The Fun Archive: Thomas Mailaender sammelt Netztrash

The Fun Archive: Thomas Mailaender sammelt Netztrash

Der französische Künstler Thomas Mailaender sammelt Artefakte der Netzkultur – anonyme Amateurfotografien und Internet-Memes. Das NRW-Forum eröffnet im Rahmen des Düsseldorf Photo Weekend seine erste große Retrospektive.

Thomas Mailaender: 100 Tiles

Seit über 15 Jahren sammelt Thomas Mailaender für sein Fun Archive bizarre, missglückte und komische Fotos - Internet-Memes und Netztrash. Der 1979 in Frankreich geborene Künstler hat selbst in Paris Fotografie studiert, doch die Amateurfotografie fasziniert ihn am meisten: "All diese Fotos aus dem Internet, die Leute teilen, die irgendwie lustig aber auch politisch sind und die zeigen, wie wir leben."

Seit über 15 Jahren sammelt Thomas Mailaender für sein Fun Archive bizarre, missglückte und komische Fotos - Internet-Memes und Netztrash. Der 1979 in Frankreich geborene Künstler hat selbst in Paris Fotografie studiert, doch die Amateurfotografie fasziniert ihn am meisten: "All diese Fotos aus dem Internet, die Leute teilen, die irgendwie lustig aber auch politisch sind und die zeigen, wie wir leben."

Mailaender interessiert sich für das Absurde und Lustige im Alltag, festgehalten mit einem Schnappschuss. Das Internet vergisst zwar nichts, vergräbt aber Kleinigkeiten in den Bilderfluten. Diese Artefakte will er vor der Vergänglichkeit retten, indem er die Fotos von ihrem digitalen Dasein befreit. "Ich hab sie auf vielen Festplatten gespeichert. Aber ich möchte ihnen ein neues Leben geben und Kunst daraus machen", so Mailänder. Er bearbeitet seine Fundstücke, um sie so in die Welt der Kunst einzuschleusen.

Für die Serie Cyanotypes druckt er digitale Bilder aus dem Netz aus und reproduziert sie mit einem der ältesten fotografischen Druckverfahren, der Cyanotypie. So macht er aus "originalen" digitalen Bildern Einzeldrucke, die ironisch mit dekorativen Mustern und der Geschichte der Fotografie spielen.

Illustrated People ist die Dokumentation einer Performance, bei der Mailaender Original-Negative aus der Sammlung des Archive of Modern Conflict auf die Haut von Menschen aufbringt und mit einer UV Lampe bestrahlt. Dadurch erscheint ein Positiv-Bild auf den Körpern der Modelle.

Für die Serie Handicraft verarbeitet er Internetbilder auf keramischer Handarbeit – groteske Fail-Fotografien auf missglücktem Kunsthandwerk. "Das wichtigste ist für mich die Frage danach, dass diese Fotos auf Keramik für immer halten", erklärt Mailaender seine Keramikarbeiten. "Man muss sich nur mal einen Archäologen damit vorstellen."

"Ich muss immer lachen, wenn ich mir vorstelle, dass jemand diese Teile in Zehntausendjahren oder so ausgräbt", erzählt Thomas Mailaender bierernst, während er vor seinen völlig seltsamen Keramik-Arbeiten steht. Sie sehen aus wie Trash in Konfetti gehüllt, als hätte ein Kind sie im Bastelunterricht zusammen getöpfert und ein paar Fotos draufgeklebt.

Noch einen Schritt weiter geht er mit der Serie No Pain No Gain, für die er sich selbst und seinen Modellen den Schriftzug Fun tätowiert. Thomas Mailaender ironisiert Kunst, das Internet – aber irgendwie auch sich selbst.

In Interviews erzählt Mailaender gerne, dass er jeden morgen eine Stunde liest: das Guinness Buch der Rekorde, Erotikmagazine, Jagd- oder Angel-Anleitungen. "Ich wollte mich über Künstler lustig machen, die dann ein bestimmtes Buch nennen, das sie mögen", so der Künstler. "Ich stelle mich gerne dumm, wenn ich mich präsentiere. Ich bin’s natürlich nicht, aber ich kann nichts mit dieser Idee vom superschlauen Künstler anfangen. Ich mag’s einfacher.“

"Viele dieser Fotos werden ständig wiederholt, das ist wie ein Spiel. Ich finde das wirklich interessant", erzählt Mailaender. "Wenn man an Hilla und Bernd Becher denkt, die haben ja auch ihre Serien immer wiederholt. Im Internet machen die Leute irgendwie das Gleiche." Ziemlich gewagt, die absurd-lustige Amateurfotografie im Netz mit den Pionieren der Nachkriegsfotografie zu vergleichen. Aber genau darum geht es ihm: Kunst und Künstler veralbern, den Alltag aber auch, um beides auf eine Stufe zu stellen.

Im NRW-Forum Düsseldorf ist Thomas Mailaenders erste große Retrospektive The Fun Archive ab Freitag (03.03.2017) bis zum 30. April 2017 zu sehen.

Stand: 03.02.2017, 11:16 Uhr