Die Frauen der Niki de Saint Phalle

Die Frauen der Niki de Saint Phalle

Von Susanna Gutknecht

Niki de Saint Phalle ist bekannt für ihre bunten Frauenfiguren, die "Nanas". Der Weg zu diesem selbstbewussten Frauenbild war lang und führt zunächst über die Verarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse. Das Museum Ostwall in Dortmund widmet sich nun ihrem Werk.

Niki de Saint Phalle: Autoportrait (um 1958/59)

Niki de Saint Phalle (1930-2002) - geboren in Paris - hat eine von Gewalt geprägte Kindheit durchlebt. Ihr Vater, ein Investmentbanker, verliert durch den Börsencrash 1929 sein gesamtes Vermögen. Er schlägt und vergewaltigt seine Tochter. Ein Trauma, das Niki de Saint Phalle fast in den Selbstmord treibt. Später sagt sie, dass sie sich selbst geheilt hat: durch die Kunst. Ihr Werk "Autoportrait" verweist auf die Suche nach ihrem eigenen Weg als Frau und als Künstlerin.

Niki de Saint Phalle (1930-2002) - geboren in Paris - hat eine von Gewalt geprägte Kindheit durchlebt. Ihr Vater, ein Investmentbanker, verliert durch den Börsencrash 1929 sein gesamtes Vermögen. Er schlägt und vergewaltigt seine Tochter. Ein Trauma, das Niki de Saint Phalle fast in den Selbstmord treibt. Später sagt sie, dass sie sich selbst geheilt hat: durch die Kunst. Ihr Werk "Autoportrait" verweist auf die Suche nach ihrem eigenen Weg als Frau und als Künstlerin.

Mit 18 Jahren heiratet Saint Phalle ihren Jugendfreund, bekommt früh zwei Kinder. In dieser Zeit entstehen die ersten Werke der Autodidaktin. In ihren Assemblagen verarbeitet sie verschiedene Gegenstände und verteilt sie über eine Gipsoberfläche. In der Assemblage "Paysage de la mort ou Collage de la mort" verwendet Saint Phalle Pistolen, Messer oder Rasierklingen als Verweise auf körperliche Gewalt. So gelingt es ihr, ihrer lang unterdrückten Aggression symbolischen Ausdruck zu verleihen.

Anfang der 1960er Jahre entwickelt Niki de Saint Phalle mit ihren Schießbildern - genannt "Tir" - eine neue Kunstform. Dabei schießt die Künstlerin mit Farb-Kanonen auf eine weiße Bildfläche, es entstehen so farbige Zufallswerke. Erst empfindet sie das Schießen als Therapie, mit der bewussten Geste des Abfeuerns will sie sich der - den Männern vorbehaltenen - Machtrolle des Schießenden bemächtigen. Doch sie gibt das Schießen auf: "Warum ich das Schießen nach nur zwei Jahren aufgegeben habe? Ich fühlte mich wie ein Drogenabhängiger."

Saint Phalles Trauma, die Vergewaltigung durch den Vater, taucht immer wieder in ihren Werken auf. In "Martyr nécessaire / Saint Sébastian / Portrait de mon amour" hat sie ein Herrenhemd samt Krawatte auf ein Stück Holz geklebt. Nägel durchbohren den Stoff, als Kopf dient eine Dartscheibe. Durch das Werfen von Dartpfeilen auf den Kopf versucht Saint Phalle, sich auf kreative Weise von diesem Mann zu lösen.

Im Oktober 1965 präsentiert Saint Phalle erste skulpturale Frauengestalten in einer Pariser Galerie. Dazu gehörte auch die zwei Meter hohe "Lili ou Tony", bemalt in verschiedensten Farben und Mustern. Als Anregung für die Nanas dient Niki de Saint Phalle die Schwangerschaft einer Freundin. Es ist eine ziemlich radikale Wendung in ihrem Werk. Sie will nicht mehr provozieren, sondern die weiblichen Tugenden feiern. Die Nana, mit ihrem runden, ausufernden, voluminösen Körper, ist für Saint Phalle das Symbol für Fruchtbarkeit und Heiterkeit. "Für mich waren sie Symbol einer fröhlichen, befreiten Frau. (...) Ich sehe sie als Vorboten eines neuen, matriarchalischen Zeitalters."

Auch für Saint Phalle beginnt ein neues Zeitalter, sie trennt sich von ihrem ersten Mann und verliebt sich in den Schweizer Künstler Jean Tinguely. Nach ihrer Heirat im Jahr 1971 wird Saint Phalle auch in die Schweiz eingebürgert. Künstlerisch setzt sie sich fortan mit gesellschaftlichen Realitäten ihrer Zeit auseinander, wie etwa dem Kampf gegen Rassismus. "Für mich waren alle Menschen. Schwarz, weiß und gelb existierte nicht." In ihren schwarzen Nanas zeigt die Künstlerin ihre Sympathie für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Im Fall von "Black Rosy" für die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks.

Saint Phalles erste Ausstellung mit Nanas nennt sie "Nana Power". In der 17-teiligen Grafikserie wird die Figur der Nana in all ihren Ausformungen gezeigt. Die gesamte Serie ist auch Teil der Dortmunder Ausstellung. "Ich bin eine Kämpferin: Frauenbilder der Niki de Saint Phalle" ist bis Ende April 2017 im Museum Ostwall im Dortmunder U zu sehen.

Stand: 12.12.2016, 09:06 Uhr