Soziale Porträts mit Feingefühl

Soziale Porträts mit Feingefühl

Von Peter Backof

Pedro Citoler arbeitet in der Berufsnische "Social Photography": Fotos für Krankenhäuser, Altenheime, Behindertenwerkstätten. Die sozialen Träger nutzen sie für die Eigendarstellung - und dem Fotografen verlangen sie viel Feingefühl ab.

Eine jüngere Frau schmiegt sich lachend an einen älteren Mann.

Die Ethik des Fotografierens ist für den Kölner Fotografen Pedro Citoler eine besondere Herausforderung. Er fotografiert Behinderte, Beeinträchtigte, pathologische Fälle. Porträts von Menschen, die dann im Rahmen der Selbstdarstellung oder Werbung für soziale Träger verwendet werden.

Die Ethik des Fotografierens ist für den Kölner Fotografen Pedro Citoler eine besondere Herausforderung. Er fotografiert Behinderte, Beeinträchtigte, pathologische Fälle. Porträts von Menschen, die dann im Rahmen der Selbstdarstellung oder Werbung für soziale Träger verwendet werden.

"Für mich ist es im Wesentlichen eine Frage der Würde", betont Citoler. "Die Leute, die ich fotografiere, sind alle anders, als wir es normalerweise gewohnt sind. Meine Fähigkeit ist, den Leuten mit einer absoluten Liebe entgegenzutreten, mit einer Begeisterung: 'Hey, was bist du denn für einer?'"

Der schmale Grat besteht darin, dass die Porträtierten nicht bloßgestellt werden sollen; andererseits darf und muss man die Realität einer Behinderung auch zeigen, meint Pedro Citoler - auch wenn sie stotternd und sabbernd daher kommt.

"Jeder, der so ein Foto sieht, sagt: 'Wow, wo man so glücklich ist, da möchte ich auch sein.' Dann wird das Äußere zur Nebensache."

Weil "alle anders" sind, besteht die Kunst des Fotografen, zum Beispiel in einem Behindertenheim, darin, überhaupt eine soziale Situation zu schaffen, Kommunikation aufzubauen. Das sei "zeitintensiv", laufe anders ab als eine Session mit einem Fotografen, in der die Rahmenhandlung klar abgesteckt ist.

"Das Entscheidende ist gar nicht das Fotografieren, sondern die Art und Weise, wie ich damit umgehe", sagt Citoler. "Dass ich die Leute lieben kann und akzeptieren kann."

Citoler bietet in jüngster Zeit auch fototherapeutische Workshops an: "Ich bin kein Therapeut! Ich bin Fotograf! Aber der Reiz ist, dass ich so eine Art Spiegel für die Menschen sein kann."

Pedro Citoler fotografiert seit Teenagerjahren. Damals sei er, noch zu Zeiten des Kalten Kriegs, gerne in die Sowjetunion gereist, durch Zufall in Kriegs- und Krisengebiete geraten und machte sich so einen Namen als "Kriegsfotograf".

Von diesem Ruf profitiert er noch heute als freier Fotograf. Seine aktuelle Kundenliste liest sich wie ein Who-Is-Who der deutschen Medienlandschaft.

"Als ich 18 war, als ich 20 war, war ich der Meinung, dass ich der Welt erzählen müsste, wie sie zu funktionieren hat", sagt Citoler, hier auf dem Bild umringt von Porträtierten. "Das denke ich jetzt nicht mehr. Ich schaue einfach als Künstler hin, ohne zu werten."

Stand: 03.08.2017, 11:19 Uhr