Volles Haus für Designer Stefan Diez

Volles Haus für Designer Stefan Diez

Von Thomas Köster

Mit schnörkellos schönem Funktionsdesign wurde Stefan Diez innerhalb weniger Jahre vom Shooting Star zu einem der gefragtesten Industriegestalter der Welt. Rechtzeitig zur internationalen Möbelmesse zeigt das Kölner Museum MAKK eine Einzelschau , in der man auch sitzen und anfassen darf.

Stefan Diez beim Aufbau seiner Ausstellung Full House im Museum für Angewandte Kunst Köln 2017

Als erste Einzelausstellung überhaupt soll die Kölner Schau "Full House" für Stefan Diez keine Retrospektive sein: "eher eine Sammlung von Momentaufnahmen aus meinem Studio". Hier sitzt der 45-jährige Münchner Designer auf den noch eingepackten Füßen des brandneuen Tischchens "Bandit" (2017) zwischen noch abgeklebten Plexiglas-Wänden. Alles ist Teil einer eigens für die Schau entwickelten Architektur, die auf einem Bürotisch-Entwurf basiert und den großen Raum des MAKK in "Zellen" trennt.

Als erste Einzelausstellung überhaupt soll die Kölner Schau "Full House" für Stefan Diez keine Retrospektive sein: "eher eine Sammlung von Momentaufnahmen aus meinem Studio". Hier sitzt der 45-jährige Münchner Designer auf den noch eingepackten Füßen des brandneuen Tischchens "Bandit" (2017) zwischen noch abgeklebten Plexiglas-Wänden. Alles ist Teil einer eigens für die Schau entwickelten Architektur, die auf einem Bürotisch-Entwurf basiert und den großen Raum des MAKK in "Zellen" trennt.

Ausgepackt illustriert das Tischchen "Bandit", warum der vielfach ausgezeichnete Diez schon in jungen Jahren so viele Aufträge von Möbel-, Haushalts- oder Taschenfirmen wie Thonet, Wilkhahn, Rosenthal und Bree bekam: Das Design ist schön, schlicht - und in der Produktion höchst effizient. Der Dreifuß von "Bandit" (links unten) etwa kann aus einem einzigen Metallstück (links oben an der Wand) fast ohne Verschnitt gebogen werden.

Leicht und stabil sollen die Entwürfe sein, die Diez mit seinem Team in seiner "Laboratorium" genannten Werkstatt im Münchner Glockenbachviertel anhand von zahllosen Modellen ausprobiert. Der noch in der Entwicklung befindliche Stuhl "Kitt" ist locker mit einer Hand zu stemmen. Seine Rückenlehne hält trotzdem selbst kippelnden Schwergewichten stand. Und bequem ist er auch.

Er sei nicht nur Gestalter, sondern auch ein wenig Erfinder, sagt Diez, der bei Designlegende Richard Sapper studierte und nach einer Schreinerlehre Assistent seines Münchner Kollegen Konstantin Grcic war. Das Ergebnis ist oftmals schlicht - und in seiner Prägnanz schlichtweg spektakulär. So wie bei dieser seit 2014 entwickelten Leuchte "Guise", deren Glaskörper als Lichtleiter den LED-Strahl weicher macht.

"Rope Trick" (2015) vereinfacht klassische Komponenten einer Stehleuchte radikal. Der LED-Kühler im schleifenförmigen Seil ist gleichzeitig der Griff; das Seil ist gleichzeitig der Ständer. Schwenkt man das Seil, lässt sich die Lichtwirkung vom punktgenauen Leselicht zur diffusere Raumbeleuchtung ändern. "Letztlich wirkt sich die Vereinfachung auch auf den Preis aus", sagt Diez. Was für den Hersteller - und idealerweise auch für den Kunden - reizvoll ist.

Im japanischen Seizan, dessen rund 200 Betriebe seit 400 Jahren arbeitsteilig Porzellan herstellen, wird seit 2016 auch ein 25-teiliges Service produziert. Tassen und Teller können dank des japanischen Knowhows auf einen traditionellen Bodenring verzichten und sind deshalb leichter stapelbar.

15 Jahre Entwicklungsarbeit sind in "Full House" hineingestopft. Dabei geht es um die Umsetzung innovativer Lösungen mit industrieller Herstellungstechnik. Zumeist steht dabei am Anfang nicht der Entwurf, sondern das Verfahren, mit dem er umgesetzt werden soll. Das Gestell von "Chassis" etwa ist wie eine Autokarosserie in Space-Frame-Technologie hergestellt.

Wenn man sich nicht selbst kopiert, darf man sich dabei ruhig schon einmal selbst zitieren. Der Sessel "Eugene" (links) etwa ist eine konsequente Weiterentwicklung von "Houdini", dessen entfesselte Einzelteile an der Wand hängen. Was hier spielerisch einfach inszeniert ist, ist das Ergebnis langer, teils auch scheiternder Bemühungen und Gespräche.

Halbwegs gescheitert ist ein Projekt für das Unternehmen Bree, für das Diez den Schalenkoffer "Munich" mit umlaufendem bunten Textilband gestaltete, das zwei Griffe sowie den Reißverschluss integriert - und den Firmennamen hübsch verdeckt. Während der Entwicklung trennten sich die Inhaber des Familienunternehmens, die Produktion wurde nach Asien verlagert. Als der Koffer dann später in die Produktion ging, zog Diez seinen Namen wegen des abgeänderten Designs zurück.

Fast gescheitert wäre Diez auch bei einem seiner größten Verkaufsschlager: dem filligranen Gartensessel "Yard" für Emu aus Italien. "Die Schwierigkeit war, ein rundes, stapelbares Gerüst zu gestalten, in dessen Führungsschiene die Gurte auch nach der Verformung noch eingezogen werden konnten", sagt Diez. Nach langem Suchen habe er eine deutsche Firma gefunden, die diese Kunst beherrschte. "Inzwischen können das die Italiener auch."

Die Entstehungsgeschichte von "Yard" erzählt die Ausstellung anhand einiger Modelle aus verschiedenen Phasen nach. "Wir hätten aber auch noch unzählige andere Modelle aus weiteren Entwicklungsstufen zeigen können", sagt Diez. Im MAKK ging es aber um eine einfache, durch kurze Wandtexte und Fotos ergänzte Dramaturgie, die sich dem Betrachter schnell erschließt. Im Museumscafè vis-a-vis kann man auf "Yard" Platz nehmen.

Schön an der Ausstellung "Full House" ist auch, dass man zahlreiche der ausgestellten Objekte aus 15 Jahren auch anfassen darf. Das betrifft im Grunde alles, was nicht hinter Glas verschlossen oder ausdrücklich durch Absperrbänder markiert ist. "So versteht sich die Logik hinter unserer Arbeit am besten", sagt Diez. "Schließlich ist Be-Greifen ja der erste Schritt zum Mögen".

"Full House: Design by Stefan Diez" ist noch bis zum 11. Juni 2017 im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) zu sehen, dann wird alles wieder eingepackt. Aber vorher sollte man unbedingt einmal vorbeischauen und das Angebot nutzen, sich hinzusetzen und die Dietz'schen Dinge, die das Material an seine Grenzen führen, anzufassen. Nicht mögen ist da fast unmöglich.

Stand: 17.01.2017, 12:20 Uhr