Heilige in Rüstungen im Ikonen-Museum Recklinghausen

Heilige in Rüstungen im Ikonen-Museum Recklinghausen

Von Claudia Friedrich

Von "Drachenkämpfern und anderen Helden" heißt die aktuelle Sonderausstellung im Ikonen-Museum in Recklinghausen. Die Kriegerheiligen stehen und standen hoch im Kurs. Das zeigt die Ausstellung sehr eindrucksvoll mit ihren 1.500 Objekte aus 1.000 Jahren.

Geist und Gold: Ikonenmuseum am Kirchplatz in Recklinghausen

Perlen der Orthodoxie: Ikonenmuseum Recklinghausen
Am Kirchplatz in Recklinghausen, gegenüber der St. Peter-Kirche, steht die ehemalige Turmschule. Seit 61 Jahren ist das Haus ein Museum. In dem klassizistischen Bau und seinem Goldkubus aus Beton lagert die bedeutendste Sammlung ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder. Der Schatz umfasst russische, griechische und rumänische Ikonen, Textilien, koptische Werke aus Ägypten, eine geschnitzte Ikonostase (Bilderwand).

Perlen der Orthodoxie: Ikonenmuseum Recklinghausen
Am Kirchplatz in Recklinghausen, gegenüber der St. Peter-Kirche, steht die ehemalige Turmschule. Seit 61 Jahren ist das Haus ein Museum. In dem klassizistischen Bau und seinem Goldkubus aus Beton lagert die bedeutendste Sammlung ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder. Der Schatz umfasst russische, griechische und rumänische Ikonen, Textilien, koptische Werke aus Ägypten, eine geschnitzte Ikonostase (Bilderwand).

Hüterin des Hauses: Museumsleiterin Eva Haustein-Bartsch
Eva Haustein-Bartsch leitet das Ikonenmuseum in Recklinghausen seit 33 Jahren. Die Kunsthistorikerin und Slawistin kuratierte die Sonderschau "Von Drachenkämpfern und anderen Helden. Kriegerheilige auf Ikonen". Sie ist auch die Herausgeberin des Katalogs, der parallel zur Ausstellung erschienen ist.

Heiliger in Rüstung: Anhänger-Ikone mit Bildnis vom Heiligen Georg
Georg ist der berühmteste und beliebteste Kriegerheilige des Christentums. Er galt als der Schutzpatron der Byzantinischen Kaiser. In Deutschland gehört der Heilige Georg zu den 14 Nothelfern. Der Legende nach bezwang der Reiter einen schrecklichen Drachen, vor den Augen einer Prinzessin, die der Bestie zum Fraß vorgeworfen werden sollte. Eine Szene, die in unzähligen Variationen auf Ikonen gebannt wurde, auch auf diese Anhänger-Ikone aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist eine der kleinsten Objekte in der Sonderschau des Ikonenmuseums Recklinghausen. Auf dem acht Zentimeter großen Oval trieb der Schöpfer den Kampf in Silber, das sich wie ein Mantel um eine gemalte Miniatur auf Holz legt und nur in den Aussparungen die farbigen Gesichter und Hände freigibt.

Souvenirs für Pilger: Menasampullen
Die ältesten Stücke der Ausstellung stammen aus dem 11. Jahrhundert: Pilgerampullen mit Darstellungen des Heiligen Menas. Menas stammte aus Ägypten, war Soldat der römischer Armee, bekannte sich zum christlichen Glauben, wurde gefoltert und enthauptet. An seiner Grabstätte unweit von Alexandria entstand einer der größten Wallfahrtsorte der Spätantike. Pilger besuchten Abu Mena (Menas-Stadt), kauften Tonflaschen mit geweihtem Öl oder Wasser und trugen sie in ihren Taschen nach Hause. 1500 Jahre später fanden sich Ampullen in England, Frankreich, Italien, Griechenland, Kleinasien.

Im rechten Licht: Ikone unter UV-Strahlung
Bis heute entstehen Ikonen in einer Tradition, die rund 1.700 Jahre alt ist, Sinnbilder des Glaubens. Kunst wurde nicht um der Kunst willen geschaffen, sondern als Stellvertreter für ihr Urbild, für die Muttergottes, für Jesus, die Schutzheiligen, Kriegerheiligen. Die Bildnisse sind in Metall getrieben oder auf eine Holztafel aufgebracht mit Eitempera, einer Mischung aus Eigelb und Farbpigmenten. Unter UV-Strahlung begutachtet Eva Haustein-Bartsch die verschiedenen Farbschichten, das Licht macht ältere Restaurationen und Schäden sichtbar.

Kult in der Kritik: Literaturwissenschaftler Oleksandr Zabirko
Oleksandr Zabirko, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Slawisch Baltischen Seminar der Universität Münster, steht vor einer Ikone aus Nordrussland (zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts); sie zeigt den Heiligen Demetrios von Thessaloniki. Für den Ausstellungskatalog schrieb der ukrainische Literaturwissenschaftler einen Text über die Kriegerheiligen in der russischen Geschichte bis heute. "Ich selbst bin in der Sowjetunion aufgewachsen, in einer Zeit, in der Taufen heimlich stattfanden. Doch in den 1990er Jahren gab es eine religiöse Renaissance, die mich veranlasste, mich mit diesem Phänomen kritisch auseinanderzusetzen."

Das Blut der Brüder: Leidensbrüder Boris und Gleb
Die zwei Brüder Boris und Gleb starben durch die Hand des Halbbruders im Kampf um das Erbe des Vaters: die Regentschaft über das Großfürstentum Kiew. Die Ikone der ersten russischen Kriegerheiligen ist das jüngste Werk in der Recklinghausener Ausstellung. Sie entstand 2014 in Palech. Palech, das berühmte Malerdorf in Zentralrussland. Im 14. Jahrhundert wurde Palech Zentrum eines Fürstentums. Die Menschen bearbeiteten die unfruchtbaren Böden. Sie betrieben Handel und unterhielten Pferdepoststationen. Anfang des 17. Jahrhunderts schufen leibeigene Bauern die ersten Ikonen. Aus den Malern wurden Meister. In ihren Holzhäusern tradierten die Maler das Erbe aus Byzanz und etablierten den Palecher Stil. Gesichter mit heller Stirn und weißen Wangen. Ocker auf grünem Grund. Spitzdächer, Zwiebeltürme, Phantasieberge, Märchenbäume.

Pathos statt Politik: Feldherr und Märtyrer Alexander Newski
Das Bildnis des Heiligen Alexander Newski ist ebenfalls eine der jüngsten Ikonen in der Ausstellung, gemalt im Jahr 2007, von Oleg An, einem Künstler der Palecher Schule. Für das Werk in der Recklinghauser Ausstellung vermischte Oleg An Ikonenmalerei mit der Technik für Lackminiaturen. Alexander Newski entstand aus Eitempera, Gold und Lack auf Papiermaché. In der einen Hand das Schwert, in der anderen ein Märtyrerkreuz. Das Schwert steht für Stärke, das Kreuz für einen gewaltsamen Tod. Doch der Großfürst von Kiew und Wladimir starb nicht unter Martern und wurde dennoch heilig gesprochen. Ein Nationalheld, der den Westen brüskierte und den Papst zurückwies. Oleksandr Zabirko: "Figuren wie Alexander Newski werden für patriotische Ambitionen instrumentalisiert. Sie dienen der nationalen Identität, verbunden mit einer antiwestlichen und antiliberalen Rhetorik."

Geist und Gold: Ikonenmuseum am Kirchplatz in Recklinghausen
1956 zählte das Ikonenmuseum in Recklinghausen 223 Kultbilder aus dem orthodoxen Christentum. Sechs Jahrzehnte später umfasst der Bestand 3.500 Objekte. Die Initiation waren zwei Privatsammlungen, die verkauft werden sollten. Der damalige Direktor der Kunsthalle Thomas Grochowiak mobilisierte die Verwaltung, fand in der ehemaligen Turmschule ein geeignetes Domizil und legte so den Grundstein für das Museum. Die aktuelle Ausstellung in Recklinghausen läuft noch bis zum 12. Februar 2017.

Stand: 01.02.2017, 10:53 Uhr