Wie die Deutschen Luther sahen - Ausstellung in Dalheim

Wie die Deutschen Luther sahen - Ausstellung in Dalheim

Von Annabelle Steffes-Halmer

Held, Revolutionär oder Wegbereiter der Nationalsozialisten? Die Schau "Luther - 1917 bis heute" im Klostermuseum Dalheim beleuchtet, wie die Figur Martin Luthers in den letzten 100 Jahren genutzt und missbraucht wurde.

Porträt aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä.: Martin Luther, um 1539

1517 spaltete Martin Luther mit seinem Thesenanschlag die Christenheit und legte sich mit der Obrigkeit in Rom an. Ironie des Schicksals, dass eben dieser "Rebell" im Laufe der letzten 100 Jahre immer wieder von Obrigkeiten vereinnahmt wurde, die seine Aussagen in einen politischen Zusammenhang stellten. Ausgehend von der 400-Jahrfeier der Reformation im Jahr 1917 zeigt die Schau mit 300 Exponaten - darunter dieses Luther-Porträt von Cranach - das sich wandelnde Lutherbild als Spiegel der Zeit.

1517 spaltete Martin Luther mit seinem Thesenanschlag die Christenheit und legte sich mit der Obrigkeit in Rom an. Ironie des Schicksals, dass eben dieser "Rebell" im Laufe der letzten 100 Jahre immer wieder von Obrigkeiten vereinnahmt wurde, die seine Aussagen in einen politischen Zusammenhang stellten. Ausgehend von der 400-Jahrfeier der Reformation im Jahr 1917 zeigt die Schau mit 300 Exponaten - darunter dieses Luther-Porträt von Cranach - das sich wandelnde Lutherbild als Spiegel der Zeit.

So stand das Reformationsjubiläum im Jahr 1917 deutlich im Zeichen des Ersten Weltkrieges. Auf dieser Feldpostkarte ist ein Militärgeistlicher zu sehen, der die Soldaten segnet. Zur Stärkung des Patriotismus' wurde ein Vers Luthers dazu gestellt: "Eine feste Burg ist unser Gott".

Auch die Nationalsozialisten machten sich Luthers Aussagen für ihre Propaganda und die ideologoische Rechtfertigung ihrer Verbrechen zunutze. Sie zogen dazu judenfeindliche Schriften heran, die Luther selbst verfasst hatte.

Seine "zügellosen", antisemitischen Äußerungen etwa in der Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" von 1543 seien bis heute erschreckend, sagt Dr. Ingo Grabowsky, Direktor des LWL-Museums für Klosterkultur. "Diese Passagen lassen sich wie eine Anleitung zu den späteren Pogromen der Nationalsozialisten lesen." Die Ausstellung im Kloster Dalheim wolle diese problematischen Aspekte nicht ausklammern.

In der DDR gingen die Meinung zu Luther auseinander: Das religionsfeindliche Regime stand dem Theologen Luther zunächst ablehnend gegenüber. Unter Honecker versuchte die SED in den 1980er Jahren dann aber, Luther zu vereinnahmen und zum ersten Revolutionär zu stilisieren. Dieses mehrere Meter große Triptychon des DDR-Künstlers Uwe Pfeifer zeigt den Theologen in einem angeregten Tischgespräch mit einem Guerillero einer südamerikanischen Befreiungsbewegung.

Die Ausstellung möchte Martin Luther nicht nur als eine Figur zeigen, die der Vergangenheit angehört, sondern auch beleuchten, wie die aktuelle Gesellschaft mit ihr umgeht: "Luther ist eine Schicksalsfigur der Deutschen, im Positiven wie im Negativen", meint Museumsleiter Ingo Grabowsky. Sein Mut gelte als beispielhaft. So ist Luthers Lebensgeschichte mittlerweile auch Stoff für Musicals und Filme.

2003 schaffte es der Reformator sogar in die internationalen Kinos. Jospeh Fiennes mimte den Augustinermönch - das Bild zeigt sein Originalkostüm - in der US-amerikanisch-deutsch-britischen Koproduktion "Luther". Allein in Deutschland lockte der Film rund drei Millionen Zuschauer in die Kinos. Er gilt als einer der erfolgreichsten Filme mit deutscher Beteiligung in den USA.

Die Ausstellung ist bundesweit eine der ersten großen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsgedenken im nächsten Jahr und läuft noch bis zum 12. November 2017. Präsentiert werden auch aktuelle Werbeartikel wie die "Luthersocke" mit der Aufschrift "Hier stehe ich" oder die Luther-Playmobil-Figur im Klein- und im Großformat.

Stand: 30.10.2016, 08:00 Uhr