai ist die Installation "New Originals" im Kunstmuseum Bonn zu erleben.

Stand: 08.03.2017, 14:00