Der den Wald fegt

Der den Wald fegt

Der Künstler Ivo Weber fegt den Wald. Seit 13 Jahren zieht er einmal im Jahr mit Freunden oder Kollegen für ein paar Stunden in den Herbstwald und befreit den Boden vom Laub. Seine Fotos von diesen Aktionen werden jetzt in in der Kölner artothek gezeigt.

Ivo Weber - Waldfegen 2003

Angefangen hat alles im Herbst 2003: Der in Köln lebende Künstler Ivo Weber fegt zum ersten Mal den Waldboden, zunächst nur kreisrunde Stellen um ein paar Bäume herum. Bei seiner Aktion helfen ihm Freunde, Kollegen und Kulturschaffende.

Angefangen hat alles im Herbst 2003: Der in Köln lebende Künstler Ivo Weber fegt zum ersten Mal den Waldboden, zunächst nur kreisrunde Stellen um ein paar Bäume herum. Bei seiner Aktion helfen ihm Freunde, Kollegen und Kulturschaffende.

Fortan besetzt Weber jedes Jahr im Herbst mit einem wechselnden Team den öffentliche Raum in der Natur. Sie stecken ein Gebiet ab, erstellen eine Landmarke. Hier: "Waldfegen 2004".

"Waldfegen 2005" - Gestaltungskonzept, Witterung und Mannschaft sorgen für Varianten im alljährlichen Ergebnis. Weber ist im baden-württembergischen Biberach/Riß geboren. Aus den Nutzwäldern seiner Kindheit in Süddeutschland kennt er die in der Natur abgesteckten Strukturen zum Beispiel bei Waldfäll-Arbeiten. In seinem Kunstprojekt "Waldfegen" wird für kurze Zeit in der kultivierten Natur am Stadtrand Ordnung geschaffen, werden künstlerische Strukturen angelegt.

"Waldfegen 2006" - Der Künstler und sein Team räumen die verwelkten, abgestorbenen Blätter - dem Nährstoffkreislauf zum Trotz - weg, um einer Idee von Ordnung und Schönheit zu folgen.

"Waldfegen 2007" - Fegen im Wald? Das erscheint absurd, entwickelt sich aber nach Ansicht des Künstlers durch das wiederkehrende Szenario zu einem Ritus, der Beständigkeit und Sicherheit vermittelt und die Teilnehmer zu einer Gruppe Eingeweihter macht.

"Waldfegen 2008" - Der Ort des Fegens sei ein sehr ruhiger Platz, so Ivo Weber. Ungestört von Spaziergängern oder Pilzesuchern kann er seine kurzen und konzentrierten Aktionen durchführen.

"Waldfegen 2009" - Nach etwa zwei Stunden ist die Arbeit üblicherweise getan und der Ort des Projekts wird wieder in den Zustand versetzt, in dem er vorher war. Das Aufräumen heißt hier dann: Alles wieder unordentlich machen.

"Waldfegen 2011 - aufgestellt von Meyer Voggenreiter" - Im Jahr 2011 ändert Weber sein Konzept. Er legt den Rechen beiseite und begibt sich in die Rolle des Regisseurs, der die eingeladenen Teilnehmer zu Performern macht. 2011 lässt er die Eingeladenen im Schnee - um den Designer Meyer Voggenreiter - noch "wild drauf los fegen", wie er sagt, ohne genaue Vorgaben.

"Waldfegen 2012 - aufgestellt von Olaf Hirschberg" - Im Jahr 2012 lädt Ivo Weber (links) seinen Fotografen Olaf Hirschberg (rechts) zum Waldfegen ein. "Er ist bereits seit 2003 dabei", so Weber, "es war mir wichtig, ihn zu positionieren." Warum die beiden nicht soviel geschafft haben? "Manchmal reicht einfach nur der Wille", sagt Weber lachend. "Da war das nicht nötig, noch zu fegen."

"Waldfegen 2013 - aufgestellt von Lotte und Eberhard Wolff" - Ivo Webers Kunstprojekt ist am 1. September von 10 Uhr bis 20 Uhr in der artothek in Köln zu sehen. "Die Ausstellung ist so konzipiert, wie die Aktion an sich: kurz und konzentriert", sagt Weber.

"Waldfegen 2014 - aufgestellt von Kaspar König" - Aus der artothek wird alle zwei Stunden ein Bild live im Internet präsentiert. "Auch der Platz, an dem immer gefegt wird, wird live in die artothek übertragen - als eine Art Gegenkopplung", so Weber.

"Waldfegen 2015 - aufgestellt von Katharina Keller" - Auch im Herbst 2016 wird Ivo Weber wieder zum Fegen in den Wald gehen - diesmal allerdings nicht mit Kulturschaffenden, sondern mit Jägern. "Ich dachte, es wäre ganz schön, wenn der Wald mal das sieht, was er sonst auch sieht", erklärt der Künstler.

Stand: 26.08.2016, 15:22 Uhr