Stadtrat will Museum Morsbroich erhalten

Museum Morsbroich, Ruhe vor dem Sturm, 2015 (Ausstellungsansicht)

Stadtrat will Museum Morsbroich erhalten

Muss das renommierte Museum Morsbroich schließen? Das empfehlen Wirtschaftsprüfer der Stadt Leverkusen. NRW-Museumsdirektoren, Kulturinstitutionen und der Kölner Maler Gerhard Richter protestierten. Jetzt will auch die Stadt nach anderen Lösungen suchen.

Bis Januar 2016 prangte an der Fassade des Museum Morsbroich in Leverkusen für eine Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel "Ruhe vor dem Sturm" eine Neonskulptur des britischen Postminimalisten Jonathan Monk. "Closed" stand darauf zu lesen. Dieses Schicksal könnte das Haus, das eine der bedeutendsten Sammlungen mit Gegenwartskunst in Nordrhein-Westfalen besitzt, jetzt tatsächlich ereilen.

Entscheidung muss im Juni fallen

Um die verschuldete Stadt Leverkusen zu sanieren, schlagen Wirtschaftsprüfer der Prüfungsgesellschaft KPMG elf Sparmaßnahmen vor, bei der die Schließung von Morsbroich offenbar "im Fokus" steht. Hier lägen "enorme Einsparpotenziale". Das am Dienstag (23.02.2016) bekannt gewordene Gutachten empfiehlt, "sämtliche Aktivitäten des Museums einzustellen und die Sammlung in ihrer bestehenden Form aufzulösen". Dies würde ab 2019 Personal- und Betriebskosten von rund 800.000 Euro für den Kulturbetrieb einsparen.

Die Stadt, deren Kulturhaushalt um insgesamt 1,1 Millionen Euro entlastet werden soll, habe jetzt vier Monate Zeit, sich ein Konzept zu überlegen, sagte ein Sprecher der Stadt dem WDR. Bis Ende Juni müsse die Stadt einen konkreten Vorschlag zur Umsetzung der Sparmaßnahmen vorlegen. Allerdings hat sich der Leverkusener Stadtrat in einer Sitzung am Montag (02.03.2016) mehrheitlich bereits gegen die Museumsschließung ausgesprochen. Auch Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) will sich für den Erhalt des Museums stark machen, sofern andere Einsparmöglichkeiten gefunden werden.

Droht dem Museum Morsbroich das Aus?

WDR 3 Resonanzen | 23.02.2016 | 04:58 Min.

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Museumsdirektoren aus NRW und Gerhard Richter protestieren

Die Politik reagiert damit nicht zuletzt auf Proteste aus der Kultur-Szene, darunter die Kunstakademie Düsseldorf, der Verband Rheinischer Museen (VRM) und der Internationale Kunstkritikerverband AICA. Die 20 Direktoren der RuhrKunstMuseen schrieben in einem Brief an Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD): "Sie müssen wissen, welchen Schaden Sie ihrer Stadt antun, wenn Sie sie ins kulturelle Niemandsland katapultieren." Weiter heißt es: "Was soll man von einer Stadt halten, die ihre kulturelle Tradition verrät?" Zuvor hatten schon die Direktoren der wichtigsten Museen im Rheinland an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geschrieben und vor der Schließung des Museums gewarnt: Diese hätte verheerende Auswirkungen auf die Museen im ganzen Land. Zuvor hatte der Museumsvereins Morsbroich in einem offenen Brief an Richrath davon gesprochen, dass das Gutachten "die Fakten in grotesker und äußerst zynischer Weise" verzerren würde.

Gerhard Richter im Porträt

Mahnt: Gerhard Richter

Kritik äußerte auch der Maler Gerhard Richter, der dem Museum Morsbroich eng verbunden ist und sich in einem Offenen Brief ebenfalls an Oberbürgermeister Richrath wandte. Der in Köln lebende Richter mahnte, eine öffentliche Sammlung sei keine Geldanlage, die je nach Kassenlage geplündert werden dürfe. Das Museum sei außerdem eine Institution, die weit über die Grenzen des Landes wahrgenommen werde.

NRW-Kulturministerin Christina Kampmann (SPD) sagte: "Die Schließung des Hauses wäre ein schmerzhafter Verlust für das Kulturland NRW." Morsbroich sei "ein Juwel in der Museumslandschaft Nordrhein-Westfalens". Auch der Kulturrat NRW sieht "mit Sorge, dass die Stadt Leverkusen darüber nachdenkt, das Museum Morsbroich abzuwickeln". Das Museum genieße internationales Ansehen.

Bemerkenswert und vorbildlich

Als mögliche Alternative schlagen die Gutachter vor, Kunstwerke aus dem Bestand des Museums zu verkaufen und das Haus in die Hände eines privaten Trägervereins zu geben. Dies sei aber mit zahlreichen Unwägbarkeiten verbunden, würde bei jedem Verkauf "eine erneute Diskussion" provozieren und würde viel weniger Geld als eine Schließung einsparen.

Museum Morsbroich, Ruhe vor dem Sturm, 2015 (Ausstellungsansicht)

Museum Morsbroich, Ruhe vor dem Sturm, 2015 (Ausstellungsansicht)

Das in einem ehemaligen Barockschloss untergebrachte Museum Morsbroich gilt als eines der renommiertesten Häuser für moderne Kunst in NRW. Nach den Zweiten Weltkrieg war es eines der ersten Häuser des Landes, das sich mit Ausstellungen etwa zu Andy Warhol oder Yves Klein der zeitgenössischen Kunst verschrieb. Seine Sammlung enthält rund 400 Gemälde und Skulpturen sowie 5.000 druckgrafische Werke, darunter Kunst von Gerhard Richter, Joseph Beuys und Alexander Calder.

2009 wurde das Museum Morsbroich von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA zum "Museum des Jahres" gewählt - vor allem, weil es für das "bemerkenswert hohe Niveau der Ausstellungstätigkeit in Leverkusen" verantwortlich sei und das Publikum vorbildlich an die aktuelle Kunstszene heranführe. Die Gutachter der Stadt Leverkusen hingehen führen jetzt allerdings schwindende Besucherzahlen sowie den Umstand ins Feld, dass es "in unmittelbarer geografischer Nähe" in Düsseldorf und Leverkusen bereits hinreichende Angebote gebe, sich mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen".

Den Sturm der Entrüstung hatten die Wirtschaftsprüfer voarusgesehen. "Es ist davon auszugehen, dass eine Schließung des Museums von Protesten begleitet sein wird", heißt es selbst in dem Gutachten.

Stand: 02.03.2016, 15:40