Malende Dichter und dichtende Maler

Malende Dichter und dichtende Maler

Seemann, Kauz und Dichter schräger Verse: Joachim Ringelnatz war alles in Personalunion. Dass er auch ein ausgezeichneter Maler war, belegt jetzt eine Ausstellung in Solingen. Mit seiner Doppelbegabung steht er aber nicht allein.

Joachim Ringelnatz, Elefant im Sturm, 1927 (links) und Joachim Ringelnatz

Bekannt wurde Ringelnatz (1883-1934) vor allem mit seinen Gedichten vom Seemann Kuttel Daddeldu. Weniger bekannt ist, dass er am Ende seines Lebens vor allem Maler war. Sein Werkverzeichnis listet 213 außergewöhnliche Gemälde, von denen 40 Prozent verschollen sind. Im Zentrum für verfolgte Künste sind 50 Originale und 50 Faksimiles verschollener Werke zu sehen, darunter der fantastische "Elefant im Sturm" (1927).

Bekannt wurde Ringelnatz (1883-1934) vor allem mit seinen Gedichten vom Seemann Kuttel Daddeldu. Weniger bekannt ist, dass er am Ende seines Lebens vor allem Maler war. Sein Werkverzeichnis listet 213 außergewöhnliche Gemälde, von denen 40 Prozent verschollen sind. Im Zentrum für verfolgte Künste sind 50 Originale und 50 Faksimiles verschollener Werke zu sehen, darunter der fantastische "Elefant im Sturm" (1927).

In Solingen kann man bestaunen, dass der Maler dem Dichter Ringelnatz mit seinen auch perspektivisch außergewöhnlichen Bildern durchaus ebenbürtig war. Links der "Flugzeugblick" (1926), rechts "Auf dem Kohlendampfer" (1928). Ringelnatz reiht sich somit ein in eine Riege von Dichter-Malern, deren Talente allerdings nicht immer so ausgeglichen verteilt waren.

Goethe zum Beispiel. Mehr als tausend Zeichnungen hat der Dichter hinterlassen – darunter diese vom Pfarrhaus zu Sesenheim, das Goethe während seines Aufenthalts in Strassburg 1770 aus Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion besuchte. "Ich habe viel gezeichnet, sehe aber zu wohl, dass ich nie Künstler werde", war seine bittere Erkenntnis.

Hermann Hesse befand, dass das Malen "zufriedener und geduldig" mache. Und das Leben bunter: "Man hat hinterher nicht, wie beim Schreiben, schwarze Finger, sondern rote und blaue." Malen half Hesse, so manche schwere Krise zu überwinden. Die meisten seiner 3.000 Aquarelle huldigen den farbenfrohen Landschaften von Hesses Wahlheimat Tessin.

Aber auch vom Zeichnen kann man schwarze Finger kriegen. Diese Erfahrung machte Franz Kafka, dessen expressionistisch anmutende Strichmännchen als Illustrationen seiner Bücher überlebten. "Du, ich war einmal ein großer Zeichner", schrieb Kafka 1913 an Felice Bauer. "Nur habe ich dann bei einer schlechten Malerin schulmäßiges Zeichnen zu lernen angefangen und mein ganzes Talent verdorben."

Schwarz und bunt: Das konnte Else Lasker-Schüler beides. Diese Zeichnung stellt die Dichterin als Prinz Jussuf von Theben dar: Titelfigur mehrerer ihrer Erzählungen. Mit dem Namen des wilden und anmutigen Prinzen unterschrieb die Dichterin Postkarten. Und ließ 1923 im Text-Bilderbuch "Theben" zehn Gedichte mit zehn feinstrichigen Zeichnungen konkurrieren.

Auch Günter Grass hat einmal expressionistisch angefangen. Das zeigt eine Ausstellung mit seinem vor fast 70 Jahren an der Kunstakademie in Düsseldorf entstandenen Frühwerk in Lübeck noch bis zum 20. Oktober 2016. "Als bildender Künstler bin ich gelernter, als Schreiber ungelernter Künstler", sagte der Nobelpreisträger einmal. Seine Lithographien, Skulpturen und Aquarelle gilt es immer noch zu entdecken. Ebenso wie den Maler Ringelnatz.

"War einmal ein Bumerang. Der Maler Joachim Ringelnatz kehrt zurück" ist noch bis zum 17. Juli 2016 im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen zu sehen. Ein Katalog mit allen gezeigten Bildern (hier: "Der Dachgarten der Irrsinnigen" von 1925) ist im Museumsshop erhältlich. Die Kunstausstellung wird durch eine separate Ausstellung zum literarischen Werk von Ringelnatz ergänzt.

Stand: 26.04.2016, 14:55 Uhr