Wallraf-Richartz-Museum erinnert an Luise Straus-Ernst

Wallraf-Richartz-Museum erinnert an Luise Straus-Ernst

Luise Straus-Ernst ist eine der ersten promovierten Kunsthistorikerinnen in Deutschland. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt nun eine von ihr 1917 kuratierte Schau noch einmal als Rekonstruktion.

Luise Straus-Ernst, ca. 1916, Foto aus Nomadengut, Hannover 2000

Sie war nicht nur eine der ersten Kunsthistorikerinnen, sie leitete im Ersten Weltkrieg außerdem kommissarisch das Wallraf-Richartz-Museum und mischte als Dadaistin die Kölner Kunstszene auf. Elf Jahre lang war sie vor den Nazis auf der Flucht, die sie dann doch fanden und 1944 in Auschwitz ermordeten.

Sie war nicht nur eine der ersten Kunsthistorikerinnen, sie leitete im Ersten Weltkrieg außerdem kommissarisch das Wallraf-Richartz-Museum und mischte als Dadaistin die Kölner Kunstszene auf. Elf Jahre lang war sie vor den Nazis auf der Flucht, die sie dann doch fanden und 1944 in Auschwitz ermordeten.

Vielen ist Luise Straus-Ernst, die erfolgreiche Historikerin und engagierte Künstlerin mit dem bewegten Leben, nur als die erste Ehefrau von Max Ernst bekannt.

Dieser verkürzten Wahrnehmung setzt das Wallraf-Richartz-Museum nun eine Ausstellung entgegen. Dafür rekonstruiert das Kölner Museum die 1917 von Straus-Ernst selbst gezeigte Sonderschau "Alte Kriegsdarstellungen - Graphik des 15. bis 18. Jahrhunderts".

(Jan van de Velde II, Schießende Artillerie mit Kanonen bei Nacht [aus: Die 4 Elemente, Nr. 3: Das Feuer], um 1622, Radierung)

Rund 120 Blätter von Meistern wie Dürer, Goltzius und Callot hatte Straus-Ernst einst ausgewählt und versprach den Besuchern im begleitenden Katalog "einen knappen Überblick über die Kriegsdarstellungen in der graphischen Kunst".

(Albrecht Dürer, Die große Kanone, 1518, Eisenradierung)

Aber die Schau war keine Jubelausstellung, die die schwindende Kriegseuphorie des deutschen Volkes wieder entfachen sollte. Im Gegenteil: Die stummen Blätter zeigten und zeigen den Krieg als menschliche Katastrophe, ungeschönt und in all seiner Nachdrücklichkeit.

(Jacques Callot, Die Bestrafung [aus den "Schrecken des Krieges", Nr. 11], Radierung)

Eine Auswahl von 64 der vor 100 Jahren erstmals ausgestellten Werke sind jetzt im Graphischen Kabinett des Wallraf zu sehen.

(Georg Pencz, Die Eroberung Karthagos durch die Römer, 1539, Kupferstich)

Die Schau fragt nach der Motivation, mit der sich Straus-Ernst dem Thema "Krieg in der Kunst" widmete, und skizziert gleichzeitig die unterschiedlichen Facetten einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

(Albrecht Dürer & Hans Springinklee, Zweiter Krieg mit Geldern [aus: Die Ehrenpforte für Kaiser Maximilian I.], 1515, Holzschnitt)

Den alten Blättern werden zehn aktuelle Arbeiten von Louisa Clement gegenübergestellt, die sich mit der medialen Präsenz und Allgegenwärtigkeit heutiger Kriegsdarstellungen auseinandersetzen.

(Louisa Clement, weapon 2, 2017, 120 x 66 cm, Inkjetprint)

Die ehemalige Meisterschülerin von Andreas Gursky studierte von 2010 bis 2015 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf und gewann 2016 den Förderpreis des Landes NRW.

(Louisa Clement, Gliedermensch #14, 2017, 100 x 65 cm, Inkjetprint)

Die Ausstellung "1917 - Erinnerung an Luise Straus-Ernst" läuft bis zum 10. September 2017 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum.

(Albrecht Dürer, Reiter und Landsknecht, um 1496, Holzschnitt)

Stand: 20.06.2017, 14:52 Uhr