urbEXPO 2016: Lost Places in Bochum

urbEXPO 2016: Lost Places in Bochum

Fotos verlassener Orte und die "Ästhetik des Verfalls": Das ist der rote Faden der Fotoausstellung urbEXPO, die ab Freitag (19.08.2016) zum nunmehr fünften Mal in Bochum stattfindet. Motto der Jubiläumsschau ist ein anderes, eher schreckliches Jubiläum: 30 Jahre Tschernobyl.

Gerald Hendrix, Helmsdorf K1, Deutschland 2015

Versammelt sind in diesem Jahr 81 großformatige Arbeiten von 25 Fotografen, die sich mit "Lost Places" auseinandersetzen – und die von Menschen verlassenen und langsam verfallenen Orte mit ihren Bildern im kulturellen Gedächtnis halten wollen. Dieses Foto von Gerald Hendrix stammt aus dem sächsischen Ort Helmsdorf, der zu DDR-Zeiten zum Teil in einem Schlammteich mit radioaktiver Erzwäsche versank.

Versammelt sind in diesem Jahr 81 großformatige Arbeiten von 25 Fotografen, die sich mit "Lost Places" auseinandersetzen – und die von Menschen verlassenen und langsam verfallenen Orte mit ihren Bildern im kulturellen Gedächtnis halten wollen. Dieses Foto von Gerald Hendrix stammt aus dem sächsischen Ort Helmsdorf, der zu DDR-Zeiten zum Teil in einem Schlammteich mit radioaktiver Erzwäsche versank.

Atomkraft und Atomausstieg, Radioaktivität und Verseuchung sind zentrale Motive einer großen Zahl jener Fotografen, die von einer Jury ausgewählt worden sind. Hierzu gehört auch Leander Brunkes in Deutschland entstandenes Bild "Caelium" von 2015, das irgendwie schon aus grauer Vorzeit zu stammen scheint.

Anlass des urbEXPO-Schwerpunkts ist der 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. 15 der 81 ausgewählten Fotografien stammen aus der sogenannten Sperrzone. Oft sind sie von suggestiver Kraft. So ist es bei "Sports and Lost fun" (2015) von Oliver Kykal, das auch ohne seinen Titel verständlich ist.

Manchmal enthalten die Titel auch eine politische Botschaft. Wie Andreas Düllmanns "Save the Children" (2015) mit den verrosteten Betten Neugeborener in einem ukrainischen Krankenhaus. So künstlerisch das Bild auch wirkt: Im realen Leben ist Düllmann IT-Berater, beschäftigt sich aber schon seit einem Vierteljahrhundert mit Reise- und Landschaftsfotografie.

Andreas Düllmann ist in Deutschland, am Niederrhein, geboren. Andere Fotografen stammen aus Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Schottland und der Schweiz. Aus dem italienischen Siena kommt Diego Perez, der unter anderem mit diesem Foto von "Salaparuta" (2016) vertreten ist. Das ursprüngliche Dorf auf Sizilien wurde 1968 von einem Erdbeben zerstört.

Einige der gezeigten Fotografien halten Details verlassener Orte fest, andere zeugen von deren vergangener Schönheit. Bei Christian Schmögers "The Palace – Entry Hall" (2016) kann man sich vorstellen, welch rauschende Feste in dem italienischen Gemäuer einstmals gefeiert worden sind.

Initiiert wurde die urbEXPO 2016 von dem Bochumer Fotografen und Multimediakünstler Olaf Rauch. Ob er sich auch einer Jury stellen musste? Egal. Auch von ihm sind Fotos in der Schau vertreten, darunter das 2016 entstandene Bild aus der Mine Saint Fontaine, einst eine der wichtigsten im deutsch-französischen Grenzgebiet.

Die urbEXPO 2016 findet noch bis zum 4. September 2016 im Schlegel-Haus im Zentrum Bochums statt. Schon deshalb lohnt sich der Besuch. Denn die Räumlichkeiten, zu denen die Öffentlichkeit bisher keinen Zutritt hatte, gehören zum Terrain der einstmals ältesten Brauerei der Stadt. So macht die urbEXPO ganz real aus einem "Lost Place" einen Ort der Kunst. Im Bild: Nicole Staniewskis "Fairytale" (2016) aus Frankreich.

Stand: 17.08.2016, 14:03 Uhr