Fotografische Zeugnisse der 68er-Revolte

Fotografische Zeugnisse der 68er-Revolte

Schah-Besuch, aufgebrachte Studenten, Tod von Benno Ohnesorg: Die späten 1960er-Jahre in Deutschland sind geprägt von radikalen Protesten. Mittendrin der Fotograf Ludwig Binder. Mit seiner Kamera porträtierte er eindrucksvoll die politischen Ereignisse der "68er". Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt nun 100 Arbeiten des Künstlers.

Ein Mann mit einer Stange geht auf Demonstranten los.

Am 2. Juni 1967 ist der Schah von Persien mit seiner Frau Farah Diba auf Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Es sind unruhige Zeiten. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Vor dem Rathaus in Schöneberg kommt es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten, der Polizei und einer Gruppe von Schah-Anhängern - den sogenannten "Prügel-Persern". Zu ihnen zählen Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes, die als Pro-Schah-Demonstranten auftreten.

Am 2. Juni 1967 ist der Schah von Persien mit seiner Frau Farah Diba auf Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Es sind unruhige Zeiten. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Vor dem Rathaus in Schöneberg kommt es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten, der Polizei und einer Gruppe von Schah-Anhängern - den sogenannten "Prügel-Persern". Zu ihnen zählen Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes, die als Pro-Schah-Demonstranten auftreten.

Ludwig Binder, 1928 in der Nähe von Belgrad geboren, seit 1961 Betreiber eines Berliner Fotostudios, dokumentiert die Proteste der "68er". Als der Schah von Persien mit seiner Frau am Abend des 2. Juni 1967 die Oper besucht, werden sie von Demonstranten mit "Mörder, Mörder"-Rufen empfangen. Der Großteil sind Berliner Studenten. Sie prangern das repressive Regime des Herrschers an. Als die Einsatzleitung den Befehl "Knüppel frei! Räumen!" erteilt, prügeln Polizisten wahllos auf die Menge ein. Der Student Benno Ohnesorg wird durch einen Schuss getötet. Als Folge radikalisiert sich die Studentenbewegung weiter.

Zu ihren bekanntesten Persönlichkeiten zählt Fritz Teufel, Mitbegründer der politischen Wohngemeinschaft "Kommune 1" in West-Berlin. Am 2. Juni 1967 wird er wegen eines angeblichen Steinfwurfes auf einen Polizisten verhaftet. Ende November beginnt der Prozess wegen Landfriedensbruchs vor dem Landgericht Berlin. Ludwig Binder fotografiert Teufel beim Zeitungslesen auf der Anklagebank. Als der Richter den Saal betritt, bleibt Teufel als Einziger demonstrativ sitzen. Der Richter fordert ihn auf, sich zu erheben. Teufels trotzig Antwort "Naja, wenn es der Wahrheitsfindung dient", schreibt Geschichte.

Zehntausende Studenten begehren damals gegen das verstaubte Hochschulwesen, die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die Große Koalition, die verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen und auch den Vietnamkrieg auf. An der TU Berlin findet am 17. Februar 1968 der Internationale Vietnam Kongress statt. Ludwig Binder begleitet die Großveranstaltung und hält fest, wie über 3.000 Studenten die Kriegsführung der USA kritisieren.

Am späten Nachmittag des 11. April 1968 fotografiert Ludwig Binder einen historischen Tatort: Passanten blicken am Gründonnerstag fassungslos auf ein Paar Schuhe innerhalb einer Kreidespur der Polizei. Kurz zuvor gab Josef Bachmann auf offener Straße drei Schüsse auf den Studentenführer Rudi Dutschke ab und verletzte ihn schwer.

Das Attentat auf Rudi Dutschke löst eine Welle der Gewalt aus. Die anfangs friedlichen Proteste erreichen an den Ostertagen 1968 ihren Höhepunkt. Die Polizei setzt mehrere Hundertschaften ein und versucht die Demonstranten mit Wasserwerfern zu stoppen.

Am 11. Mai 1968 hält sich der Autodidakt Binder in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn auf. Tausende Demonstranten, darunter auch Prominente wie Heinrich Böll, demonstrieren beim sogenannten "Sternenmarsch" gegen die Notstandsgesetze.

Es sind die kleinen Details, die Ludwig Binders Bilder zu etwas Außergewöhnlichem machen. So wie am 4. November 1968: Hunderte von Pflastersteinen säumen nach der "Schlacht am Tegeler Weg" den Asphalt. Sie lassen erahnen, welch blutiger Straßenkampf zwischen Studenten und Polizei hier stattfand. Auslöser der Auseinandersetzung war das Berufsverbot für den APO-Anwalt Horst Mahler. Der heute 81-Jährige war Gründungsmitglied der Roten Armee Fraktion und wurde später zum Rechtsextremisten.

Neben den Studentenprotesten der 68er-Generation dokumentierte der 1980 verstorbene Fotograf auch wichtige Ereignisse wie den Bau der Berliner Mauer. Ausgewählte Motive sind ebenfalls im Rahmen der Ausstellung "Revolte! Fotografien von Ludwig Binder 1967/68" vom 30. Juni 2017 bis 11. März 2018 im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen. 

Stand: 23.06.2017, 06:00 Uhr