Gesammelt fürs Wohnzimmer. "Von der Liebe in den Dingen" in Bonn

Gesammelt fürs Wohnzimmer. "Von der Liebe in den Dingen" in Bonn

Von Thomas Köster

Durch die Dauerleihgabe der Sammlung Fitting kann das Kunstmuseum Bonn seinen Schwerpunkt, die Kunst der Moderne, gleich um 200 Werke vergrößern. Ein echter Glücksfall, wie jetzt erstmals im Museum zu sehen ist.

Von der Liebe in den Dingen. Die Sammlung Wilfried und Gisela Fitting, Kunstmuseum Bonn 2017 (Ausstellungsansicht)

2009 wurde der Kölner Medizinprofessor und Sammler Wilfried Fitting Ehrenmitglied im Förderverein des Bonner Kunstmuseums. Zum Dank schenkte er dem Haus Max Ernsts wundervolles Aquarell "Von der Liebe in den Dingen", das der Ausstellung den Namen gab. Schon damals war klar, dass Wilfried und Gisela Fitting ihrer Sammlung hier im Kunstmuseum eine neue Heimat geben würden.

2009 wurde der Kölner Medizinprofessor und Sammler Wilfried Fitting Ehrenmitglied im Förderverein des Bonner Kunstmuseums. Zum Dank schenkte er dem Haus Max Ernsts wundervolles Aquarell "Von der Liebe in den Dingen", das der Ausstellung den Namen gab. Schon damals war klar, dass Wilfried und Gisela Fitting ihrer Sammlung hier im Kunstmuseum eine neue Heimat geben würden.

Die von einer eigenen Stiftung organisierte Dauerleihgabe spiegelt auch die Verbundenheit des 2012 in Köln verstorbenen Internisten zu seiner Heimatstadt Bonn. Hier wurde er geboren, hier studierte er und begann seine medizinische Karriere, bevor er 1961 ans Evangelische Krankenhaus Weyertal nach Köln wechselte, das er später als ärztlicher Direktor leitete. Währenddessen sammelte er Kunst, gemeinsam mit seiner Frau Gisela (hier Arbeiten Paul Klees).

Inzwischen sind die rund 200 Werke von 30 Künstlern als Dauerleihgabe im Kunstmuseum. Eine Auswahl von 90 Gemälden, Aquarellen, Litographien und Skulpturen sind jetzt in drei Räumen erstmals zu sehen, thematisch gehängt nach Künstlerfreundschaften, hier Ernst (unten) und Arp (oben). Allein von Max Ernst gehören nun 42 neue Werke zu den Beständen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung, die das gesamte 20. Jahrhundert überspannt, bilden die Grafiken und – vor allem – Keramiken Pablo Picassos, der damit der heruntergekommenen Keramikproduktion des französischen Örtchens Vallauris zu neuer Blüte verhalf. Und die Kunstwelt bereicherte, wie sich in Bonn anhand von einigen besonders schönen Krügen und Tellern bewundern lässt.

Ein großer Stellenwert kommt auch den Grafiken und Plastiken Eduardo Chillidas zu, die in ihrer zugleich offenen wie geschlossenen Form laut Kurator Volker Alphons "nicht im Raum stehen, sondern den Raum erst schaffen" – und so, auf sehr künstlerische Art und Weise, die ganz großen existentiellen Fragen von der Stellung des Menschen in der Welt und seinem Bezug zur Natur mit widerspiegeln.

Überhaupt ist fast allen Werken ein gewisser philosophischer Ernst zu eigen, selbst in eher spielerischen Arbeiten. Offenbar nutzte das Sammlerehepaar Fitting Kunst auch als Reflexionsraum, um sich mit Mensch und Kosmos, Natur und Entfremdung auseinander zu setzen. Auch dies wird durch die schöne Präsentation in Bonn anschaulich gemacht.

Bei aller Stringenz und Geschlossenheit merkt man der Sammlung trotzdem an, dass sie nicht im Blick auf ein Museum und die damit verbundene öffentliche Würdigung entstand, sondern aus echter Leidenschaft für jedes einzelne Werk. In Zeiten, in denen sich solvente Sammler mit pompösen Kunsttempeln selbst ein Denkmal setzen, ist dieses stille Sammeln durchaus etwas Besonderes.

Diesen intimen, liebevollen Blick auf Kunst merkt man den Exponaten an. Aber auch klugen Sachverstand, der sich nicht an Gewinnmaximierung, sondern an den den Bildern und Skulpturen innewohnenden Werten orientierte. In ihrem Haus in Köln lebten die Fittings mit den Werken, die sie immer wieder anders hingen und stellten, um neue Bezüge zu schaffen.

Bisweilen entstanden dabei auch enge Freundschaften zu den Künstlern, wie zum Maler Hann Trier, der als zentraler Vertreter des Informel heute leider etwas aus der Mode gekommen ist. Auch von ihm sind zahlreiche Werke zu sehen, darunter ein sehr spätes, erstaunlich monochromes, im Titel Gisela Fitting gewidmetes Bild. Hier zwei Arbeiten aus den 50er Jahren.

Gisela Fitting war es auch, die offenbar ganz besondere Verbindungen zu einzelnen Bildern einging. Zu ihren erklärten Lieblingen gehörte "Seht die Sonne" von Antoni Tàpies (Mitte), eine visuelle Hommage an die "Gurrelieder" Arnold Schönbergs, vor der sie angeblich stundenlang sitzen konnte, um sich darin zu versenken.

Von derlei persönlichen Bezügen erzählt "Von der Liebe in den Dingen" allerdings, als kleines Manko, leider nichts. Dafür illustriert sie als Ganzes, durch neu geschaffene Bezüge, eine Liebe zur Kunst, die mit dem eigenen Leben verschmelzen sollte. Und das ist rundherum gelungen.

Wer schon einmal im Kunstmuseum ist, sollte sich auf keinen Fall die Parallelausstellung "Versiegelte Zeit" von Nadia Kaabi-Linke entgehen lassen. Mit ihren von Fleischerhaken, Parkbänken und Taubenabwehrstachel gespickten Arbeiten bildet die Berliner Künstlerin einen urbanen, "lärmenden" Kontrapunkt zur Schau um die Ecke – was sich auch akustisch, wenn auch eher leise, niederschlägt.

"Von der Liebe in den Dingen" und "Versiegelte Zeit" sind noch bis zum 28. Januar 2018 im Kunstmuseum Bonn zu sehen. Unbedingt hingehen.

Stand: 08.11.2017, 10:01 Uhr