"Revolution Jungsteinzeit" - Ausstellung in Herne

"Revolution Jungsteinzeit" - Ausstellung in Herne

Von Annabelle Steffes-Halmer

Wie aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern wurden - und dass sie lange nebeneinander her lebten - zeigt ab Mittwoch eine Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Rund 900 Fundstücke lassen die Welt von Ötzi wieder aufleben.

Auswahl der in der Landesausstellung gezeigten Jadeitbeile von verschiedenen rheinischen Fundstellen, Datierung: 4.500 - 3.800 v. Chr.

Als der Mensch vor 12.000 Jahren sesshaft wurde, begann ein neues Zeitalter: die Jungsteinzeit. Seit dieser Zeit lebten die Menschen in Häusern und Siedlungen, sie bearbeiteten die Erde und züchteten Vieh.

Als der Mensch vor 12.000 Jahren sesshaft wurde, begann ein neues Zeitalter: die Jungsteinzeit. Seit dieser Zeit lebten die Menschen in Häusern und Siedlungen, sie bearbeiteten die Erde und züchteten Vieh.

NRW erreicht die Jungsteinzeit erst später, vor rund 7.300 Jahren. In den zweieinhalb Millionen Jahren zuvor war der Mensch Jäger und Sammler. Wie genau sich der Wandel vollzog, stellte Forscher lange vor ein Rätsel. Vor elf Jahren stießen Archäologen in der Blätterhöhle bei Hagen auf diesen Frauenschädel und fanden erste Antworten auf ihre Fragen: Diese Frau lebte vor 5.600 Jahren und gehörte zu den letzten Jägern und Sammlern - fast 2.000 Jahre nach dem Eintreffen der ersten Bauern in Westfalen. Das beweist, dass mindestens 2.000 Jahre lang Jäger und Sammler sowie Bauern nebeneinander lebten - sozusagen in einer Parallelgesellschaft.

Auf diesem Bild ist die Rekonstruktion des Schädels zu sehen. Der Schädel aus der Blätterhohle ist nur einer der erstaunlichen Funde, die in der Ausstellung "Revolution Jungsteinzeit" bis zum 22. Oktober 2017 zu sehen sind.

Anhand dieses Gefäßes konnten Forscher etwa beweisen, dass die Menschen in der Jungsteinzeit bereits Milch und Käse zu sich nahmen. Aufgrund der zahlreichen kleinen Löcher an dem Gefäß vermuteten sie, dass es ein Sieb sein könnte und zur Käseherstellung genutzt wurde. Und tatsächlich: An den Scherben des Siebes konnten sie Milchfette nachweisen.

Schon vor 7.000 Jahren trugen Frauen gerne Schmuck. Statt mit Gold und Edelsteinen schmückten sich die Urzeitfrauen beispielsweise mit einer Halskette aus Tierzähnen. Diese Kette aus der Ausstellung wurde in einer Grabanlage der späten Jungsteinzeit in Erwitte-Schmerlecke (Kreis Soest) gefunden.

Ein weiteres, etwas makabres Highlight der Ausstellung ist diese 3D Rekonstruktions eines römischen Totenbettes. Die Originalüberreste fanden Archäologen auf dem Gelände des LWL-Römermuseums in Haltern.

Der zweite Teil der Ausstellung ist archäologischen Funden aus Nordrhein-Westfalen aus den vergangenen fünf Jahren gewidmet. Hier zu sehen: ein 120 Millionen Jahre alter Flugsaurier.

Dieses Feuerstein-Beil ist der jüngste Fund, der in der Herner Ausstellung zu bestaunen ist. Sondengänger Christoph Hirt fand ihn Anfang April 2017 in Bochum. Eine Analyse ergab: Die Beilklinge ist aus Rijckholt-Feuerstein gearbeitet und stammt aus dem gleichnamigen Ort im Süden der Niederlande. Dort bauten die Menschen schon vor über 7.000 Jahren Feuerstein in Bergwerken mit über zwölf Meter tiefen Schächten ab. Auch bekannt als "Stahl der Steinzeit", gelangte der Feuerstein über Handelswege nach Bochum.

Stand: 22.05.2017, 13:28 Uhr